Das Wandern ist des Martins (und der Andrea) Lust……

Wir Flachlandtiroler haben unsere Begeisterung für die Bergwelt Andalusiens entdeckt.

Nachdem wir Sevilla im Nieselregen verlassen hatten, fuhren wir nach Rota an die Küste zurück. Dort sollte es „sehr schön“ sein. Das konnten wir den gesamten Tag nicht verifizieren, da wir lediglich diesen Blick aus der Liesel genießen konnten:

Es regnete nicht, nein es schüttete aus Kübeln und das Tagsüber und Nachts bis zum frühem Morgen. Endlich. Es hat aufgehört. Wir machten uns am frühen Morgen auf zu einem Spaziergang mit Emma. Und ja, es ist hübsch. Mit langen Holzstegen im Pinienwald hinter dem Strand. Aber für uns einfach ein wenig zu „ aufgeräumt“ und wieder mit einem ordentlichen Haufen Wohnmobile. Kurios ein Riesenschiff von Wohnmobil aus Pinneberg!, der schön vor seinem Womo sein Reklameschild für ein Warnsystem „CaraVan“ positioniert hatte. Er stand zum Verkauf sprungbereit hinter der Tür.

 

Also lieber weiter, die Küste hinunter. Wir fanden die Playa Valdevaqueros, gelegen unmittelbar vor Tarifa, mit einer Riesendüne und direktem Blick nach Afrika. Schon merkwürdig, das so nahe zu sehen. Auf den Fotos erscheint es irgendwie nur so schemenhaft, aber es isses.

Unser Reiseführer äußerte sich über die Küste ab Tarifa und insbesondere Gibraltar ausgesprochen negativ. Nepper, Schlepper, Bauernfänger….

Er empfahl die Route der Weißen Dörfer (spanisch: Pueblos Blancos) in den Provinzen Cádiz und Málaga. Sie sind eines der Highlights in Andalusien. Anstatt sich in den Ebenen Andalusiens niederzulassen, in denen sie Räubern zum Opfer gefallen wären, zogen es manche Andalusier vor, in befestigten Städten und Dörfern in den Bergen zu leben. Sollen wir, sollen wir nicht? Hm, Berge, jetzt schon im Februar. Aber gut, wir bogen ab ins Landesinnere und haben das alles andere als bereut. Die Häuser der Städte sind zum Schutz gegen die Sonne im maurischen Stil allesamt weiß getüncht. Ein Augenschmäuslein.

Erstes Ziel Vejer de la Frontera. Da alle Städte zum Schutz auf Bergrücken liegen, ist die Anfahrt, gerade mit der Liesel nicht ganz einfach. Erster Anfahrtsversuch ging in die Hose. Zufahrtsstraße gesperrt. Die Navilette zeigte sich zickig und beharrte darauf, dass wir da durch müssen und auch nur dadurch könnten. Alles Zureden half nix. Wie Depp doof standen wir quasi mitten auf der Kreuzung. Da eilte eine Spanierin zur Hilfe und sagte wir sollten hinter ihr her fahren, sie würde bei der jetzt zu nutzenden Zufahrtstraße dann blinken. Gesagt getan.

 

Und schwupp waren wir oben angekommen und stellten Liesel am Rande der Stadt ab. Ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch. Egal in welche Gasse man einbog, allesamt pittoresk und immer ein Foto wert. Erscheint uns aber ganz schön anstrengend hier zu wohnen und immerfort die steilen Gassen hoch und runter laufen zu müssen.

Nächstes Etappenziel war dann Arcos de la Frontera. Eine wesentlich größere Stadt, die spektakulär „liegen“ sollte. Tut sie. Unglaublich sowas. Stellplätze sind hier rar gesät. Es sollte einen schönen großen Parkplatz geben unterhalb der auf dem Berg thronenden Altstadt. Wir frohgemut darauf zu gefahren. Zu. Scheißzirkus steht drauf. Und nu???? Martin stellt mich mit Liesel auf einer Busspur ab und hetzt zu Fuß los, da er auf einer steil bergan führenden Straße ein P Schild gesehen hat. Aber bevor wir uns da mit Liesel umsonst raufquälen, besser erst mal gucken. Und wer fährt in dem Moment wieder an uns vorbei? Das Pinneberger Verkaufsmobil „ CaraVan“. Wo fahren die denn hin? Neid, die kennen sich hier wohl aus. Martin kommt zurück. Der Parkplatz oben war zwar eine klitzekleine Parkgarage, aber dafür hat er von oben ein Wohnmobil entdeckt, dass sich über einen Feldweg den Zugang zum Großparkplatz quasi um den Zirkus rum erkämpft hatte. Das können wir auch und schwupp Stehplatz gefunden. Inzwischen waren die Pinneberger übrigens auf derselben ,Busspur gestrandet wie wir zuvor. Martin eierte aber fair zu Fuß zu denen zurück und zeigte Ihnen  den Weg. Hätte er das man bloß gelassen. Denn so quetschten sie sich neben uns und er überzog uns mit einem öden Verkaufsgespräch. Nein, Danke, wir wollen kein Warnsystem für unsere Eingangstür damit ich aufwache, wenn sich jemand an der Tür zu schaffen macht. Ich wache auch so auf, weil bei uns jemand die Tür mit Unterboden rausreißen müsste durch unser Kettensystem. Auch beim tiefsten Tiefschlaf dürfte man da wohl wach werden. Tja, doof für den Pinneberger, wenn man eine Tür hat, die per Zahlencode verschlossen wird und dieser dann völlig lautlos geknackt werden kann. Nicht alles was nagelneu, extrem teuer und modern ist, ist dann auch wirklich clever. Kann sein System daher bei uns nicht los werden.

