Vertreibung aus dem Paradies

Zurück am Mittelmeer fanden wir erst einmal unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Der Gemüseanbau in Spanien ist eine einzige Verschandelung der Landschaft.

Wenn man das nicht selber sieht, kann man das gar nicht glauben. Zwischen Motril und dem Cabo de Gata ein einziger „Traum“ in Weiß.  Kurz vor Almeria quälten wir uns zu einem angeblich schönen Stellplatz, wobei nach der Beschreibung das Hinterland „ potthässlich“ sein sollte. Das fanden wir noch untertrieben. Wir fuhren da nämlich mitten durch die ätzende Plastikwelt hindurch und der Strand war auch dermaßen grauselig, dass ich gar kein Foto davon gemacht habe.

Nee,  hier wollten wir nicht länger bleiben, also am nächsten Morgen husch zurück, sich wundernd, wie viele Leute an so einem erbärmlichen Ort, doch tatsächlich tagelang mit ihrem Wohnmobil stehen.

 

Wir nahmen Kurs auf das Cabo de Gata und stoppten zuerst in Rettamar, quasi am Beginn des Natioanalparks. Eine gigantomane Sache. Extrem aufgeräumt, toll hergerichtet, riesig groß alles, aber noch menschenleer. Lediglich 3 andere Wohnmobile und wir auf weiter Parkplatzflur. Wie das hier wohl in der Saison aussieht? Jetzt jedenfalls superhübsch.

Schon die  Anfahrt  in den Nationalpark war gesegnet mit tollen Ausblicken, endlich ohne die Plastikzelte. 

Und dann kam unsere bisher schönste Bucht am Mittelmeer. Der Playa El Playazo bei Rodalquilar.

Die Bucht selber war eingerahmt von Felsen, auf der einen Seite mit alter Burg und tollen Felsformationen, auf der anderen Seite grün. Toller Stellplatz, alles super. Hier bleiben wir. Denkste.  Gegen 21.00 Uhr, schön satt und bräsig, plötzlich rotierendes gelbes Licht. Klopf. Klopf. Hä? Oha, die freundliche spanische Polizei. Nein, hier könnten wir nicht übernachten. Und Tschüß. Aber wohin in der mittlerweile finsteren Nacht?  Wir nahmen Zuflucht bei einer Tankstelle. Tja, kannten wir ja schon aus Südamerika, machte es aber trotzdem nicht besser. Was für ein Jammer.

 

 

Nach dem Cabo de Gata folgt zwischen Aguilas und Cartagena ein glücklicherweise vom Bauboom relativ verschonter Küstenabschnitt mit einigen traumhaften Buchten. Wir steuerten diese nach der Tankstellenübernachtung unfreiwillig früh an. Wieso so früh? Tja, ganz diskret hatten wir und des nächstens an die Seite von einem Restaurant gequetscht, dass völlig geschlossen aussah. Um 6 Uhr morgens dann plötzlich ein Auto nach dem anderen. Am Samstag!. Ich gucke raus und scheuche Martin hoch. Wir müssen weg, die parken uns hier sonst total zu. Keine Ahnung was die alle hier wollen. Und zack, zugeparkt. Aber die freundlichen Spanier sind natürlich immer gewillt zur Hilfe zu eilen und beorderten den Zuparker sofort wieder aus dem Restaurant raus, wo sich offensichtlich eine Riesengruppe älterer Herren getroffen hat. Wofür, um diese Zeit? Das bleibt deren Geheimnis.

Auf ging es daher im Morgengrauen zur Playa Carolina bei San Juan de los Terreros.

 

Bei der Zufahrt stockte uns erst einmal der Atem. Nicht weil es so toll war, sondern wegen der enorm vielen Wohnmobile. Oha. Also erst einmal Liesel abgestellt und durch die Gegend geschlichen. Die Lage aber wirklich toll. Wie ein Kleeblatt gingen mehrere kleine Buchten von dem Stehplatz ab, der sich aufteilte in einen unteren Platz und quasi ein oberes Plateau mit toller Sicht. Da die Anfahrt nicht ganz so bequem war, standen hier oben nicht ganz so viele und wir hatten eine wirklich tolle Sicht direkt von der Liesel aus.  Freundlicherweise war auch noch ein Wanderweg angelegt, so dass man andere Buchten zu Fuß aufsuchen und wirklich schöne Fotos der ganzen Bucht machen konnte.

