Hier sind die Anden anders

Nun sind wir also in Peru. Für uns „mehr“ Südamerika, als die Länder zuvor.

Unser Weg führte von Arica in Chile nach Tacna in Peru. In Arica verbrachten wir den Vormittag mit dem – nicht geglückten – Versuch eine Speicherkarte mit allen bisherigen Fotos zu Kim nach Holland zu schicken. Der blanke Wahnsinn. Die Straßen super eng, super unübersichtlich. Die Navilette nicht gewillt Einbahnstraßen zu beachten. Grausam. Dann endlich Dickmadam am Straßenrand im Halteverbot geparkt. Schnellen Schrittes zu Chileexpress.  Ich habe der Dame ausführlich geschildert, dass eine Speicherkarte im Brief sei, was man auch fühlen konnte. Formular, nach Formular später dann die erlösende Bitte nach 27.000 Pesos ( ca. 35 Euro). Perfekt. Auf einem der Formulare musste ich meine chilenische Handynummer angeben. Wir irrten wieder aus der Stadt raus, hatten zuvor noch schnell am Stand 2 Kilo super leckere Pfirsiche erstanden (dazu später).

Gerade als wir glücklich den Stadtrand erreichten klingelt mein Handy. Die Dame vom Chileexpress. Da sei ja was drin im Brief. Das müsse nun deklariert werden. Ich solle doch noch einmal „schnell“ vorbeikommen. Waaaaas? Ich fasse es nicht. Wahrscheinlich hatte die sowas einfach noch nie gemacht. Also irgendwie wieder zurückgequält. Ich rein, Martin in der Liesel in der zweiten Reihe geparkt. So, das kostet dann nun 65.000 Pesos! Bitte? Für einen Brief mit einer Speicherkarte im Wer von 10 Euro????? Die haben sie ja wohl nicht alle. Nein, das war es mir dann doch nicht wert! Zurück die ganze Aktion, her mit meinem Brief und meinen 27.000 Pesos. Tja, und dann biss ich fast in den Tresen. 4 x!!!!!!! musste sie neue Formulare ausfüllen und von Frau Chefin prüfen lassen. Ihr gefiel meine Unterschrift jeweils nicht. Nein, die sähe nun aber etwas anders aus, als auf meinem Pass.

Keine 40 Minuten später hatte ich dann Brief, 27.000 und ein „ Disculpe, Senora Andrea“ in der Tasche. Nix wie weg aus dieser Stadt.

Auf zur Grenze nach Peru.  Oha. Was ist denn hier los? Menschenmassen über Menschenmassen. Wir stehen uns am Ausreiseschalter die Beine in den Bauch. Sind dran und die freundliche Chilenin fragt uns, wo wir denn die ausgefüllten Touristenkarten hätten. Was für Karten. Na, die gäbe es doch in der Cafeteria im ersten Stock. Ach, so, ja natürlich, wie konnten wir übersehen, dass es in einer Cafeteria Zollunterlagen gibt. Klar, kein Problem. Holen wir. Gesagt, getan. Wir durften dann auch gleich wieder ohne Warten bei ihr antreten. Fertig. Auf zur peruanischen Einreise. Noch längeres Anstehen. Einreisestempel im Pass, nun noch die Einfuhrerlaubnis für Liesel.

Angestellt, dran gekommen und weggeschickt!!! Nein, erst einmal die Fahrzeugkontrolle! Was für eine Fahrzeugkontrolle??? Tja, jetzt wissen wir es. Erstmalig in die Falle getappt. Peru macht es jetzt den Chilenen nach (wahrscheinlich als Retourkutsche) und nimmt einem komplett Gemüse und Obst ab!!!! Diesmal einen richtigen fetten Haufen, wir hatten nicht nur die Pfirsiche, sondern vorher auch noch einmal ganz viel andere Sache eingekauft. Da war ich doch etwas weniger freundlich.  Martin schwört, dass er welche von den Zollbeamten hinter der Säule „unsere“ Pfirsiche hat mampfen sehen. Hoffentlich waren die voller Bazillen!!!!

Schönen Dank, das fängt ja super an mit Peru. Also erst mal zur nächsten Stadt nach Tacna, um insbesondere eine Sim Karte zu kaufen. Puh. Schmutzig hier und super hektisch. Aber Einsatz hat sich gelohnt. Bin wieder online. Hier bleiben wollen wir für die Nacht nicht, sondern fahren weiter zu unserem ersten Ziel Arequipa. Unterwegs übernachten wir auf einer Tankstelle.

