Die Liesel füllt sich

Es wird enger an Bord. Wir haben Zuwachs bekommen.  Wir wagen das Experiment.  Zwei unserer vier Kinder kommen sternförmig auf uns zu. Kim aus Holland. Sie kommt in Cali an Bord und Mia aus ihrem Auslandssemester aus Sao Paulo nach Bogota.

Wir selber landen bedingt durch meinen Bandscheibenvorfall erst eine Woche später als gedacht und müssen uns daher sputen, um rechtzeitig in Cali zu sein. Wir sind etwas besorgt, weil seit Ende Mai die indigenen Kleinbauern für soziale Gerechtigkeit und bessere Lebensumstände streiken. Zur Durchsetzung ihrer Ziele blockieren sie  die Panamericana teilweise auf unbestimmte Zeit. Das passt ja prima. Aber alle haben ein Einsehen und „vertragen“ sich  rechtzeitig, so dass wir ungehindert durchkommen.

 

Als erstes besuchen wir wieder Gustavo und Mireya, die wir bereits im April kennen und auf ihrer Finca bei Cali besucht haben. Diesmal verabreden wir uns bei ihnen zu Hause in Cali. Oha. Tja, da kann man aber wirklich schlechter wohnen. Irgendwie wie in einer amerikanischen Soap das Ganze. Tolle Villen, Gym, Pool und Grünflächen. Spielende Kinder auf der Straße.  Wenn da nur nicht die hohe Umzäunung und das bewachte Einfahrtstor wären. 

Da wir erst m Spätnachmittag ankamen, lud uns Gustavo nach dem Essen erst gegen 22.00 Uhr ins Auto und machte mit uns eine Stadtrundfahrt. Cali ist erstaunlich.  Unglaublich grün. Sehr sauber, aufgeräumt und offensichtlich mit jeder Menge Einwohnern mit Geld gesegnet. Also ganz anders, als wir uns das so vorgestellt hatten. Auch das Hinterland um Cali herum ist wunderschön, wie wir noch feststellen sollten.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf und wollten auf einem am Stadtrand am Fuße der Berge gelegenen Parkplatz unter Bäumen  bis zum Abend abwarten, da Kim erst um 21:40 landen sollte. Wir standen da so herum, als plötzlich ein „ Guten Tag“ erklang. Es war Herman, hier gesprochen „Errmann“. Seine Großeltern waren deutsche Einwanderer und er habe nun einfach anhalten müssen, als er unser Wohnmobil gesehen habe. Mehr Deutsch habe er leider von seinen Großeltern nicht gelernt, wie er uns dann allerdings in fließendem Englisch erklärte. Er habe mehrere Jahre in den USA gelebt und wohne nun mit seiner Frau in ihrer Finca hoch in den Bergen, wo sie Jugendgruppen unterbringen. Er lud uns herzlich zu sich ein. Wir folgten ihm also mit der Liesel immer höher die Berge hinauf, zum Schluss über Schotter. Ob das lohnt? Ja, lohnte.

Ein Träumchen. Im Ergebnis haben wir Kimi abgeholt und sind zur Finca zurück gefahren. Sie schlief dann in der Finca bei Herman und Maria Clara und wir verbrachten eine ruhige Nacht in der Liesel.

 

Nach einem wunderschönen Morgen und tollem Frühstück fuhr Herman mit uns dann noch zu einem kleinen Wasserfall. Wir hoffen sehr, dass Herman und Maria Clara uns dann tatsächlich mal in Deutschland besuchen werden, da er dort ohnehin den dortigen Familienzweig aufsuchen will.

Weiter ging es nach Salento und dem dortigen Vale de Cocora, wo Martin und ich schon einmal waren, wir das Kim aber unbedingt noch einmal zeigen wollten. Wir standen wunderschön im Garten eines Hostels mit Blick in die Berge. Wir bekamen hier sogar Frühstück inklusive.  Die Atmosphäre mal was ganz anderes für uns „ Alten“. Da unzählige junge Traveller diese Gegend bevölkern, war es für Kim auch ein leichtes gemeinsam mit anderen eine Kaffeetour zu machen und im Vale de Cocora zu wandern. Wir verbrachten hier zwei ruhige Tage ehe es uns weiter zog Richtung Bogota.   

Ich sehe derzeit nicht so wirklich viel auf der Fahrt. Kim hat derzeit den Kommandostand, also den Beifahrersitz, übernommen. Ich selber liege entweder hinten auf dem Bett oder auf einer Liegekonstruktion hinter der Fahrerkabine. Daran muss ich mich jetzt erst einmal gewöhnen. Ich bin in sowas ja immer flexibel wie eine Stahlplatte.  Überhaupt nervt mich dies eingeschränkt sein. Aber nun gut, besser als nix. Wir hatten uns aus der Ioverlander App unterwegs einen Ecoparc bei Ibaque als Etapenziel ausgeguckt. Der war dann aber so klassse, dass wir auch hier zwei Tage blieben. Wir standen ganz allein auf einem begrünten Parkplatz und um uns herum nichts als Natur. Es gab mehrere Wanderwege durch die ansonsten unberührten Wälder. Wie im Dschungel. Mit riesigen Farnen, wilden Mangos und sogar Kakaobäumen. Die Sicht von den Bergkappen war toll. Ich habe mich nicht davon abbringen lassen, da auch hochzuwandern. Allerdings unterstützt durch meine Wanderstöcke. 

Und nun schauen wir mal, wie die nächsten zwei Wochen werden. Seit heute sind wir zu viert. Mia ist nun auch in Bogota dazu gekommen. Bienvenidos en Colombia.

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Kommentare: 3
  • #1

    Ria&Lucas van Veen (Samstag, 25 Juni 2016 09:24)

    Viele leute machen viel " Spasz". Gutte Reise mit einander.

  • #2

    Edel (Sonntag, 26 Juni 2016 14:50)

    Wieder wunderschöne Aufnahmen.
    Viel Spaß jetzt, genießt die gemeinsame Zeit!
    Edel

  • #3

    Jürgen (Samstag, 02 Juli 2016 07:47)

    Hallo Ihr Lieben,
    Andrea, dass mit der Bandscheibe wäre doch echt nicht nötig gewesen, -Gute Besserung!!
    Danke für die tollen Bilder, Martin sieht inzwischen aus, als wäre er der kolumbianische Kaffeeplantagenbesitzer persönlich :-)).
    Ich wünsche Euch eine schöne Zeit mit der Familie, habt viel Spaß und liebe Grüße an Kim und Mia aus dem immer noch total verregnetem Deutschland (oder sollte man langsam deutschem Regenwald sagen?)
    Astrid und Jürgen