Ecuador, der erste Teil

Das hat uns aber angenehm überrascht, dies kleinste Land Südamerikas!

Die Abfahrt von unserem Campingplatz in Peru war super verregnet.

Ohne vernünftige Kanalisation ein Desaster in den Straßen. Liesel musste regelrecht schwimmen!

Unsere Einreise nach Ecuador war dann wohl das Entspannenste, was wir bisher erlebt haben. Riesige Grenze und nichts los. Super freundlich wurde uns gesagt, wo wir jeweils hingehen müssten in diesem Riesenkomplex. Bei der Erstellung der temporären Einfuhrgenehmigung für Liesel fragte ich dann an, wie es wohl mit einer KFZ Versicherung vor Ort ausschaue. Überall im Internet wurde berichtet, man müsse direkt vor Ort eine solche abschließen. Der Beamte erwiderte jedoch, eine solche SOAT würde es nun nicht mehr geben. Wir bekamen die Einfuhrerlaubnis also auch ohne Versicherung. Nun, ja, dann schauen wir mal in Cuenca, dachten wir uns. Der eifrige Deutsche will ja ordnungsgemäß versichert sein.

Hinter der Grenze war das Wetter prima (komisch, ich wusste gar nicht, das eine Grenze auch das Wetter aufhält). Wir fuhren direkt rein in das Bananenland. Das ist unglaublich. Vor, hinter und neben uns alles voller Bananenstauden. Hier stehen sie die Schilder von Del Monte und Co.  Die für den Export gedachten Einheitsbananen wachsen praktischer Weise umgehend hinein in die Riesenbeutel.

Hier in Ecuador gibt es jede Menge Bananensorten, die wir gar nicht kannten. Unsere absoluten Favoriten sind rote Bananen. Feiste, feste, süße Dinger, die. Ersetzen glatt eine ganze Mahlzeit.

Wir erreichten dann nach einigen Stunden! über eine wirklich fiese Straße Cuenca. Ich hatte mich vorher noch gewundert, warum die Navilette uns einen Umweg über 100 km fahren lassen wollte. Tja, man sollte auf die Technik hören. Haben wir nicht, dafür dann als Belohnung die Horrrorstraße.

Mit Folgen, wie ich später gestehen werde.

Aber erst einmal zu Cuenca. Oder unserem ersten Eindruck von Ecuador. Bis auf die Straße ein gänzlich anderes Bild als Peru. Super grün in der Sierra und vor allem die Häuser in wesentlich besserem Zustand und erstaunlich : kein Müll!! Dieser Eindruck wurde dann endgültig von Cuenca bestätigt.

Was für ein Juwel. Das Straßenbild der 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO erhobenen Stadt prägen wunderschöne republikanische Stadthäuser mit zahlreichen französischen Bauelementen sowie kolonialer Architektur.  Der Reiseführer schreibt: „charakteristisch für die Universitätsstadt Cuenca, im Vergleich zum Zentrum Quitos, ist der gewachsene Lebenszusammenhang aus Wohnen, Geschäftswelt, Bildung und Kultur… Ganz im Gegensatz zu Quito gilt das Handwerk in Cuenca nicht als zweitklassige Tätigkeit der Armen, sondern als respektierte Beschäftigung. Bis heute finden sich in Cuenca Ärzte, die nebenbei schneidern, und Anwälte, die auch tischlern“.

Und tatsächlich. Die Stadt und die Atmosphäre sind toll. Wohnen, kleine Handwerksbetriebe, Kirchen, Museen und wunderschöne Gebäude in Eintracht beieinander.  Cuenca ist übrigens neben Montecristi an der Küste die zweite Heimat der berühmten Panamahüte aus der Faser der Toquilla-Palme. Der Panamahut aus Cuenca hat dabei den Löwenanteil am ecuadorianischen Huthandel und wird auch in Cuenca selbst ungemein viel getragen.  Und was soll ich sagen, wir haben in dem tollen Fabrikmuseum Sombreros Barranco beide einen Orignal Panamahut erstanden. Das musste sein. Dort werden Sie per Hand gearbeitet.

