Hamma oder auf hochdeutsch, haben wir…

Wir verbrachten noch 2 Tage am Praia Grande. Emma traf dort ihre erste große Liebe, Kai- Uwe aus Remscheid. Ein 1 ½ jähriger schwarzer Schäferhund/ Border Collie Mix. Liebe auf den ersten Spurt. 

Ich nutze das warme Wetter zum Turnen. Zack PC mit Video auf dem Fusshocker aufgebaut und los ging das peinliche Flexi Bar geschüttle. Wer das nicht kennt, das ist so ein Rehagerät zur Stabilisierung der alten Rückenmuskeln. Nee, ist mir schon klar, wie bescheuert das aussieht. Martin war gnadenlos und musste das unbedingt fotografieren. So sieht das dann aus:

 

Noch entsetzlicher war aber die Fotosession einer Dame am Strand im Adamskostüm. Der wehrte Gatte natürlich in der gleichen Aufmachung. Da stand er nun in den Wellen, wie Gott ihn schuf ( na, ja, sagen wir 65 Jahre nachdem Gott ihn schuf und dementsprechend äußerlich längst über das Verfallsdatum hinaus) und in der Hand ein Riesenobjektiv. Es erschien „ Eva“ ( ähem noch stärker dem Verfall preisgegeben als ihmchen) und dachte sie sei bei Germanys next Topmobbel. Dann posierte sie vor der untergehenden Sonne am Meeressaum. Nee, was soll ich sagen, ich finde mein FlexiBar Geschüttle seitdem überhaupt nicht mehr peinlich.  Eben alles nur eine Frage der Relation.

 

 

Wir brachen auf, um den nächsten Hotspot anzusteuern. Die Praia Falesia. Ein schier endloser Strand mit enorm hoher, roter Felsenküste. Wirklich beeindruckend. Zum Größenvergleich habe ich Emma mit auf einigen Bildern.

Und dann ging es ran an die Grenze zu Spanien. Vor dem Grenzübertritt wollten wir noch einen Stopp einlegen am Praia Manta Rota. Da sollte es einen Womo Stellplatz am Strand hgeben, der mit Strom aufwarten kann. „ Strom“. Tja, also, was soll ich sagen. Da hatten wir so ein klitzekleines Problemchen. Das Lieselein wollte morgens so gar nicht mit ihren vorderen Motorbatterien starten.  Nix. Also mussten wir immer aus den Kabinenbatterien starten. Wir haben ja zum Glück eine Verbindung der Motorbatterien zu den Kabinenbatterien. Dann ist ja alles paletti, mag jetzt der unwissende Leser denken. Nee, eben nicht. Die Ladung der Batterien funktioniert ja normalerweise schön beim Fahren. Tja, und nu der Haken. Die Kabinenbatterien laden sich erst dann, wenn vorne „voll“ gemeldet wird. Wurde aber offensichtlich nicht ehr. Wir mussten also die Verbindung mit dem vorgesehen Schalter nach dem Start kappen, damit nix von den Kabinenbatterien in die vorderen verloren ging. Heißt zusammengefasst, wir lebten nur von den Solarpaneelen. Also für das normale Kabinenleben und den Startvorgang. Das war uns immer etwas unheimlich, so dass wir immer das dringende Bedürfnis verspürten, ab und an die Batterien der Kabine von außen mit Strom aufzuladen. Da wir nicht einschätzen konnten, ob es nur die Batterien oder ein grundsätzliches Problem der Lichtmaschine beim Laden war, wollten wir bis Spanien warten. Die Verständigung dort ist einfacher, als in Portugal.  Ihr seht, auch in Europa sind wir gewillt den in Südamerika begonnenen Werkstatttest fortzusetzen.

 

Aber erst einmal zurück zum Womostellplatz Monta Rota. Oha. Auf den ersten Blick genau das, was wir nie wollten. Viele Überwinterer in Reih und Glied. Wir bekamen gerade noch ein freies Plätzchen in der mittleren Mobbingreihe. Du Martin, ich will hier nicht bleiben, guck mal die neben uns, das kann doch nicht ernsthaft wahr sein. Sogar Putzeimer und Besen.  Ent- und setzlich.

Wir nahmen es sportlich, bauten unsere Stühle auf und saßen – recht kurzweilig – in der Rue de Galopp. 

 

Also eins hat man da, immer was zu reden und zu lachen.  „ Eigenes transportables Windrad?“ – „Hamma“; „ 6 Zylinder?“ – „Hamma“ ; „ Solarpanneel mit 560 Watt?“ – „ Hamma“; „Quad oder Smart auf dem Hänger?“ – „Hamma“  usw. usw. Der Wettkampf der „ Habenden und der Habenixe“ zog sich  unendlich.  Ja, Jens, das ist dann genau das Bild, das Du im Kopf hast.

Aber wo Schatten ist, da ist auch Licht (gehört ja eigentlich andersrum, aber das passt dann nicht).

