Steinige Strecke oder Geschichtsunterricht

So viel Kultur hätte ich Martin und mir gar nicht zugetraut.

Was dem andinen Hochland seine Inkas, sind der Nordküste ihre Mochica und Chimu! Hatten wir ja nun ehrlich gesagt vorher noch nie etwas von gehört. Also hier eine klitzekleine Erläuterung.

Die Mochica haben weit früher gelebt und  als die Inka, nämlich bereits zwischen 100 und 800 n.Chr. Die Blütezeit lag so um 500 n.Chr. Das Mochica Reich expandierte ab etwa 200 n.Chr. entlang der Pazifikküste nach Norden und Süden und erreichte um 750 n.Chr. seine größte Ausdehnung. Das Nachfolgevolk der Mochica waren die Chimu, die dann ihrerseits von ca. 1000 bis 1450 n.Chr. über die Küstenwüste herrschten. 

Um in der menschenfeindlichen Wüste überleben zu können, bauten bereits die Mochica ein meisterhaftes, geradezu gigantisches Bewässerungssystem, das dann auch von den Chimu genutzt wurde und bis 1925 funktionierte sogar ein 2500 Meter langer Äquädukt, der in 25 Metern Höhe über ein Trockental führte.

Soweit die kurze Orientierung. Wir haben uns drei bemerkenswerte Ausgrabungsstätten angesehen.

Begonnen haben wir mit der Huaca de la Luna und der Huaca del Sol bei Trujillo. Das waren die höchsten Lehmziegelpyramiden Südamerikas. Eine Meisterleistung der Mochica. Diese Pyramiden waren verputzt und mit Wandmalereien versehen. Man weiß nicht zweifelsfrei über den Sinn und Zweck der sich gegenüberstehenden Pyramiden Bescheid. Man geht aber davon aus, dass es sich hier eher um „Multifunktionsbauten“ und nicht um Mausoleen, wie die ägyptischen Pyramiden, gehandelt hat.

Sie waren allerdings auch Heiligtümer und dienten zu zeremoniellen und militärischen Zwecken, sowie auch alltäglichen Bräuchen. Die Anlagen waren mehrere Stockwerke hoch.

Wir standen allerdings vor dem Besuch der Huacas kurz hinter Trujillo erst einmal mit der Liesel in einem Badeort auf einem Campingplatz/ Hostel. Wir waren dort etwas „angebunden“, da ich mir am Tage vorher voller Glück am Straßenrand ein Pfund pflaumenartiges Obst gekauft und verputzt hatte. Nun, ja, kennt jemand „Dulcolax“?  Das scheint die natürliche Variante desselben gewesen zu sein. Das hat mich zwei Tage aus den Puschen gehauen.

Etwas unsicher auf den Beinen also bei mal wieder Mitte 30 Grad Temperatur und gnadenlosem Sonnenschein zu den Huacas. Wie immer an diesen Ausgrabungsstätten an der Küste wird man zu Gruppen zusammen gesammelt. Man darf nicht ohne Führer hinein. Das liegt vor allem wohl daran, dass die Ausgrabungen noch nirgends beendet, sondern noch voll im Gange sind und es erhebliche Diebstähle gegeben hat. Es ist so auch erst eine der Pyramiden zugänglich. Die zwischen den Pyramiden liegenden Häuser werden gerade erst ausgegraben, die Huaca del Sol ist noch völlig unberührt.

 

Hier also nun einfach mal ein paar Bilder:

Der wichtigste Fund in Bezug auf die Mochica waren allerdings die Grabfelder von Sipan, die erst ab 1987 entdeckt wurden. Ein archäologischer Volltreffer.

In den Pyramidenresten wurden in 1987 erst das Grab eines Mochicas Herrschers und dann nach und nach weitere Gräber, wie z.B. 1988 das ältere Grab des alten Herrschers und dann 1990 das Grab des Priesters.

Die Gräber befanden sich auf unterschiedlichen Ebenen. Die „ Grabbeigaben“ aber sind das, was, die Archäologen zu Begeisterungsstürmen veranlasste, waren durch sie doch mehr Informationen über die Kultur zu erhalten, als von tausenden von Einzelfundstücken vorher, die ohne archäologischen Zusammenhang blieben.

Mit Grabbeigaben meine ich jetzt nicht nur zahlreicher wertvollster Goldschmuck und tausende von Tongefäßen.  Im Grab des Herrschers von Sipan ruhte nicht nur er selbst, sondern es wurden außerdem die Skelette von acht weiteren Menschen gefunden, die beim Tod des Herrschers getötet wurden und ihm ins Jenseits „begleiteten“.

