Ende im Gelände...

Wir haben Südamerika „geschafft“. Sind an der Karibikküste angekommen. Südamerika einmal rund.

Mia hatten wir zuvor in Bogota an Bord genommen. 

Jetzt läuft der straffe Zeitplan an. Wollen wir doch schließlich in 14 Tagen möglichst viel sehen und vor allem bis zur Karibikküste vordringen. Mia landete vormittags. Die Kinder waren dann noch kurz in der Altstadt von Bogota, die aber wirklich nicht viel zu bieten hat. Abends wollten wir  bereits im 50 km entfernten Zipaquira sein. Für die Mädels hatte ich dort ein Hotel vorgebucht.  In Zipaquira gibt es eigentlich nichts, außer einer „Salzkathedrale“, 180 Meter unter der Erde. Eine Drei-Höhlen- Kathedrale, die über ein surrealistisch anmutenden Stollen, der als Passionsweg Christi aus 14 kleinen Kapellen gestaltet ist, erreichbar ist. Am Ende erwartet einen das weltweit größte unterirdische Kreuz ( der Reiseführer erklärt schlau, dass es in Polen noch zwei weitere „ Bauwerke dieser Art“ geben soll). Etwa 250.000 t Salz wurden für diese unterirdische Anlage abgebaut. Sie gilt als eines der größten architektonischen Meisterwerke Kolumbiens.

 

Leider nicht für mich. Da konnte ich den Kolumbianern nicht persönlich meinen Respekt zollen. Mutti blieb draußen. Zum einen habe ich so leichte Probleme mit der Vorstellung 180 Meter unter der Erdoberfläche zu sein und zum anderen sind solche Wanderungen nichts für meinen Rücken. Ich habe also die Liesel bewacht. Aber Martin hat sich unsere kleine Cybershot gegriffen. Und er hat alles gegeben. Macht wirklich gute Fotos.

Und weiter ging die wilde Fahrt. Kim hatte inzwischen souverän meinen Kommandoplatz auf dem Vordersitz eingenommen und übernimmt die Aufgabe der Navigatorin einwandfrei. Mia leistet mir im „Liegewagen“ Gesellschaft. Wir waren nun auf dem Weg nach Villa de Leyva, einem der hübschesten von der Kolonialzeit geprägten Orte Kolumbiens. Das fotogene kleine Städtchen wurde 1954 unter Denkmalschutz gestellt und ist als architektonische Einheit mit gepflasterten Straßen und weiß verputzten Häusern erhalten. Klar, dass hier am Wochende kein Durchkommmen mehr ist. Die Kolumbianer, hier in Gestalt der „Bogotanos“ lieben Wochenendausflüge. Ganz besonders nachdem hier in Villa de Leyva in 2007 eine Telenovela gedreht wurde.

 

Wir standen sehr hübsch im Garten eines Hostels, in dem die Mädels ein Zimmer hatten. Es war wirklich pittoresk. Eigentlich wollten wir auch hier nur eine Nacht bleiben. Da wir aber erst Spätnachmittag ankamen, entschieden wir uns für eine weitere Nacht und haben dafür auf die nächste „ Kolonialstadt“ Barrichara verzichtet.

Nun standen hunderte Km Weiterfahrt Richtung Karibikküste auf dem Plan. War es in Bogota noch richtig frisch mit ca. 18 Grad, wurde es gefühlt km für km wärmer. Bogota ist immer kalt. Das liegt an der Höhenlage. Richtig warm wird es dort das ganze Jahr nicht, dafür aber auch nie wesentlich kälter. Hier regnet es aber auch sehr viel. Also gänzlich anders, als man sich „ Kolumbien“ so vorstellt.

 

Unterwegs stand eine Übernachtung an, mal wieder in einem Ecopark. Der war nun aber wirklich der tollste, den wir je gesehen haben. Wir waren hier allerdings nur zur Übernachtung, diesmal alle vier in der Liesel. Ich habe aber sehr hübsche Modelfotos von der Liesel gemacht. Auf dem Weg ist uns im Übrigen auch das „schönst gelegene“ Freibad vor die Kamera gekommen. 

Dann ging es weiter, die letzte Etappe bis zur Küste. Ein enormer Temperaturunterschied auf diesen insgesamt ca. 650 km. Von 18 Grad auf 34 Grad. Schwitz lass nach. Auf den Vordersitzen war Hitze ja gut erträglich durch den Fahrtwind der immer offenen Fenster. Aber im hinteren Teil? Offene Fenster sind da während der Fahrt nicht drin. Das ist nicht schön.