Zuerst trafen wir am Strand ein sehr nettes Paar mit zwei Labbis. Sie boten uns ihren Seitenplatz an, da sie morgen fahren würden. Am morgen wechselten wir dann also auf den toll gelegenen Außenplatz und trafen als unsere Nachbarn auf Marlena und Manfred. Was ein Glück. Beide nahmen uns mit ihrer Appenzellerhündin Dora mit auf einen tollen Spaziergang in das wirklich super schöne Hinterland des Strandes mit tollen Blick über die Lagunenlandschaft. Wir whatsappen jetzt noch miteinander.

 

Den Strand und die Lage des Platzes kann man wirklich ohne Wenn und Aber empfehlen.

Und dann ging es nach Spanien.

Ich bin da einfach lieber. Ich glaube es ist dies Sprachlosigkeit, dies Unvermögen sich mitzuteilen, was mir an Portugal nicht so gut gefallen hat. Dadurch ist wirklich jeder Kontakt ausgeschlossen, es sei denn mit jungen Leuten. Die können nämlich alle ganz gut Englisch (nicht das ich das gut könnte). Aber mir behagt es eher, im Ausland deren Sprache zu sprechen. Jedenfalls etwas.

 

Unser erster Stopp führte uns an die Playa Azul an der Costa de la Luz links unterhalb Huelvas ( die ist das Grauen, eine Industriestadt). Ein schöner Piniengürtel. Dahinter der tolle Strand. Wir liefen bis zur Stadt Isla Christina und ließen uns in einem Strandcafe einen lecker Drink aus Martini und Gingerale nebst Cafe con Leche schmecken. Nee, was ist das Leben schön. Ich bin froh, wieder in Spanien zu sein. Ich kam auch gleich mit der Dame neben mir ins Gespräch, die Emma sofort als Pointer identifizierte und uns erzählte, dass diese in Spanien sehr wertvoll und beliebt seien. 

Beseelt gingen wir zur Liesel zurück (wir hatten uns das Getränk nur geteilt, daher Fahrtüchtigkeit nicht eingeschränkt!!! Glaube ich jedenfalls). Und fuhren einige Kilometer weiter zu einem tollen freien Übernachtungsplatz direkt hinter dem Strand.

 

Den nächsten Stop legten wir für einen wunderschönen Spaziergang ein.  Über eine Länge von ca. 1,3 km führte ein Holzsteg durch die Dünen – und Pinienlandschaft an den Strand. Ein Traum bei dem strahlenden Sonnenschein.

Zum Übernachten fuhren wir dann nach Matalascanas. Ein Strand soweit das Auge reicht.

Mittlerweile war uns aufgegangen, dass es in Spanien alles andere als einfach ist an Gas heranzukommen. Die sind speziell hier. Deutsche Gasflaschen werden ganz und gar nicht und überhaupt nirgendwo neu gefüllt. Basta. Ein Blick ins Internet hilft ja immer. Auf You Tube ein engagierter deutscher Wohnmobilist, der mit langen Ausführungen einen kurzen Inhalt ausbreitete. 1. es muss von „ irgendwoher“ eine spanische Gasflasche beschafft werden ( unbedingt die von der Firma Repsol mit der Kennzeichnung „ Propano“), 2. man muss die Adapterschraube Nr.4 des europäischen Entnahmesets zur Hand haben und diese 3. dann auf den „in jeder Fereteria ( Haushaltswarengeschäft)“ zu kaufenden Flaschenaufsatz schrauben.

Aha. Ok. Das „ Entnahmeset Europa für die unterschiedlichen Gasflaschen“ – hamma.

Fereteria finden wie. Aber Flasche von Repsol???? Die dürfen nur an Spanier oder Residenten mit Steuernummern eine Flasche verkaufen. Ich könnte aber gerne einen Flaschen tauschen, war die immer wiederkehrende Antwort. Auf mein leicht genervten Hinweis, dass das ja nu mein Problem sei, ich habe eben keine verdammte Flasche, weil keiner eine rausrückt, nur Schulterzucken.

Und dann kam Matalascanas. Wir wollten gerade zum Strandspaziergang antreten und kamen bei einem Fischer vorbei. Guck, mal, Andrea, da stehen ganz viele Gasflaschen. Oha, auch die von uns heiß begehrte orange Repsol Buddel. Klauen war nicht möglich, der Herr Fischer bummelte draußen herum. Also frisch voran und gefragt, ob er uns nicht die Buddel verkaufen könnte. Die sei leer. Macht nichts, Meister, ich will ja nur die Flasche und hinein in den spanischen Tauschhandel. Er zeigte sich etwas überrascht, aber überließ uns tatsächlich das olle Ding.

Flasche?  Hamma.

 

Jetzt muss nur noch der Tausch an einer der unzähligen Repsoltankstelle klappen. Klappte. Wir sind drin im spanischen Gastauschkreislauf und werden diese Flasche nie nicht mehr weggeben, die kommt schön mit nach Hause und wird dann bei jedem Spanienbesuch wieder hübsch mitgenommen.

