Nuckelnde Hunde und heisse Quellen

Habe ich im letzten Blog noch  voller Glück von Popayan geschrieben, ereilte uns danach ein großes Pech.

Bei einer Prozession wurde Martin mein Handy aus der vorderen Hosentasche geklaut. Der Klassiker!!! Einer riss an einer Tüte, die Martin trug, lenkte ihn dadurch ab und der andere griff beherzt zu. Und weg waren sie.

Tja, zum Glück hatte ich auf meinem alten Handy alle Daten ebenfalls gespeichert. So hielt sich das Unglück in Grenzen. Nichts desto trotz super ärgerlich. Martin ärgert sich übrigens heute noch!

Aber dann fuhren wir erst einmal los Richtung Cali. In der Nähe der Stadt haben Mireya und Gustavo eine kleine Finca. Ein grandioser Ausblick in die Berge. Das Beste war jedoch der Hund ihrer Freunde. Ein Weimaraner!!! Und der nuckelt!! Ehrlich. Jeden Abend holt er sich eine Art Schnuffeltuch und dann geht es los. Wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Ich habe natürlich nur ein Foto gemacht, wo es aussieht, als ob er hinein beißt, aber in Wirklichkeit nuckelt er.

 

 

Wir hatten einen lustigen Tag und verbrachten dort in den Bergen endlich mal wieder eine ruhige Nacht.

Am nächsten Tag ging es weiter, unser Ziel war das Valle de la Cocora.

Zuvor fanden wir jedoch erst einmal einen super schönen Übernachtungsplatz hoch oben auf einem Mirador mit tollem Blick in das Tal. Hier waren wir völlig allein und konnten uns mal so richtig um die Liesel kümmern, also mal von innen reinigen und auch wieder Wasser aufladen. Erstmalig probierten wir unseren Voltumwandler aus. Ein sauschwerer kleiner Kasten, der 110 Volt auf 220 Volt bringen kann und umgekehrt. Ab jetzt gibt es fast nur noch den halben Saft in den Ländern. Das funktioniert ja prima, das Ding. Nein, was sind wir doch ausgerüstet.

Martin, der das Arbeiten im heimischen Garten vermisst, legt dann eben gerne auch an fremdes Eigentum Hand an! Und wenn es das klappernde Dach ist, dass befestigt werden muss.

Neben der schönen Aussicht habe ich dann noch den einen oder anderen Mitbewohner fotografiert. Nicht das jemand denkt, dass sei hier ein Zuckerschlecken.  Aber ehrlich, man gewöhnt sich an alles.

Nach 2 Tagen trieb es uns dann wieder weiter.

Es ist wirklich nicht übertrieben. Kolumbien ist durch und durch grün. Selbst der Bewuchs an den Autobahnen ist hübsch.

Doch das Valle de Cocora ist besonders hübsch. Das breite grüne Tal ist von zackigen Berggipfeln gesäumt und beherbergt die „Palma de Cera“ ( Wachspalme), die größte Palmenart der Welt, die es auf bis zu 60 Metern Höhe schafft.  In den dunstigen grünen Hügeln bietet sie einen wirklich tollen Anblick.

Wir entschlossen uns jetzt mal so richtig was zu „wagen“. Wir setzen uns auf Pferde und ritten mit einem Guide hinein in den Regenwald.

Ziel war ein kleiner Weiler in den Bergen, wo man unglaublich viele Colibris beobachten und natürlich auch fotografieren konnte, wenn man gefühlt tausend mal auf den Auslöser drückte, um ein klares Bild von den fixen Dingern zu bekommen. Es gibt unglaublich viele Arten von Colibris. Einfarbige, mehrfarbige, welchen mit kurzen und welche mit superlangen Schwänzen.

Unglaublich das. Hier meine Beweisfotos. Nicht geklaut die Bilder, sondern selbst geschossen! Einer ist aber kein Colibri, sondern hat sich reingemogelt.

Unser nächstes Ziel hieß dann Filandia. Ein Tip aus dem Reiseführer von Lonely Planet. Mitten in der Zona Cafetera gelegen, soll diese kleine Stadt super gemächlich und mit der am Besten erhaltenen Architektur der ganzen Region gesegnet sein. Na, da wollen wir doch mal gucken. Und, ja, stimmt.  Hier findet man fast keine Touristen, da sich alle in Salento tummeln, das unmittelbar neben dem Valle de Cocora liegt und von hier aus alle Touren dorthin starten.

 

Daher ist das Leben in der kleinen hübschen Stadt wirklich noch völlig „normal“ und super tranquilo. Dort haben wir auch den besten Cappuccino unserer Reise getrunken und einen super leckeren Käsekuchen gegessen. Und wir dachten das hätten wir schon in Popayan getan. Aber nein, hier in der Zona Cafetera ist es noch besser. Auf den Fotos haben die Männer aus Filandia nicht etwa Geschirrtücher umgehängt, sondern es handelt sich um kleine Ponchos, die zu einem Schal gefaltet über der Schulter getragen werden.