Wir gestehen insgesamt: Cuenca hat unserem bisherigen Favoriten Arequipa in Peru den Rang abgelaufen.

 

Residiert haben wir in einer Anlage, 30 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt. Einer Mischung aus Familienkommune, Hostel, Tischlerei und Bauernhof.

Humberto, der Eigentümer war muy tranquilo. Alles sehr entspannt. Wir nutzten das schöne schlichte Bad eines der Hostelzimmer. Humberto gab uns auch den Tip den Nationalpark Cajas lieber von hier aus zu besuchen und nur eine Wanderung um die untere Lagune zu machen. Er war jahrelang Führer im Nationalpark und versicherte uns, dass die auf rund 4000 Meter gelegenen höheren Lagunen in der jetzigen Regenzeit total im Nebel verschwunden seien, was andere Gäste, die aus Norden kamen, bestätigten. Also auf zur „nur“ auf 3100 Metern gelegenen Lagune. Wir hatten zwar auch ein etwas regnerischen Tag erwischt, waren dafür aber fast allein in der stillen Natur. Gerade die Nebelbänke ließen die Atmosphäre dort ganz unwirklich erscheinen. Ein schöner Ausflug.

Und dann „wollten“ wir nach 5 Tagen weiter fahren. Mit der Betonung auf „wollten“. Was ist das für ein komisches Geräusch? Bei Hubbeln oder Löchern schebberte es irgendwo an oder unter der Liesel. Aber wo?? Ich legte mich schlussendlich beim Fahren mit dem Ohr auf den Fussboden und meinte das Schebbern hinten an der Seite unten zuordnen zu können. Also wieder zurück zu Humberto, um Rat einzuholen wohin nun mit Liesel. Er fuhr mit uns zu einer Werkstatt für LKW und Busse. „ Die mögen dort Deutsche besonders gern“. Aha.

Und tja, ich habe noch Martins Versicherungen im Ohr „ also unsere Blattfedern können gar nicht kaputt gehen, die sind so dick und stabil“. Können sie wohl. Jedenfalls die oberste von acht hinten links!

Aber erst einmal raus holen das gute Stück. Da war der Tankkasten vom WC Tank nämlich  vorgebaut. Also musste der etwas eingeschnitten werden. Dafür wiederum wollte der Mechaniker unsere Einwilligung. Da wir vereinbarungsgemäß erst um 17:00 wieder kamen stockte alles und wir hatten eine „wunderbare“ Nacht auf dem Werkstattgelände. Da Liesel inzwischen hinten links ohne Füße aufgebockt stand, mochte ich mich die ganze Nacht kaum bewegen!

Die Blattfeder hatte wohl schon einen Uraltschaden. Da muss irgendwann in grauer Vorzeit mal was passiert sein. Die war an einer Stelle total weggerostet und hat dann wohl auf den 25.000 km den Rest bekommen. Aber hat mal wieder super funktioniert! Es gab in Cuenca einen Laden, der nichts als Blattfedern verkauft! Nach der Übernachtung in der Werkstatt war alles erledigt. Wir machten uns auf Richtung Banos, gelegen am Fuße des 5.023 Meter hohen Vulkans Tungurahua.

Eine Strecke, die mystisch mit Nebel in den Bergen begann.

Auf der Fahrt versuche ich immer wieder Fotos zu schießen, von schönen Motiven. Das stellt sich aber schwieriger dar, als ich dachte. Trotz diesmal richtiger Kamera sind die Bilder leider ziemlich verwackelt. Sie geben aber gleichwohl einen guten Eindruck dessen wieder, was man alles so am Wegesrand sieht.

Es ist schon beeindruckend, wie schwer hier manche Menschen, gerade die Indigena in den Bergen, um ihr Überleben kämpfen müssen.

Auf dem weiteren Weg hatten wir das Glück vor Riobamba einen Viehmarkt zu besuchen.