Weiter ging es in das Pilgerstädchen El Rocio. Pfingsten findet hier ein gewaltiges religiöses Spektakel statt, die Romeria del Rocio, zu der aus ganz Spanien bis zu einer Million Pilger strömen. Wo die alle bleiben ist mir schleierhaft. Der kleine Ort mit etwa 1.200 Einwohnern erinnert stark an ein Wildwestdorf, alle Plätze und Straßen haben lediglich einen Sandboden Prachtstück ist natürlich die Wallfahrtskirche Nuestra Senora del Rocio. Sogar Flamingos haben wir dort auf dem See gesichtet.

Danach ging es ab nach Carmona. Das Städtchen steuerten wir nicht nur an wegen seiner pittoresken Altstadt und der tollen Puerta de Cordoba im Kastell del Rey Don Pedro, sondern weil ich vorher im Internet dort eine größere LKW Werkstatt gefunden hatte. Hätte die Reparatur dort länger gedauert, hätten wir in der Zwischenzeit schon einmal das nur 40 km entfernte Svilla besuchen können. Aber das war nicht nötig. Sie tauschten uns noch am gleichen Tag die vorderen Batterien, die schlichtweg wegen Alters gestorben waren. So konnten wir uns dann die Stadt in Ruhe angucken und hatten einen wunderbaren Stellplatz genau vor dem gewaltigen Burgtor und auf der anderen Seite mit tollem Blick in das Tal ( siehe die letzten beiden Fotos). Mich begeistern immer wieder die tollen Hauseingänge, die wunderschön mit Azulejos verziert sind und tolle Türen haben.

Batterien?  Hamma

Und dann kam für uns der bisherige Höhepunkt unserer Reise, das wunderschöne Sevilla. Kinder, Kinder, da muss hin, wer das bisher versäumt hatte. Eine solch hübsche Altstadt mit dermaßen vielen Prunkbauten und Sehenswürdigkeiten sucht wirklich seinesgleichen. Und shoppen kann man dort bis zum Umfallen. Eines der Highlights ist sicherlich die größte christliche Kirche Europas, die Catedralde Santa Maria de la Sede.

 

Hier einige Fotos der Stadt und der Catherdale

Beeindruckend auch die Festung Reales Alcazares mit ihren imposanten Gärten. Pedro I. befahl im Jahre 1364 den Bau einer königlichen Residenz inmitten des Palastes der Almohaden Herrscher. Spätere Herrscher fügten dann noch diverse Erweiterungen an. Jede Menge Azulejos ( Kacheln, riesige Wandteppiche und alte Stuckarbeiten der Almohaden geben einen Eindruck des enormen Reichtums.

Und endlich haben wir mal was von Martins Rentnerdasein. Ich musste 9,50 € blechen, Martin als „ Jubilado“ nur 2,00 €.

Besonders gefallen hat uns aber auch das alte jüdische Viertel Santa Cruz mit pittoresken Plätzen und winzigen Gassen.

Und ein Flohmarkt musste es natürlich auch sein. Mit lauter Merkwürdigkeiten:

Wir standen dazu auch noch perfekt. Fußläufig zur Altstadt haben die freundlichen Sevillaner einen großen Parkplatz geschaffen, auf dem einige Plätze für Wohnmobile vorgesehen sind und darüber hinaus auch an jedem Platz mit Strom – und Wasseranschluß aufwarten.

Freundlicherweise haben sich dann dort auch noch zwei Supermärkte und ein Waschsalon (wie in Studentenzeiten trabten wir mit Beuteln von Wäsche dahin guckten 2 Stunden in sich drehende Trommeln) dort angesiedelt.

 

Also insgesamt perfekt für besichtigungswütige Wohnmobilisten. Emma harrte bei unseren Besichtigungen immer bis zu drei Stunden am Stück aus. Ok, ein bißchen Beschäftigung hat sie sich schon gesucht. Einen Kugelschreiber hat sie bis zur Unkenntlichkeit plattgebisen und in tausend Teile zerlegt. Einige Teile auch gefressen, wie wir später feststellen konnten. Von den 6 super scharfen Halsbonbons will ich gar nicht sprechen. Wir hoffen, dass die Inhalation derselben, zu einer unmittelbaren Verbessung des Aromas ihrer „fliehenden Winde“ führt.

Na, ja, und dann hat sie sich ausgerechnet unser Parkticket vorgenommen. Aus dem Matschknäul habe ich das dann wenigstens soweit rekonstruieren können, dass wie unser Einfahrtsdatum nachweisen können.

Es gibt übrigens zwei Arten den Barbier von Sevilla im Bild festzuhalten:

Und Fino ( Sherry ) und Serrano muss sein:

Nun werden wir wieder zurück an die Küste fahren. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, ob wir uns die Ecke mit Tarifa, Gibraltar und Marbella antun sollen oder lieber im Hinterland eine Tour durch die weißen Dörfer machen. Eigentlich finden wir das interessanter, aber da ist es auch noch wesentlich kälter, weil höher gelegen.

 

Schaun wir mal. Tschüß, bis zum nächsten Mal.

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