Erstes Ziel Santa Marta wurde angesteuert. Eine Hochburg von urlaubenden Kolumbianern. Hier hatte ich wieder für die Mädels ein Hostel vorgebucht. Und wir, tja, wir sind richtiggehend verreckt. Nichts, kein Plätzchen für die Liesel. Ich war fix und fertig. Durchgeschwitzt, der Rücken schlecht und dann das. Der im Ioverlander angezeigte 24 Stunden Parkplatz ein Alptraum. Und wir sind schon viel gewohnt! Wooooohinnnnnnn???? Auch Martin war jetzt nach stundenlanger konzentrierter Fahrt am Ende. Das Fahren hier erfordert immer, ständig 100% Konzentration. Immer wieder drohen plötzlich tiefe Schlaglöcher oder nicht zu erkennende „Riesenhubbel“. Da mit 80 km/h Stunde rein und wir könnten einpacken.

 

Ein weiterer verzweifelter Blick in Ioverlander. Aha, 10 km entfernt soll ein winzig kleiner Camping sein. Wir hin, inzwischen Stockdunkel. Das soll ein Camping sein? Mitten zwischen Hochhäusern, Schutt und Bauruinen ein Sandplätzchen mit „nix“. Beim Raufzirkeln haben wir der Liesel auch noch echte fiese Schrammen durch die Mistbäume zugefügt. Toiletten und Duschen? Alp lass nach. Nee, hier können wir wirklich nicht bleiben. Ich habe leider nur ein paar ganz schlechte Aufnahmen von meinem alten Handy:

Eine Nacht mussten wir hier bleiben. Half alles nix.

Abe dann: die Entschädigung. Unter Zurücklassung der Mädels fuhren wir 40 km weiter auf einen Platz mit Hostelzimmern und vor allem Zelter. Wir fanden aber auch einen wunderschönen Platz.

 

Flugs für die Mädels ein Zimmer gebucht und dann erst mal bis zu deren Ankunft und den Tag mit Ihnen zusammen gefaulenzt.  Abends gab es zünftig Frikadellen von dem neuen Außenkocher. Bei den Temperaturen käme es auch einem Hitzetod gleich, drinnen zu brutzeln.

Im Reiseführer stand dann verlockendes von einem weiteren Strand 40 km  weiter die Karibikküste hoch. Wie schrieben sie?  „ursprünglicher, noch nicht so touristisch“. Wir die Liesel gepackt, alles verzurrt, unseren tollen Platz verlassen und dann??  Was is das denn hier für ne vermüllte Hippiesiedlung  für Jugendliche mit Sandpisten. So kam es aus dem Munde von uns Alten, wobei die Mädels das natürlich anders empfanden. Eine Entscheidung mussten wir aber gar nicht treffen. Zum Glück kamen wir mit unserem Dickschiff gar nicht hin bis zu dem so hochgepriesenen Surfer ( und wie es für uns aussah Junkie-) Paradies.

 

Hier aber ein paar Fotos von Kims Handykamera, die natürlich deutlich zeigen, dass wir hier alterstechnisch total aus dem Rahmen gefallen wären. Ach, was ist die Zeit gerannt.

Wir also reumütig wieder zurück zum alten Platz, der uns großmütig wieder aufnahm.

Und dann Abmarsch zum Höhepunkt, nach Cartagena.

Wir hatten aber auch Stimmen vernommen, die Cartagena nicht so lobten, sondern eher enttäuscht klangen. Ja, ganz schöne Altstadt, aber sonst?

 

Wir fanden es alle vier toll. Cartagena ist nicht nur die Altstadt. Diese ist super pittoresk und es wird allmählich wirklich jedes Gebäude toll restauriert. Nein Cartagena sind auch riesige Wolkenkratzer, gerade an den Stränden einer zu Cartagena gehörenden Landzunge.  Cartagena ist viel größer, als wir vermuteten. Aber auch das gefiel uns. Wirklich. Wir sind ja sonst keine Freunde von „ Mümmelsmanns Berg“ ( für alle Nichthamburger: eine Hochhaussiedlung in der man nicht wirklich wohnen möchte), aber das hier sah schon gut aus. Sehr modern. Die Strände waren nun alles andere als toll, aber dienten durchaus ihrem Zweck. Wir wohnten 8 Tage ( davon 3 mit den Mädels) im Apartment im Hochhaus am Strand und 6 Tage in einem Apartment im historischen Gebäude mitten in der Altstadt. Hier eine Bilderauswahl:

Die Mädels hatten auch noch einen tollen Tagesausflug zur Playa Blanca unternommen, Dieser Strand soll einer der Schönsten in der Nähe Cartagenas sein.

