Martin übt sich im Minimalismus

Nur eine einzige Jeans hat er mitgenommen. Versehentlich.

 

Die anderen Hosen hängen offensichtlich noch hübsch ordentlich im heimatlichen Schlafzimmer. Und wer hat die herausgelegte Kleidung in Lüneburg zum Wohnmobil getragen? Der Martin war`s. Das ist ja nun mal doof. Hat er aber Glück im Unglück, denn wenn es meine Hosen gewesen wären, sähe die Welt jetzt – insbesondere für ihn- ein wenig anders aus.  Und neben der Jeans sind da ja auch noch zwei schön Trekkinghosen. Die sehen doch bei Stadtbesichtigungen immer so richtig gut aus. Der Camper kommt. Martin will jetzt aber partout keine neue Hose kaufen. Das ginge auch so. Da ist er jetzt bockig. Tja, mal sehen, wann die Jeans ihm vom Leib fällt.

 

Der Liesel fällt auf jeden Fall bald die Inneneinrichtung raus. Emma ist offensichtlich der Auffassung wir hätten zu ihrer Bespaßung wunderschönes Kauspielzeug im Wohnmobil verteilt. Wir haben es erst gar nicht gemerkt. Erst als ich so merkwürdige Sägespäne unter der Schranktür fand, schauten wir genauer hin. Das Luder hat doch tatsächlich während der Fahrt heimlich die Holztür angenagt. Und nicht nur die mussten wir feststellen. Nein, auch das Tischbein und die Abtrennung zur Fahrerkabine. Das Tischbein haben wir jetzt erst einmal mit einem T-shirt umwickelt. Heute Morgen habe ich sie dann inflagranti erwischt. Sie war so voller Wonne an der Schranktürecke zugange, dass sie das böse Frauchen doch glatt überhört hat. Und zack, da gab es aber eins an die Ohren. Bin gespannt, ob sie das nun begriffen hat, dass wir die Einbauten gerne behalten würden:

Unser erster Eindruck der portugiesischen Küste entsprach dem von Dänemark. Nur wesentlich sonniger und vor allem sauberer. Die Strände wie geleckt. Kein Unrat, Müll oder gar Teerbrocken. Da kann uns doch keiner erzählen, dass die Bohrinseln in der Nordsee nicht doch einen Haufen Dreck verursachen. So hatten wir uns Portugal nun gar nicht vorgestellt. Seht selbst:

Um nicht aus der Übung zu kommen haben wir die schlechteste Straße Portugals gesucht und auch direkt hinter dem Dünengürtel gefunden. Herrlich, wie in Südamerika. Mit 8 Stundenkilometern sind wir über die 20 km lange Straße gefegt. Was hat uns das gefehlt:

Unsere erste Stadtbesichtigung führte uns dann nach Nazarè, einer kleinen Küstenstadt. Das Besondere hier ist die sogenannte Oberstadt, die spektakulär in über 100 Meter Höhe auf den Klippen liegt. Die Oberstadt kann man vom unteren Stadtteil aus mit einer bereits 1889 eröffneten Kabelbahn erreichen. Bei einer Steigung von bis zu 42 Prozent. Ich dachte nun, dass wir in urururalten Waggons da hochtuckern, aber das war nicht der Fall. Die Waggons wurden ganz offensichtlich doch schon mal erneuert. Eigentlich dürfen Hund nur in Transportkisten mit, da aber die dortige Box kaputt war, durfte Emma auch ohne mitfahren, allerdings nur auf dem Behindertenplatz. Sie wirkte etwas mucksch.

Die Aussicht war aber wirklich grandios. Bei der herrlichen Sonne, ein wirklich schönes Bild.

 

Einige Verkäufer in der Oberstadt trugen hier noch die traditionelle Tracht. Nun, ja, wer`s mag. So Miniröcke stehen eben nicht jedem. Und die Schlafmütze von dem männlichen Pendant ist auch eher gewöhnungsbedürftig. Das Foto der Frau ist etwas unscharf. Gerade als ich fotografieren wollte drehte die sich zu mir und sah irgendwie etwas drohend aus. Wie eine angriffslustige Pippi Langstrumpf.

