Sicherheitscheck in Kolumbien

Wir sind in Kolumbien angekommen. Und dort haben wir die Liesel zeitnah einem Sicherheitstest zugeführt.

Aber erst einmal zu „Las Lajas“, kurz hinter der kolumbianischen Grenze. Auf einer steinernen Brücke über einer tiefen Schlucht steht dort  die neogotische Basilika Santuario. Die Wallfahrer glauben, dass das Bild der Jungfrau Maria mitte des 18. Jahrhunderts auf einer riesigen Felswand, 45 Meter über dem Fluss erschienen sein soll. Hunderte Tafeln mit Danksagungen sind an den Wänden der Schlucht angebracht.

Das sah schon bei Tageslicht spektakulär aus. Aber dann, mit anbrechender Dunkelheit, trauten wir unseren Augen nicht mehr. Disco Time!!! Vom Feinsten. Da kann jeder Beleuchter noch was lernen. Im Sekundentakt verändere sich die Farbe.

Und dann fuhren wir direkt zum Sicherheitstest. Dieser fand statt an der Laguna de la Cocha. Ein wirklich spektakulärer See, der aber nicht nur, wie wohl oft, von Nebel verhüllt war, sondern sich uns auch noch mehr als nass präsentierte. Dort wollten wir einen schönen Nachmittag und eine ruhige Nacht auf dem Parkplatz eines toll gelegenen Hotels im Schweizer Stil verbringen.

Wir fuhren durch das Tor und ein älterer Herr begrüßte uns aus seinem entgegenkommenden Auto. Martin ging in das Hotel, um sich anzumelden, der freundliche Herr war mit seinem Auto wieder umgedreht und sprach mich an. Er sei der Hoteleigner und wir seien herzlich willkommen, wenn wir etwas bräuchten, sollten wir nur Bescheid sagen. Ob er das allerdings so wörtlich gemeint hat, wie wir es dann benötigten, weiß ich nicht. Jedenfalls sagte er, ich solle doch auch aussteigen und ihn begleiten ins Hotel. Gesagt, getan, und der Sicherheitstest lief an…

Ich habe das Kunststück vollbracht die Türen geflissentlich per Hand zu verschließen, auszusteigen und dann zu merken, dass Martin den Schlüssel gar nicht mitgenommen, sondern dieser noch in der Liesel im Zündschloss steckte. Ausgesperrt!!!

Hilfe, ja, wir brauchen jetzt ganz dringend Hilfe. Eigentümer, Gäste und Personal traten an, um mit kritischer Miene die Liesel zu umrunden. Hm, das sieht aber wirklich alles sehr sicher aus. Draht wurde herangeschafft, Stühle und Trittleitern. Nix ging. Felsenfest zu die Liesel. Kein Fenster zeigte Erbarmen und erst recht nicht die Türen. Also wurden wir erst einmal zur Beruhigung bei tollster Aussicht auf den See mit jeweils zwei alkoholischen Heißgetränken ruhig gestellt. Denn es war kalt und wir hatten nur langärmelige T-shirts an.  Dann wurde versucht einen professionellen Schlüsseldienst aus Pasto ( 25 km) entfernt heranzulocken. Der zeigte sich aber unwillig. Samstag, Regen und so weit weg. Nach mehrmaliger Mahnung des Hotels kam er dann „schon“ geschlagene 4 Stunden später. Ich saß inzwischen mehr in, als vor dem Kamin, der extra entzündet wurde. Auch eine Weste der netten Rezeptionistin half nicht viel. Martin lauerte derweil unermüdlich an der Tür. Ich hingegen knüpfte einen Kontakt nach dem anderen. Waren wir doch die armen Deutschen mit dem komischen Wohnmobil. Ich habe nun zwei Anschriften aus Cali und eine aus Bogota. Die eine der Familien werden wir wohl am Samstag besuchen.

Und dann kam der Herr vom Schlüsseldienst. Im strömenden Regen auf einem Motorad bewaffnet mit Draht, Kombizange und kleinem Set zum Schlösserknacken nebst Blasebalg zur Vergrößerung des Türspaltes.