Warum wir so lange in Cartagena sind ? Weil „ Ende im Gelände“. Wir brechen ab. Tja, eine Entscheidung die uns nicht leichtgefallen ist, aber schlicht und einfach notwendig ist. Mein Rücken will nicht so wie ich. Eine Weiterfahrt macht keinen Sinn. Ich kann keine längeren Strecken laufen und beim Fahren nicht sitzen. Ich brauche erst einmal das heimatliche Gesundheitsnetz. Schau`n wir mal. Vielleicht starten wir Anfang 2017 noch einmal für 8 Monate. Dann direkt in die USA. Aber das erst einmal nur eine Grobplanung.

Jetzt muss dann aber erst einmal die Verschiffung organisiert werden. Das braucht Zeit.  Den ersten Kontakt stellte Mia über Email zum Schiffsagenten Luis Ernnesto la Rota her. Dann konnte sie uns ja zum Glück auch noch zu seinem Büro begleiten und die Verschiffungsformalitäten klären. Schön, wenn die Tochter fließend spanisch spricht. Aber dann flog das Kind wieder nach Hause. Nun waren wir dran, bzw. Martin. Lediglich er als Halter durfte in den Hafen. Ein Anruf um 16:00 von Ernesto: Morgen um 8:00 soll das Fahrzeug zum Hafen. Was? Liesel- die wir auf einem superengen bewachten Parkplatz untergebracht haben- ist doch noch gar nicht vorschriftsmäßig gewaschen. Wo jetzt hin? Und wo vor allem dann über Nacht mit ihr bleiben? Auf den Parkplatz unter die Bäume kann sie dann nicht zurück, dann sieht sie am nächsten Morgen wieder genauso dreckig aus wie vorher. Martin also los. Im Ergebnis fand Martin dann schlussendlich eine PKW Waschanlage, die sich seiner erbarmte. Liesel ließ sich wohl gerade so raufzirkeln. Man bedenke, dass Martin eigentlich gar kein spanisch kann. Gleichwohl ist es ihm gelungen, die Mannen dort auch noch zu überreden, ihn vor Ort schlafen und morgens gegen 7:30 schon aus dem Tor heraus zu lassen. Respekt. Martin schwitzte also die Nacht bei über 30 Grad und in einer superheißen Liesel vor sich hin. Dann der Morgenschock. Ja, einer von Ernestos Mannen hat ihn zum Hafen gebracht, aber dann einfach da stehen lassen!! Es täte ihm ja nun leid, aber da könne nur der Eigentümer rein. Und  hat ihm dann freundlich alle Papiere in die Hand gedrückt und ihm auf Spanisch irgendwas erzählt was wofür, bzw. für welche Stationen im Hafen sei.

Martin also rein und sich durch den dortigen Behördendschungel gekämpft. Auf der Internetseite unseres Verschiffers Höegh Autoliners war festgelegt, dass keine persönlichen Sachen in den Fahrzeugen transportiert werden. Martin war daher sehr erleichtert, als das niemand kontrollierte. Der Zollbeamte wollte dann wohl auch nur mal einen Blick in so ein rollendes Haus werfen. Jedenfalls sparte er nicht mit Komplimenten für das tolle Interieur der Liesel, geizte aber mit jeglicher Kontrolle. Nicht einen Schrank sollte Martin öffnen. Nichts.

Heute musste Martin dann noch einmal in den Hafen. Liesel bekam eine Drogenkontrolle !  Heute Abend geht es dann für sie schon Richtung Deutschland.

So geht es also zu Ende. Unser Abenteuer Panamericana. Wesentlich schneller, als von uns geplant. Im August letzten Jahres waren wir aufgebrochen, um erst im Sommer 2017 aus Kanada zurückzukehren. Dies blieb uns verwehrt. Für mich schwer zu realisieren. Das brauchte Zeit. Aber wir sind dankbar, dass wir Südamerika so lange und intensiv bereisen konnten, eine Unmenge an Eindrücken gesammelt und Freundschaften geschlossen haben. Dabei ist uns außer dem Taschendiebstahl des Handys nichts passiert.  

Südamerika war für uns beide das „Wichtigste“ an der Reise. Darauf hatten wir uns am intensivsten vorbereitet. Wir sind insoweit froh, dass wir die Panamericana von Süden aus gestartet sind. Es war und bleibt unser persönliches Abenteuer.

Wir können nur jeden ermuntern einmal eine längere Reise  - egal wohin- zu unternehmen.