Der nächste Stopp hieß  Peireira. Eine Stadt mit 450.000 Einwohner, die eigentlich außer Shoppingmöglichkeiten nichts zu bieten hat. Was wolltet Ihr denn dann da? Tja. Wir dachten mal wieder an einen Ausflug. Bei dem wir die dicke Liesel schonen wollten. Traum unserer geschundenen Reisekörper waren die Termales San Vicente. Die sollten laut Lonely Planet viel schicker sein, als die viel häufiger besuchten Termales de Santa Rosa. Aber eben auch viel unbequemer zu erreichen, nämlich die letzten 12 Kilometer auf Schotterwegen hoch im Nebelwald. Wir suchten und fanden in Peireira also wieder einen hochexklusiven 24 Stunden Parkplatz ( Ihr wisst, hässlich und laut) und buchten ein rundum sorglos Paket mit Transport, Eintritt und Mitagsspeisung.

War ein Traum! Kann man nicht anders sagen. Der Reiseführer hat nicht gelogen. Aber erst auf den zweiten Blick. Bei der Einfahrt in die Termas dachte ich erst erstmal spontan ans Umdrehen. Bitte, sieht ja aus wie ein Schwimmbad in den Bergen. Was sind das denn für Betonbecken. Warben die nicht mit natürlichen Becken mitten in der Natur?? Nörgel, nörgel. Also einen Mitarbeiter angesprochen, der uns den wirklich völlig unausgeschilderten Weg wies. Und da waren die ersten Becken. Etwas schwierig zu fotografieren, da der hochsteigende Dampf die Kamera verwirrte.

Wir hatten an diesem Tag Glück, dass kaum Besucher da waren. Aber diese fanden sowieso nur in geringster Zahl diese gut versteckten Becken. Nicht nur die Becken waren mit 37 Grad super angenehm, nein, man konnte auch noch in die natürliche Dampfsauna, die direkt neben den Becken über einer 80 Grad heißen Quellen errichtet wurde. Auch ein Peeling mit schwarzem Schlamm gab es im Angebot.

Das schönste und versteckteste Becken fanden wir dann aber erst nach dem wirklich guten Mittagessen. Komplett für uns allein mit einem kleinen warmen Wasserfall am Ende. Ein Traum. Wie Tarzan und Jane fühlten wir uns! Großartig. Das hat sich mal mehr als gelohnt Wir waren richtig kaputt am Abend. Hätten wir nicht gedacht, das Thermalwasser so schlaucht.

Da nun in dieser Zona Cafetera naturgemäß zahlreiche Kaffeefarmen verstreut liegen, steuerten auch wir eine an. Auf den Fincas befinden sich jetzt fast immer Unterkünfte verschiedener Kategorien und auf einigen ist man auch mit dem Wohnmobil willkommen. Die Finca Guayabal gehört dazu. Sie ist 65 Hektar groß und gehört damit zu einer der Mittelgroßen Betriebe. Insgesamt produzieren hier in Kolumbien über 500 Fincas Kaffee. Ausschließlich Arabica und Robusta.

Da mir langsam die Adjektive für „wunderhübsch“ ausgehen,  muss ich es wieder benutzen. Wunderhübsch so eine Finca im Hochland. Grün, üppig und ungemein artenreiche Flora und Fauna.

War an unserem Ankunftstag das Wetter sehr bedeckt, war es am folgenden Tag desto besser. Sonnig und heiß. Auf der von uns gebuchten Kaffeetour mussten wir daher ordentlich schwitzen. Wir lernten aber wirklich viel über Kaffee, deren Anbau und Verarbeitung. Wir verraten Euch jetzt, dass „Arabicas“, mit einem S am Ende immer Mixturen, aber niemals 100 % Arabicabohnen sind. 

Wir trabten durch die Kaffeeplantagen und schlürften mehrere Tassen Kaffee, die bei unterschiedlicher Wassertemperatur und Ziehzeit trotz der gleichen Bohne unterschiedlich schmeckten.  Nur am Rande: ich durfte hier immer nur Kaffee ohne Milch trinken. Bei Milch oder Zucker im Kaffee verzieht der Kaffeefarmer nur angewidert das Gesicht. Wer trinkt denn sowas??? Ich?? Aber hier nur heimlich!

 

Fazit bislang:

Uns gefällt Kolumbien ausgesprochen gut. Es ist ja fast nicht zu glauben, dass es immer besser wird auf unserer Reise. Aber Kolumbien ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wer kann, sollte unbedingt demnächst kommen, bevor alle Welt merkt, dass es hier sicher und superschön ist.

Wir freuen uns auf weitere Erlebnisse hier.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Treppinger (Mittwoch, 06 April 2016 18:17)

    EEs gibt probleme mit den baeumen bitte tel. o46313023

  • #2

    Jürgen (Freitag, 08 April 2016 13:19)

    Hallo Tarzan und Jane,
    Bilder vom Regenwald, Schlammpeeling und Naturthermalbäder lösen dann doch bei den daheimgebliebene einen gewissen Neidfaktor aus...
    Aber mit der reinen weichen Haut kann Euch ja jetzt nichts mehr so schnell ins Schwitzen bringen. Habt weiterhin eine schöne Zeit.
    Liebe Grüße
    Jürgen und Astrid

  • #3

    Edel (Sonntag, 10 April 2016 11:28)

    Da muß ich mich anschließen - Neid - diese heißen Naturbecken sehen so einladend aus, mein Rücken verzieht sich schmerzlich. Die Aufnahmen sind wieder super schön - zum träumen.
    Habt Ihr Euch ein neues Ersatzhandy besorgt und die Daten überspielt? Eure Reise ist noch lang.

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Edel & Wolfgang