Ich wurde nach gut einer halben Stunde unruhig. Wo bitte bleibt die Erfolgsmeldung? Ich kam um die Ecke und hörte von Martin nur „ No, la Senora…“. Aha. Ich war gemeint. Und was war? Von wegen Türschlösser Öffner. Das hat bei der Liesel noch nicht mal der Profi hinbekommen. Nein, mit letzter Energie haben die Herren, dann das hintere, obere Schiebefenster aufbekommen. Da wollte Martin nun aber nicht den Mechaniker mit seiner „leicht“ verschmutzten Arbeitsmontur auf unser Bett plumpsen lassen. Obwohl er nun von den Beiden der einzige gewesen ist, der durchgekommen wäre. Nee, da sollte nun die Senora durch!  Also ich. O.k. Sieht aber irgendwie ganz schön eng aus. Aber ich kam durch. Mal gerade so eben. Die Oberschenkelvorderseiten sind jetzt aber leider mit riesigen blauen Flecken versehen, denn ich musste die über so eine fiese Kante ziehen. Aber nun ja, ich war ja auch Schuld. Im Übrigen könnte ich jetzt auf der weiteren Reise das Fenster als Maß nehmen, um eine eventuellen Zuwachs an Körperumfang rechtzeitig entgegenzutreten.

Wir wissen jetzt aber immerhin, dass der Einstieg in die Liesel wirklich nicht einfach ist. Jedenfalls dann nicht, wenn man die Fenster nicht zerstören will.

 

Glücklich wieder in der Liesel verbrachten wir eine ruhige Nacht und zeigten der Familie aus Cali am nächsten Morgen die Liesel von innen.

Unser weiteres Ziel hieß dann  Popayan, die „Ciudad Blanca“.  Der Weg von der Laguna Cocha nach Popayan war bereits wunderschön. Satt grün und schon wesentlich tropischer. Sehr oft Militärkontrollen entlang der Panamericana. Kolumbien kann man jetzt wohl als sicheres Reiseland bezeichnen.  Mit hoher Militär- und Polizeipräsenz wurde sich den Drogenkriegen und der FARC entgegengestemmt. An den Stellen, an denen noch nicht die komplette Sicherheit gewährleitet ist, wird Militär positioniert. Dies ist ungemein anerkannt und beliebt in der Bevölkerung. Sie waren auch ausnahmslos nett. Wir wurden lediglich ein einziges Mal für ein interessiertes Schwätzchen angehalten. Ansonsten standen die Herren nur mit lächelnden Gesichtern und „ Daumen hoch“ an der Straße. Das bedeutet übrigens, dass die Straße sicher ist.

Popayan, das kleine Kolonialstädtchen, ist berühmt für seine weißgetünchten Fassaden, die ihr den Namen ciudad blanca bescherte. Sie war Jahrhunderte lang die Hauptstadt Südkolumbiens, bevor Cali diese Rolle übernahm.

Wegen des milden Klimas zogen viele wohlhabenden Familien der Zuckerbarone hierher, um den heißen Temperaturen rund um Cali zu entfliehen. Ihnen sind die seit dem 17 Jh. entstandenen Herrenhäuser und diversen Kirchen zu verdanken.

Das Beste allerdings ist die „ Semana Santa“, also die Karwoche.  Die Stadt ist dann voller Touristen und Gläubigen, die die nächtlichen Prozessionen und das in der Karwoche stattfindende Musikfestival besuchen. Und wir waren dabei! Die Zeitplanung war komplett zufällig!! Angesichts des Umstandes, dass die gesamten Hotelzimmer in Popayan bereits ein halbes Jahr vorher weggebucht sind, war es natürlich ein Glück, dass wir unser Bett immer dabei haben. Nur wohin damit?? Schlussendlich hatten wir Glück, das wir noch ein Plätzchen auf einem großen Parkplatz vor dem örtlichen Busterminal ergattern konnten. Hier standen wir sicher, aber natürlich mal wieder superlaut und superhässlich.

Aber es hat sich gelohnt. Aus den geplanten 2 Tagen wurden 6. Wir sind dieser super netten Stadt richtig verfallen. Es ist nicht nur, dass wir sie besonders hübsch fanden, nein, es war eine so ganz andere Atmosphäre, als wir es bisher kannten.

Wir hatten schon von vielen Reisenden gehört, dass die Kolumbianer besonders freundlich und aufgeschlossen sein sollten. Und, ja, das sind sie. Aber nicht irgendwie aufdringlich, sondern einfach so aus dem Herzen heraus. Sie freuen sich über Touristen, gerade aus Europa.  Es ist Ihnen ein großes Anliegen, dass ihr Land wieder als Reiseziel gesehen und aus dem alten schlechten Image entlassen wird.