Wir bedanken uns für die vielen lieben Kommentare aller Leser und sind nun am 20.07. zurück in Deutschland. Liesel soll dann Mitte August in Bremerhaven landen.

 

Mal sehen, ob es dann in einigen Monaten noch einmal losgeht…….

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Kommentare: 8
  • #1

    Sylvia und Christoph Schlendermann (Donnerstag, 21 Juli 2016 18:24)

    Ohh, das ist aber schade. Aber Gesundheit geht vor. Und schließlich gibt es ja vielleicht wirklich noch einen Nachschlag in 8 Monaten. Wir wünschen eine gute Rückreise und alles Gute bei der Genesung.
    Die Liesel wird hoffentlich auch heil ankommen.
    Wir fanden alle Berichte und Bilder grandios. Besser als jede Dokumentation, und schön, dass wir das so live miterleben durften.
    Herzliche Grüße
    Sylvia und Christoph

  • #2

    Pietz aus Niebüll (Samstag, 23 Juli 2016 21:34)

    Ihr Lieben,
    die Gesundheit geht vor!
    Seid herzlich willkommen in der Heimat!
    Liebe Grüße von
    Pietz und Co.

  • #3

    Jogi R. (Montag, 25 Juli 2016 08:35)

    Unbekannterweise erst mal alles Gute und eine baldige Genesung! Und vielen Dank für die immer unterhaltsamen Berichte.
    Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr der Liesel den Norden Amerikas auch noch zeigen könnt. Und wer weiß, vielleicht kreuzen sich dort die Wege. Wenn alles klappt, starten wir im Sommer '17 auch im Osten Kanadas.
    Alles Gute!
    Jogi

  • #4

    Frank und Dagny (Dienstag, 26 Juli 2016 17:09)

    Ihr Lieben,

    das tut uns echt unheimlich leid, aber Dein Rücken ist echt wichtiger ! Und mit einem Bandscheibenvorfall im Dschungel, das ist lebensgefährlich und außerdem HORRENDE schmerzhaft!!
    Bestimmt werdet Ihr nächstes Jahr wieder aufbrechen, wir freuen uns jetzt schon auf die dann folgenden Berichte :)
    Liebe Grüße
    Frank und Dagny

  • #5

    Monika (Mittwoch, 27 Juli 2016)

    Tausend dank für die großartigen Reiseberichte und die traumhaften Fotos. Es,war schön ihre aufregende Reise begleiten zu können. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Enttäuschung über den Abbruch der Reise groß ist. Aber das Risiko im Rollstuhl zu landen ist nicht zu unterschätzen. Immerhin fast ein Jahr Ausstieg aus dem Alltag. Was für ein großes Glück. Alle guten Wünsche zur Genesung und dann geht's wieder los mit der Liesel egal wohin...

  • #6

    Ines (Samstag, 30 Juli 2016 17:08)

    Vielen Dank für die tollen Reiseberichte, die ich immer wieder gern gelesen habe. Niemals langweilig, immer informativ und oft lustig- direkt aus dem Leben gegriffen-, dem von Andrea und Martin.
    Schade, dass ihr eure Reise jetzt abbrechen musstet, aber schön, dass ihr wieder zuhause seid.
    Dir, Andrea, wünsche ich erstmal gute Besserung und wie ich das so sehe, war das nicht euer letztes Abenteuer mit der Liesel.
    Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder.
    Liebe Grüsse

  • #7

    Martina und Lothar (Montag, 01 August 2016)

    Oh, was muss ich da lesen, schade aber ihr habt Südamerika erlebt, das bleibt immer bei euch. Und......im nächsten Jahr auf zu neuen Abenteuern mit der Liesel. War sooo schön euch kennenlernen zu dürfen. Aus Paraguay gute, gute Besserung und wir überlegen gerade wie es 2017 für uns weitergeht, wir sagen dann nach 3 1/2 Jahren Südamerika auf jeden Fall "Lebe wohl"! Entweder Europa oder zurück nach Mexiko/USA, die Wahl am 8.11. wird es mit entscheiden :-). Líebe Grüße in die Heimat und danke für die tollen Berichte
    Martina und Lothar

  • #8

    Nico (Mittwoch, 10 August 2016 17:42)

    wo kann ich denn jetzt meinem Fernweh Nahrung verleihen ohne Eure tollen Berichte und Bilder? Alles Gute für Euch ... war schön, die Reise mit Euch (wenn auch aus dem Büro vorm Rechner) erlebt zu haben.
    Aus Hamburg

    Nico