Am nächsten Mittag dann Anfahrt auf das Hotel La Mercedes, welches Wohnmobilen Unterschlupf bieten soll. Dank der guten Beschreibung von anderen Overlandern haben wir das sofort gefunden. Hinter hohe Mauern und einer fest verschlossene blaue Pforte stehen wir dann auf einem Rasenstreifen, der ca. 5 Wohnmobilen Platz bietet. Es gibt sogar eigene Sanitäranlagen für die Camper. Prima. Am besten ist jedoch die Lage. 200 Meter entfernt ein Supermarkt und der zentrale Platz mit der Kathedrale lediglich 15 Minuten Fußmarsch entfernt. Ja, was soll ich sagen. Arequipa ist einfach großartig. Ganz, ganz wunderschön. Sie liegt auf einer Höhe von 2.353 Metern. Das historische Stadtzentrum wurde 2000 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Der Durchgangsverkehr ist aus der Innenstadt der „ Ciudad Blanca“ verbannt. Ein Träumchen. „Weiße Stadt“ leitet sich nicht nur von dem weißen Sillargestein ab, aus denen viele Gebäude und die Kathedrale erbaut wurden, sondern auch von der ursprünglich rein weißen Einwohnerschaft. Das „farbige“ Personal musste außerhalb der Stadt wohnen.

Die Plaza ist an drei Seiten von Säulengängen umgeben, die gesamte Breite der Nordseite nimmt die Kathedrale ein. Ein bisschen fühlten wir uns wie im Urlaub in Spanien oder Italien. So wunderschöne Gebäude, mit tollen Innenhöfen, Kirchen, Restaurants und einem Mercado. Ich bekam von Martin einen original handgeflochtenen, modernen Strohhut verpasst. Hier in Arequipa laufen auch sehr viele Männer mit Anzug und Strohhut herum. Gefällt uns sehr.

 Das sind auf dem Mercado nicht etwa „Kinderkleidchen“, nein, das sind Hundekleider. Na, Britta und Andreas, wäre das was für Frieda?

 

Hier erst einmal ein paar Bilder:

Ein ganz besonderes Highlight in Arequipa ist jedoch der Besuch des Klosters Santa Catalina. 1579 wurde mit dem Bau dieses Klosters begonnen. Hierzu wurde ein kleiner Teil Arequipas einfach ummauert. Doch was sich hinter den Mauern abspielte, wie die 150 Nonnen und 400 Dienstmädchen lebten, blieb der Öffentlichkeit über 300 Jahre verborgen!

1953 wurden Teile durch ein Erdbeben zerstört, aber erst 1970 öffneten sich  die Klostertore erstmalig für die Öffentlichkeit. Die Nonnen selbst hatten dies veranlasst, als nur noch 17 von ihnen lebten. Nun leben nur noch ca. 25 Nonnen hier in einem neueren, nicht zugänglichen Gebäude. Das Kloster ist eine Stadt in der Stadt und liegt ebenfalls im historischen Stadtzentrum. Die Anlage ist sehr groß, mit Straßennamen und ganzen Straßenzügen, Plätzen, Wasserversorgung, Gärten, Werkstätten und jeder Menge Wohnhäuser. Die Nonnen lebten hier nicht so karg, wie man sich das vorstellt. Das seht Ihr gleich auf den Bildern. Offensichtlich gab es auch durchaus Unterschiede zwischen arm und reich. Novizinnen hatten eine reiche „ Mitgift“ einzubringen. Sie lebten 1-4 Jahre völlig abgeschottet im Novizinnentrakt und konnten dann entscheiden, ob sie bleiben.

 

Eindrucksvoll war es!

Wir knobelten dann hinsichtlich der weiteren Route. Eigentlich wollten wir nun den Titikakasee, Cusco und Machu Picchu nicht auslassen, aber die Höhe und die Regenzeit ist natürlich in Peru nicht besser, als in Bolivien. Sollten wir es wagen? Der Titikakasee liegt auf 3.800 Metern. Cusco auf 3.400 Metern. Dazwischen die Anden, die immer so um die 4000 bis 4500 Meter hoch sind. Also mehrere Wochen in dieser Höhe. Schaffen wir das?

Die Neugier siegte. Wir fuhren los hoch hinein in die Anden, die hier völlig anders aussehen, als in Argentinien oder Chile. Hier sind sie mit Bewuchs versehen und es gibt eine Hochebene auf bis zu 4.500 Metern, auf der dann auch der Titikakasee liegt.

Bei 3.400 Metern entschieden wir uns für eine Aklimatisierungsnacht abseits der Straße. Wir waren erst 50 km von Arequipa entfernt. Ging ganz gut. Aber der Puls hämmert einfach schneller, um die geringere Sauerstoffzufuhr auszugleichen. Ist extrem unangenehm in der Nacht. Da bekommt man auch manchmal etwas Schnappatmung.