Wir entschlossen uns dann hier, direkt hinter der Grenze Andalusiens die Spanientour abzubrechen und uns jetzt auf den Weg zu machen Richtung Dalmatien, Albanien und Griechenland. Also sehr viele Kilometer hinter uns zu bringen. Den „Rest“ Spaniens weiter im Norden, die Sierra Nevada und das übrige Hinterland wollen wir uns dann ein anderes Mal gesondert angucken. Dafür muss es etwas  später im Jahr und damit  ein wenig wärmer sein. Wir mögen Spanien einfach super gerne. Das Land hat so unheimlich viel zu bieten. Leider ist die Mittelmeerküste bis auf einige wenige Stellen wirklich sehr verbaut und der Gemüseanbau dort tut sein Übriges. Aber der Norden, das Hinterland und die Atlantikküste sind wirklich empfehlenswert. Die großen Städte sowieso, also auch für uns noch viel zu entdecken.

Hier noch einige Einzelfotos:

Was diese Tour verjüngt. Guckt mal, was  regelmässiges üben mit Schwingstab und Co bewirken. Toll, nicht? Hat nur einen Haken, ich bin es leider nicht. 

 

Hier ist es wie im Flieger. Rechts  Business nach Valencia, links Economy ohne Maut. Aber wie gesagt, auch hier eine gute doppelspurige Straße, oft nebeneinander!

Emmas Lieblingsplatz während der Fahrt

Hier wird die Fahrbahnmarkierung noch per Hand aufgetragen. Respekt!

Wir sind  dann in Frankreich  gekreiselt und gekreiselt und noch mehr gekreiselt. Wenn die Franzosen eines können, dann sind das Kreisel. Wir versuchen ja nach wie vor Mautstraßen zu meiden. Zum einen sieht man mehr und zum anderen kosten wir einfach mit der dicken Liesel so unverhältnismäßig viel. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Der neben den Kreiseln dann noch  schlechte Zustand der Straße hat uns dann doch überzeugt, in großen Passagen auf die Autobahn zu wechseln. Sehr eigenartig, dass in Spanien die Straßen so viel besser sind, als in Frankreich.

 

Bei einer der Übernachtungen ist uns fast Emma abhanden gekommen. Wir spazieren so ganz gemütlich einen Feldweg lang, der sich gabelt. Wir nach links, Emma erst mal fix nach rechts. Unser Weg endete plötzlich an einer Art Klippe, unten der Fluss. Plötzlich kommt von hinten Emma angewetzt – und kann nicht mehr stoppen!!!!! Zack, weg war sie. Wir haben fast einen Herzstillstand gehabt. Mehr Glück als Verstand hatte sie. In etwa 3 Metern Tiefe war ein Vorsprung, auf dem sie gelandet ist. An der einen Seite gelang ihr dann mit unserer Hilfe auch der Wiederaufstieg.  Ich befürchte jedoch, dass sie  den Zusammenhang von Geschwindigkeit und dadurch Verlängerung des Bremsweges noch immer nicht verstanden hat. Bisher hatten wir aber Glück, trotz ihrer schnellen Rennerei über Stock und Stein hat sie bisher nur eine kleine Verletzung an der Pfote davongetragen. Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Wir sind jetzt in Italien und wieder auf der Autobahn. Von der Küstenstraße sind wir nach 100 km geflohen. Da tat uns die Liesel leid. Die Autobahnen sind hier allerdings ebenfalls ordentlich holperig. Fazit: Die Straßen in Spanien sind dagegen wirklich super und wir haben dort nicht ein einziges Mal die kostenpflichtige Autobahn genutzt. Aber schön ist schon es an der italienischen Riviera! Die französische Mittelmeerküste haben wir leider nicht gesehen, da die kürzeste Streckenführung und die Autobahn mehr durch das Landesinnere führt.

Ich melde mich wieder, wenn wir in Dalamatien angekommen sind. Wir hatten lange überlegt, ob wir die Strecke ganz langsam abfahren und uns alle interessanten Städte angucken, aber haben dies jetzt wegen Emma verworfen. Das wäre für sie und damit auch uns einfach zu stressig. Wir hegen derzeit auch noch die Hoffnung, dass im Frühjahr in Albanien und Griechenland noch nicht so viel los ist.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgit Desing (Freitag, 03 März 2017 12:04)

    Liebe kleine, süße Emma,

    was machst du denn für Sachen?
    Ich habe gerade über deinen Absturz gelesen und habe mich sehr erschrocken!
    Wie gut, dass du einen tollen Schutzengel hast!
    Passe jetzt wieder besser auf!

    Viele Grüße von Birgit und Jörg
    mit Renzo und Xam (die beide gerade Geburtstag hatten und jetzt 12 und 8 Jahre alt sind)
    und Moritz im Herzen