Für dieses Ziel hat sich Popayan geschlossen so was von ins Zeug gelegt. Es fing für uns schon erstaunlich an, als ich in der Touristeninfo nach Telefonkabinen für internationale Gespräche fragte. Da kam doch tatsächlich eine der Mitarbeiterinnen mit uns mit, um eine zu suchen. Auch zum Theater wurden wir höchstpersönlich geführt. Hier kauften wir für Donnerstag und Freitag Konzertkarten.

Das Musikfestival ist großartig. Von Montag bis Mittwoch einschließlich fanden jeweils mittags und nachmittags sogar freie Konzerte im wunderschönen Theater statt. Wir kauften Karten für ein Konzert des Jugend Philarharmonieochester aus Bogota, die erst die Vier Jahreszeiten mit viel Herz und Können in ganz eigener Weise interpretierten und dann den Gitarristen  Pepe Romero aus Spanien begleiteten.  Pietz, das hätte Dir gefallen!!!!  Da hatten wir etwas ganz besonderes gehört. Pepe Romero ist offensichtlich einer der wenigen TOP Stars der weltweiten klassischen Gitarrenszene.

Morgen folgt dann ein Konzert desselben Jugendorchesters, das diesmal dann den Argentinier Rodolfo Mederos mit seinem Bandoneon begleiten. Also der Tango kann kommen. Diesmal haben wir vorher im Internet nachgeguckt, welch erfolgreichen Star wir aus der Tangoszene nun hören werden. Respekt!

Tja, manchmal finden auch blinde Hühner ein schönes Korn.

Aber das war noch längst nicht alles. Ich will mal aufzählen:

-          In Popayan, einer Studentenstadt, haben sich ganze Studentenheere aufgemacht um freiwillig quasi jeden Touristen einzeln zu begrüßen. Dies selbstverständlich auch auf englisch. Alle hatten das gleiche weiße Tshirt mit dem Aufdruck „ Popayan te abraza“, also Popayan umarmt Dich/ nimmt Dich herzlich auf“. Immer wieder wurden wir gefragt, ob alles in Ordnung sei und ob wir irgendwelche Fragen hätten.

-          Diese jungen Leute waren auch in allen Museen und Ausstellungen und führten die Besucher herum.

-          Es wurden Free Walking Touren angeboten, die wir natürlich auch mitgemacht haben. Auch hier wieder ein unglaublich herzlicher Einsatz und die große Liebe zu ihrer Stadt und Kolumbien war deutlich spürbar.

-          Es gab hier das beste Cafe überhaupt. Kinder, kolumbianischer Kaffee ist einfach soooo lecker. Und das Beste: es gab Franzbrötchen! Jaha. Tatsächlich. Hier im fernen Kolumbien. Ok, sie heißen hier merkwürdigerweise „ Rellenos de Canela“, aber schmecken haargenau wie die Franzbrötchen. Mit nur einer viel besseren Variante. Sie werden heiß gemacht. Oh, man, noch ne Woche länger und durch das Fenster muss jemand anderes durch. Martin hat sich hier im Cafe in ein feistes Getränk aus Eis und Sahne verliebt. Ich sag Euch, das iost sekundenschnell in ihm verschwunden. Bei den Bildern ist eines von den klitzekleinen Kalorienbömbchen und dem Cafe dabei.

-          Es gab mehrere Handwerksausstellungen, in den man in aller Ruhe stöbern und kaufen kann.

-          Sogar die Polizei war mit vollem Einsatz dabei. Plötzlich sprach uns eine gemischt männlich/weibliche Gruppe von 5 Polizisten an. Schüttelte uns freundlich die Hand und fragte mich, ob wir uns in Popayn wohl und sicher fühlen und ob es uns gefällt. Ich stotterte daraufhin freundlich auf spanisch zurück. Und schwupps holten die doch tatsächlich eine Kamera und ein Mikrofon heraus, bauten uns beide vor der Kathedrale auf und nun sollte ich nochmal alles schön aufsagen. Oh, man, wer sich jetzt wohl mein hilfloses Gestammel anhören muss. Da ist er, unser Prototyp von schlecht spanisch sprechendem Besucher aus Europa.

Aber ist das nicht unglaublich? Die ganze Stadt „ mit dabei und im Einsatz“? Natürlich ist hier in der Stadt eine ganz enorme Militär- und  Polizeipräsenz. Aber die sind alle so nett und zugewandt, dass sie überhaupt nicht stören, sondern uns als Touristen schlicht und einfach ein total sicheres Gefühl geben. Kolumbien will auf jeden Fall verhindern, dass irgendwelche Zwischenfälle passieren.