 

Die Gassen in Arcos zeigten sich wieder ähnlich, wie in Vejer, aber nicht ganz so aufgeräumt, sondern viel morbider. Aber die Lage??? Wie kommt man bloß auf die Idee, hier oben eine Stadt zu bauen? 

Nach einer ruhigen Nacht ging es dann weiter nach Ronda. Das ist wahrscheinlich das bekannteste der weißen Dörfer. Eine Stadt, gebaut auf zwei nebeneinander liegenden Felden und verbunden durch eine große steinerne Brücke.

Nachdem wir hier eine recht unruhige Nacht auf einem Parkplatz verbrachten, ging es auf in den Nationalpark Sierra de Grazalema. Hier muss gewandert werden! Im Nationalpark gibt es etliche Wandermöglichkeiten. Einige sind jedoch genehmigungspflichtig, da nur eine bestimmte Anzahl Personen pro Tag zugelassen ist. In der Nebensaison ist das in der Woche gar kein Problem, aber die schriftliche Genehmigung muss man gleichwohl dabei haben. Wir entschieden uns für zwei, die wir dann aber leider auch ohne Emma antreten mussten. Hunde sind nicht erlaubt. War aber auch besser so. Wir hatten genug mit uns zu tun. Da hätte ich die ganze Zeit immer Angst gehabt, dass unsere wilde Hummel mal nicht mehr rechtzeitig bremst und in den freien Fall übergeht.

 

Waren schon anstrengend die Touren. Die erste führte uns in die Sierra de Pinar. Sie beherbergt eine Baumart, die nur hier vorkommt und die Eiszeit irgendwie überlebt hat. Letztlich eine stachelige Tanne namens Pinsapar, die man zur Not auch als Rundbürste nutzen kann.

Die andere Tour hieß „ Garganta Verde“. Der Weg zum Ausgangspunkt der Tour erinnerte uns stark an Südamerika. 

Wir übernachteten herrlich auf dem Wanderparkplatz vor dem Start der Tour und liefen recht früh um 8.30 los. Das Schild am Beginn fand ich ein zwar wenig Besorgniserregend ( nur mit guter Kondition und Konstitution zu bewältigen) , aber gebucht ist gebucht.

 

Mensch, das ist ja eine grandios tiefe Schlucht. Und was meinen die mit schwierigem Weg. Ist doch super easy hier. Hier ja, aber 1 km weiter nicht mehr. Da ging es nämlich runter. Sehr tief runter. Bis nach ganz unten. Und zwar steil bergab. War das anstrengend. Aber ohne Fleiß kein Preis. Ich muss aber gestehen, dass ich ohne meine Wanderstöcke, die wir damals in Ushuaia gekauft hatten, aufgeschmissen wäre. Ich habe jetzt eine ganz hervorragende Technik entwickelt, um mich bergauf über die in den Felsen gehauenenn Stufen hochzudrücken. Der Rücken dankt es! Irgendwie sind mir die Bilder der Schlucht, als wir endlich unten waren, nicht so wirklich ausdrucksstark gelungen, weshalb ich noch einmal das Bild von der Tafel abgelichtet habe.

Natürlich haben wir die arme Emma nicht tagelang im Auto hocken lassen, sondern mit ihr auch wunderschöne Wanderungen unternommen

Dann wollten wir wieder mal zurück ans Meer. In Höhe Malaga stießen wir wieder auf die Küste – um dann die sofortige Flucht anzutreten!!!

 

Bäh. Wie häßlich ist das denn bitte hier? Das geht ja nun so gar nicht. Kein Wunder das unser Womo Reiseführer diesen Teil der Küste bis quasi Almeria „außer Acht“ lässt. Schockschwere Not. Betonburgen wohin man schaut. Und Plastikzelte in rauen Mengen. Wohl für den Tomatenanbau. Wenn dann wenigstens der Strand schön wäre. Nein, ist er nicht. Noch nicht mal das. Grauer komischer Sand wie Schutt und direkt an der Küstenstraße „ gelegen“. Direkt heißt auch direkt.

Ok. Meer lassen wir jetzt mal. Wir fahren wieder ins Hinterland und Richtung Granada.

 

Einen wunderschönen Übernachtungsstopp legten wir an einem Stausee ein.