Neben dem Grabwächter, der mit amputierten Füssen über den Holzbalken des Sarkophags lag, befanden sich im eigentlichen Grab drei junge Frauen ( Haupt –und Nebenfrauen) , drei Mochica Krieger ( ein Militärchef, ein Bannerträger und ein Dienstbote) und in einer Ecke saß das Skelett eines etwa 10 Jahre alten Jungen. Daneben wurden dann noch die Überreste zweier Lamas und eines Hundes gefunden.

Auch in allen anderen Gräbern ( das letzte wurde erst 2007 freigelegt), wurden weitere Menschen gefunden.

Ich beschreibe das hier so ausführlich, weil diese Ausgrabungsstätte wohl die bestaufbereiteste ist, die wir je gesehen haben. In der Originalgrabstätte wurden mit Repliken die Grabfunde eins zu eins nachgebildet. Auch zeigen große Schautafeln, wie die Archäologen arbeiten. Es war schlicht beeindruckend. Eine ganz unwirkliche Atmosphäre, zumal wir am frühen Morgen ganz allein dort waren. Wir hatten vor der Ausgrabungsstätte übernachten dürfen.

 

Die Fotos zeigen zuerst ein Modell der Anlage, neben einer Nachbildung des Herrschers und dann beispielhaft die Gräber des Herrschers von Sipan und des Priesters.

Von der Chimu Dynastie haben wir uns Chan Chan angeguckt, einst die Hauptstadt des Reiches mit schätzungsweise 50.000 bis 80.000 Einwohnern. Damals wohl nicht nur die größte Stadt Südamerikas, sondern wohl weltweit. Innerhalb der Adobemauern war die Stadt in viele rechteckig ummauerte Bereiche und Sektoren eingeteilt, die wohl Wohnbezirke bestimmter Berufsgruppen, Palastbezirke und Kasernenkomplexe waren. Alle Bezirke waren an eine künstliche Wasserversorgung angeschlossen. Eine geführte Tour ist nur in einem der vielen Paläste möglich. Dem Zeremonialpalast Tschudi.

Nach der ganzen Wissenstour in heißer Wüste mussten wir nun erst einmal ausruhen. Ganz im Norden Perus sollte ein schöner Strand mit tollem Campingplatz sein. Strand war da, aber der Platz geschlossen. Aber wie so oft stellte sich das als Glück heraus. Einige Kilometer weiter fanden wir dann nämlich unser Paradies. Ein Hostel auf wahnsinnig großem Grundstück, auf dem man auch mit dem Wohnmobil direkt am Wasser stehen durfte. Alles super schlicht mit Außendusche und Außentoilette, alles nur Naturmaterialien, aber ungemein charmant. Hier fühlten wir uns pudelwohl. Und endlich kam auch mal unsere Hängematte, die wir vor Jahren mal in Thailand gekauft hatten, zum Einsatz.

Und hier noch einige Fotos von der Fahrt. Wenn mir langweilig ist, schieße ich immer mal wieder mit der kleinen Kamera einige Situationsfotos. Keine gute Qualität, aber als Erinnerung reicht es. 

Nach 5 Wochen haben wir nun auch Peru durchquert. Insgesamt sind wir jetzt gut 25.000 Kilometer gefahren.

Peru hat uns überrascht. Die Vielfalt dieses Landes fanden wir erstaunlich. Der Unterschied zwischen den Bergen und der Küste könnte größer nicht sein. Nordperu fanden wir allerdings sowohl klimatisch, als auch landschaftlich „ schwierig“. Der überall in Massen herumliegende Müll tut dann sein Übriges. Wie in allen anderen Ländern davor, zeigten sich aber auch die Peruaner immer super hilfsbereit, freundlich und zugewandt. Von Neid auch hier keine Spur, jedenfalls haben wir nichts dergleichen gespürt. Andere wohl schon. Nordperu gilt für Reisende als „gefährlich“. Es kommt wohl immer wieder zu Überfällen. So erzählte  uns  eine anderes Paar, dass neben Ihnen an einem Strand Nachts zwei Paare in Zelten mit Waffengewalt um Ihre Wertsachen erleichtert wurden. Sie selber hätten lediglich rund 100 Metern entfernt gestanden.

Wir haben uns nie unsicher gefühlt, haben aber auch immer auf sehr sichere Übernachtungsplätze geachtet. Statt „schön“ am Strand standen wir oft lieber „häßlich“ auf einer Tankstelle. Das werden wir auch weiter so halten.

 

Der nächste Bericht kommt dann schon aus Ecuador.

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Kommentare: 1
  • #1

    Edel (Samstag, 05 März 2016 19:22)

    Hallo Ihr Lieben, das war wieder super interessant und lehrreich.
    Da Ihr diese Reise bewußt unternehmt, seid Ihr immer auf dem richtigen Weg.
    Weiter so und natürlich auch viel Glück.
    Liebe Grüße Edel & Wolfgang