Aber jetzt erst einmal ein paar Bilder von Popayan :

 

Die Prozessionen selbst sind langwierig. Es wird viel gestanden. Nun sind wir aber auch Protestanten und können damit vielleicht nicht hinreichend etwas anfangen. Aber es ist schon unglaublich mit welcher Hingabe die Kolumbianer bei den Prozessionen dabei sind. Welch ein Aufwand diese bedeutet. Mit Schülergruppen und Musik. Die „Paso“, die Tragegestelle der Christusfiguren wiegen mehrere Hunderte Kilo und werden über Stunden von den Männern getragen. Das ist schon beeindruckend.

Auch die Kinder werden nach dem Motto „früh übt sich“ eingebunden. Wir waren durch Zufall gerade in der Stadt, als eine Kinderprozession durchgeführt wurde. Da wir das vorher nicht wussten, hatte ich nur das älteste aller Handys und keine Kamera dabei. Tja, was soll ich sagen, das sind die miesesten Fotos ever. Sie sehen aus, als seien sie aus den Anfängen der Fotografie. Aber ich stelle sie wegen der drolligen kleinen Menschen, die soooo stolz ihre Aufgabe bewältigten, gleichwohl ein.

 

Von Popayan aus, unternahmen wir mit öffentlichen Kleinbussen auch noch einen Ausflug nach Silvia. Dieser kleine Gebirgsort liegt gut 50 km östlich von Popayan entfernt und ist Zentrum des Gebietes der Guambiano. Ihr Stamm beträgt etwa 12.000 Menschen. Sie gelten als älteste Ureinwohner Kolumbiens, sprechen ihre eigene Sprache und tragen traditionelle Kleidung, Männer in blauen Röcken mit pink farbenen Bordüren und Filzhüten. Frauen in handgewebter Kleidung. Sie kommen am Markttag in Chivas ( bunt bemalten Bussen). Kameras können sie so gar nicht leiden und wollen sich nicht wie im Zoo ausgestellt sehen- was ich gut verstehen kann. Wir haben also mit der klitzekleinen Kamera lediglich heimlich einige Fotos geschossen, damit man sich einmal eine Vorstellung machen kann. Viel Touristen gibt es hier ohnehin noch nicht. Aber natürlich weicht auch hier die Tradition langsam auf. So sieht es schon merkwürdig aus, wenn ein Guambiano in traditioneller Kleidung versunken in sein Smartphone starrt. Auch viel junge Leute unterwerfen sich dem Kleiderdiktat wohl nicht mehr.

Am Samstag werden wir dann diese schöne Stadt verlassen und erst einmal in der Nähe von Cali Mireyra und ihrer Familie auf ihrer Finca einen Besuch abstatten.

Wir wünschen Euch allen frohe Ostern!

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Kommentare: 3
  • #1

    Jürgen (Samstag, 26 März 2016 17:42)

    Hallo Ihr Beiden,
    na das ist ja mit der Liesel gerade nochmal gut gegangen. Wäre sicherlich echt doof, wenn Ihr da so schnell nicht mehr reingekommen wärt. Andrea, Du machst aber auch Sachen....Und klar, bei den Eiskaffeeportinen wäre Martin sicher nicht durch das Fensterchen gekommen... :-)
    Wir wünschen Euch auch frohe Ostern und alles Liebe.
    Grüße Astrid und Jürgen

  • #2

    Edel (Sonntag, 27 März 2016 16:26)

    Eure Reise ist wohl noch nicht aufregend genug, daß Ihr Aufregung selbst produzieren müßt. Ist ja noch einmal gutgegangen.
    Die Pop-Kirche in der Wildnis ist wirklich phantastisch und das ursprüngliche Bergdorf mit seinen Menschen super.
    Schön daß Ihr Euren Aufenthalt je nach Belieben verlängern könnt. Die Ostereindrücke so weit weg von der Heimat waren sicher ein Erlebnis.

    Weiterhin gute Reise
    Edel & Wolfgang

  • #3

    Inge (Sonntag, 27 März 2016 23:30)

    Hallo Andrea und Martin ,
    wieder ein toller spannender Bericht . Andrea , zum Glück konntest Du dich mit schlangenartigem Geschick durch das Fenster winden . Einfach toll , was ihr alles erlebt , die Fotos geben einen guten Einblick von Eurer Reise . Ich wünsche euch weiter eine gute Fahrt mit der Liesel und viele schöne Erlebnisse .
    Liebe Grüße von Klaus .
    Herzliche Grüße
    Inge .