So kamen wir gut erholt am nächsten Mittag in Granada an, wo wir auf einem Zentrumsnahem Campingplatz unsere Liesel unterbrachten. Von hier aus war alles bequem per Bus erreichbar. Granada. Die im 8. Jahrhundert erstmals von den Mauren eingenommene Stadt erlebte ihr Goldenes Zeitalter unter der Nasriden-Dynastie von 1238 bis 1492. Als Granada 1492 an die Katholischen Könige fiel und die Mauren vertrieben waren, erblühte es im Glanz der Renaissance, verfiel im 19. Jahrhundert zeitweilig und präsentiert sich heute wieder als vitale Stadt.

Im alten Stadtzentrum, rund um die Kathedrale, einem Labyrinth von Gassen liegt die Alcaiceria, eine Rekonstruktion des maurischen Basars, der 1843 abbrannte. Uns kam er eher wie ein Touribasar in Tunesien vor. Jedenfalls gab es dort haargenau die gleichen Sachen. Aber pittoresk ist das allemal.

Das Bekannteste in Granada sind aber sicherlich das Viertel Albaicin und die Alhambra, die sich genau an zwei Hängen gegenüber liegen.

 

Die Kopfsteinpflastergassen des alten maurischen Viertels Albaicin sind so wirklich sehenswert. Ansonsten ist Granada eine hübsche aufgeräumte Stadt, ohne im Stadtkern – außer der Kathedrale – etwas Besonderes zu haben.

Und dann wollten wir uns Karten kaufen für den Besuch der Alhambra. Tja, was soll ich sagen, nicht so einfach das Ganze. Unser Campingplatz Aufseher teilte uns mit, die Karten könnten in der Stadt   in der Nähe der Kathedrale im Gebäude Corral del Carbon gekauft werden. Wir wollten welche für den nächsten Tag kaufen. Dort sagte man uns, dass ginge nicht, hier könnten nur vorreservierte Karten abgeholt werden. Wir müssten leider direkt hoch zur Alhambra und dort die Karten kaufen. Ok. Bus gesucht und zur Alhambra gefahren. Dort in die Reihe gestellt und gewartet. Es erscheint ein freundlicher Ordner und fragt schon mal alle in der Reihe nach ihrem Begehr. Tja, was soll ich sagen. Nein, heute können keine Karten für morgen gekauft werden. Immer nur für denselben Tag. Es gäbe aber im Rathaus – in der Nähe der Kathedrale - eine Stelle, an der die Karten verkauft würden. Aha. Wieder den Bus genommen und zur angegebenen Stelle durchgefragt. Nein, hier kann man keine Karten kaufen. Waaaaaas????? So, jetzt hat die Andrea aber mal ganz flott spanisch reden (wohl eher meckern) können und die Dame gefragt, ob das ein Witz sein soll.  Wie kommt man an die Scheißkarten. Es könne doch nicht sein, dass ich nun jeden Morgen zur Alhambra ziehe in der wagen Hoffnung Karten ergattern zu können. Die Dame klärte uns auf, dass es folgendes System gäbe. Ein Kontingent würde über das Internet verkauft. Dies insbesondere auch für kommerzielle Touren und Gruppen etc. Dies sei nun zwar für morgen ausverkauft, es gäbe aber noch ein Kontingent für den „Sofortverkauf“ vor Ort. Ich solle mir keine Sorgen machen, in der Nebensaison würde es in der Woche keine Probleme geben. Na, wir waren gespannt. Das muss erst mal einer so hin organisiert bekommen! Sehr, sehr merkwürdiges System. Zumal im Internet (habe ich nachgesehen) nicht ein Wort davon steht, dass es noch weitere Karten vor Ort gibt, wenn das Internetkontingent ausverkauft meldet. Eigentlich ja ein bravouröser Trick, um die Leute dann zu veranlassen einige Tage länger zu bleiben, bis endlich das Internet wieder freie Kontingente zeigt.

 

Wir wagten uns am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein hin und reihten uns in die Schlange der Hoffnungsfrohen ein. Hat geklappt. Eine wirklich imposante riese Anlagen mit Gärten, dem Palast Carlos V. ( na, wer was das denn wohl?) und insbesondere den Nasriden Palästen. Diese sehen aus wie eine Anlage aus Zuckerguss. Was für aufwendige Arbeiten. Und ebenso aufwendigen Restaurierungen dieses UNESCO-Welterbes. Das Fotografieren war nicht so einfach. Nicht so sehr wegen der Motive, sondern wegen der vielen, vielen asiatischen Touristen, die sich nicht scheuten einen geradezu aus dem Weg zu rempeln, damit sie sich bewaffnet mit den Smartphones auf der „Stange“ schön selbst vor jedem Objekt doof lächeln abbilden können. Irgendwann wurde es Martin zu viel und er schubste seinerseits einen kleinen Asiaten zur Seite, der mich wegdrängeln wollte. Ich glaube Martin hat ihm beim Weggehen sogar noch ein Bein gestellt.

Nun werden wir wohl wieder an die Küste fahren in Höhe Almeria und Cabo de Gato. Bis dahin. Liebe Grüße an Alle.

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