Weiter ging die Fahrt, immer an der Küste lang Richtung Süden. Die Landschaft wechselte, die Dünen machten nun eher Klippen Platz. Eins muss man sagen, Portugal hat wirklich viel Strand zu bieten. Auffallend sind auch die überall angelegten riesigen Strandparkplätze, die sich super zum Übernachten eignen. Jedenfalls, wenn man um diese Jahreszeit fährt. 

Besonders stimmungsvoll fanden wir am Cabo da Roca die Abendstimmung

Nächste Station war die Stadt Obidos. Dieser 5000 Einwohner zählende Ort ist vollständig von einer noch völlig intakten Stadtmauer umgeben. Die kleinen Gassen mit Kopfsteinpflaster und den kalkweißen Fassaden sind wirklich pittoresk. So pittoresk, dass sich selbst im Januar die gefürchteten Asiatentruppen wieder einfanden. Klick, klick, klick…. Egal was, Hauptsache fotografiert. Wen die wohl zu Hause mit den abertausenden Fotos quälen.

In und um Obidos gibt es den berühmten Ginja. Eine Art Mont Cherie „ to go“.  Es handelt sich dabei um einen Kirschlikör, der in kleinen Schokoladentässchen gereicht wird. 

Wir können Euch nicht sagen, wie er schmeckt. Vormittags war uns irgendwie noch nicht so recht danach.

 

Wir hatten ernsthaft überlegt, ob sich mit Emma der Besuch Lissabons lohnt. Sie ist einfach nicht in der Lage in der Stadt ordentlich an der Leine zu gehen. Insbesondere dann nicht, wenn sich vor ihren Füßen dauernd Stadttauben, oder gar Pfaue,  tummeln. Ihre Beute. Aber  wir haben es trotzdem gewagt und wurden nicht enttäuscht. Lissabon bekommt von uns eindeutig ein „ Daumen hoch“. Die „weiße“ Stadt zieht sich hinter den Ufern des Tejo über die Hügel, sodass man entweder hoch oder runter muss. Wir haben nur einen kleinen Eindruck gewinnen können. Mit Emma sind ausgedehnte stundenlange Stadtaufenthalte schwierig. Wir hoffen darauf, dass wir sie- wenn ihre Knabberphase vorbei ist- einfach in der Liesel lassen können. Wir wollen auf jeden Fall noch einmal nach Lissabon kommen.

Zum Schluss noch zwei Kuriositäten, die uns unterwegs über den Weg gelaufen sind:

Vor einem Supermarkt auf dem Parkplatz fanden wir dieses Münzwaschcenter

Hier lebt man offensichtlich beim Picknick etwas geselliger als bei uns.

Wir tuckern jetzt weiter Richtung Algarve. Mal gucken, was die Küste da so zu bieten hat.

 

Heute haben wir hier übrigens das erste mal Regen!!!! 15 Grad und Regen erinnert doch stark an unser Norddeutschland im Frühjahr. Bis zum nächsten Mal.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Britta (Donnerstag, 26 Januar 2017 22:33)

    Hallo,Ihr Beiden, (Bzw drei)
    Da sieht man doch mal wieder, wie schön Europa ist, tolle Bilder sind das. Bin sehr neidisch, denn hier ist es trübes Wetter und der nächste Urlaub weit weg.
    Weiter gute Fahrt und liebe Grüße aus dem kalten Hamburg

  • #2

    Edel (Samstag, 28 Januar 2017 17:39)

    Lissabon ist wirklich ein Traum! Die Fotos sind wieder super ausgesucht und der Bericht macht Vorfreude auf mehr.
    LG aus dem heute sonnigen und kalten Hamburg
    Edel & Wolfgang