Dann erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein Banos.  Es liegt auf angenehmen „nur“ 1.820 Meter Höhe, umgeben von wunderschöner Bergwelt. Früher mehr Badekurort wegen der schwefelhaltigen Vulkanquellen, ist es heute eher ein Hotspot für Abenteuersportler. Über Canopy, Rafting, Trekking und Reiten ist alles im Programm. Besonders beeindruckend sind jedoch die Wasserfälle, die sich in der üppigen Natur entlang des Flusses Pastaza zeigen.

Eigentlich wollten wir am ersten Tag um Banos herum ein wenig wandern. Aber das haben wir dann mal schön gelassen.

Ja, wir sind Bangbüxen. Im Reiseführer steht:

„ Der 5.023 Meter hohe Stratovulkan Tungurahua wirft  seit 2006 wieder verstärkt Rauch, Lava und Magmagestein aus. Die Ascheauswürfe erreichen Spitzenwerte von 10 km Höhe über dem Krater. Vulkanologen sagen, eine plinianische, also eine stark explosive Eruption, sei „ bald fällig“.“

Sah auf den ersten Blick nicht erschreckend aus. Ein bisschen Qualm. Das kannten wir ja schon. Das erste Mal wunderte ich mich beim Abendessen. Martin, wieso schaukelst Du die Liesel so?. Hä? Ich sitze doch ganz still. O.K.

Dann mitten in der Nacht der erste Donnerschlag und wieder leichtes Schaukeln der Liesel. Ok. Weiter schlafen, so schlaftunken kriegt man das auch gar nicht richtig mit.

Dann um ca. 6:00 standen wir beide senkrecht im Bett! Ein wahnsinniger Donnerschlag, wirklich wie eine Explosion. Wir beide raus. Und, ja das fanden wir sah nicht mehr so beruhigend aus. Wir standen immerhin genau unter dem Ding, wie man an „Beweisfotos“ ( Stück Hinterteil von Liesel mit auf dem Bild und eines aus dem Fenster) sehen kann. Wir meinten ein geordneter Rückzug sei besser. Erfahrungslos wie wir Flachländer sind, wollten wir mal lieber das Weite suchen. Wir fuhren daher frühmorgens weiter an der Wasserfallroute entlang zum  Pailon del Diabolo   Auf dem Weg dorthin konnte ich noch einige weitere tolle Fotos des Vulkans machen. Auch die Einheimischen zeigten übrigens immer wieder auf den Vulkan und machten recht beeindruckte Gesichter. Wir hörten dann zwei Tage später, dass es sogar in der Zeitung gestanden hat, dass der Vulkan solche intensive Aktivität vorher nicht gezeigt hat.

Was hatten wir für ein Glück, dass wir den schon fast in Dschungelvegetation liegenden Wasserfall früh morgens und allein für uns hatten. Beeindruckend das ganze. Nun natürlich nicht in erster Linie der Wasserfall an sich, da sind wir natürlich von Iguazu verwöhnt,  aber die ganze Vegetation herum und die Wucht, mit dem das Wasser da runter knallt sind schon beeindruckend.  Leider gelang es mir nicht einen der vielen bunten Schmetterlinge zu fotografieren. Die sind so verflixt unstet und schnell die Biester.

Also bisher, Ecuador: Daumen hoch!!!

Und das ist meine Lieblingsfrucht hier. Eher hässlich von außen, aber so was von dankbar zu schälen. Und leeeeeeeecker!!!!!

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Kommentare: 2
  • #1

    Randy (Dienstag, 08 März 2016 21:39)

    Sicher kleiner als Ecuador: Guyana!
    Noch ne Nummer kleiner: Suriname.
    Beides übrigens unabhängige Staaten.
    Ansonsten beeindruckt die intensiv agierende Fauna, gleich ob kackender Hund oder rammelnder Stier.
    Guten Weg weiterhin. Andreas

  • #2

    edel (Samstag, 19 März 2016 18:43)

    Hallo Ihr Lieben, wieder einmal super Fotos und ein super Bericht. Mich hat dieser Bericht besonders berührt und beeinduckt, weil er sehr viel von den Menschen des Landes zeigt und auch die Fotos sehr autentisch sind. Der Vulkan war super.
    Paßt bitte gut auf Euch auf und auf die Liesel!
    Edel & Wolfgang