Wir entschlossen uns am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr zu starten. Diese Straße von Arequipa nach Puno ist eine Hauptverkehrsroute für LKW und Busse. Der blanke Wahnsinn. Ich darf aus unserem Reiseführer zitieren:

„Autofahren in Peru ist nicht ganz ungefährlich. Die Peruaner fahren äußerst progressiv und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren,  dass sie vor allem auf kurvenreichen Straßen ihr Fahrzeug nicht unter Kontrolle haben und mit der Verkehrssituation an sich überfordert sind. Überhöhte Geschwindigkeit führt dazu, dass die Peruaner einem auf der falschen Fahrbahnseite entgegenkommen. Der Peruaner ist im Übrigen davon überzeugt, den Aufprall zweier sich aufeinander zubewegender Fahrzeuge durch reines Hupen verhindern zu können- das Ergebnis lässt sich in Form umgekippter Busse und LKW entlang der Straße bewundern“

Wie Recht der Autor hat, konnten wir bedauerlicherweise auf dieser Strecke mit eigenen Augen sehen. Die Fahrt begann sonnig.  Dann folgte die Durchquerung eines Nebelbandes. Für Fotos wahnsinnig schön, zum Fahren – mit den Peruanern – eine Katastrophe. Da überholten die doch, obgleich man die Hand vor Augen nicht sehen konnte! Uns sogar ein LKW mit Gasflaschen im Nebel vor einer Kurve. Unfassbar. Die vielen Kreuze am Straßenrand bezeugen die wahnsinnig vielen Todesfälle.

Tja, und auf unserer Fahrt passierten wir dann tatsächlich zwei schreckliche Unfallstellen. Der erste Stau wurde verursacht durch den Aufprall eine Busses auf einen PKW. Die Sanitäter waren im Bus im Einsatz. Der zweite Stau war ganz gruselig. Am gelben LKW gab es gar keinen Motorraum mehr, der weiße LKW stand quer. Beim Vorbeifahren konnten wir dahinter nur noch verbrannte Restteile eine darunter gefahrenen PKWs sehen. Das dürfte der Fahrer nicht überlebt haben.

Für Martin bedeutet das Fahren hier also permanentes Aufpassen. Konzentration zu jeder Sekunde. Aber wir sind super vorsichtig und fahren keine langen Strecken mehr.

 

Vermehrt sehen wir jetzt auch schon Frauen in der traditionellen Kleidung.

Wir haben Puno am Titikakasee aber ohne Probleme erreicht. Auf dem Weg dorthin besuchten wir noch die Grabtürme von Sillustani, die auf einer Halbinsel im Umayo-See liegen. Der spanische Chronist Cieza de Leon berichtet, dass beim Begräbnis eines bedeutenden Mannes 20-30 Lamas verbrannt, Frauen, Kinder und Dienerinnen getötet wurden, damit sie dem Toten dienen konnten. Meist wurden auch noch weitere Personen lebend mit dem Toten in den Grabturm eingemauert.

Puno selbst ist eine laute und eher schmutzige Stadt. Hektisch und mit vielen Tuk Tuks und Fahrradrischkas.  Hier wollten wir vor allen Dingen die schwimmenden Schilfinseln mit den Uros besuchen. Leider war es sehr bedeckt und superkalt.  Natürlich ist das – wie auch der Machu Picchu- der reinste Touristennepp. Aber wer will es ihnen verübeln, dass sie versuchen  Geld zu verdienen. Interessant war es allemal. Dem Foto von uns in Uro Tracht konnten wir nicht entrinnen!

Nun geht es wohl morgen weiter nach Cusco. Ob wir da den Machu Picchu besuchen können, wissen wir noch nicht.  Wenn es regnet und alles in Nebel verhüllt ist, müssen wir noch einmal überlegen, ob sich dann der doch enorme Aufwand eines solchen Besuches lohnt.

 

Schau`n wir mal.  Bis dahin.

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Kommentare: 1
  • #1

    Britta (Montag, 01 Februar 2016 18:19)

    Hallo, Ihr Lieben,
    Das hört sich ja sehr abenteuerlich an. Hätte nicht gedacht, dass Peru das Paris der Hundemode ist, geht es den Leuten denn dort so gut, dass sie ihre Hunde mit solchen Scheußlichkeiten schmücken können?
    Da gefallen mir die kecken Hütchen schon besser oder die Bommeln im Haar. Mal sehen, vielleicht trag ich sowas zum Juristenball.
    Passt schön auf Euch auf, auch auf dem Berg.
    Wir sind gerade in Südtirol, aber Andreas ist wegen undefinierbaren Fußschmerzen noch gar nicht zum Skifahren angetreten und mich hat es heute im Sulz gerissen und ich lahme nun auf der Hinterhand, tja, wir sind halt Wracks....
    Dafür ist es sommerlich warm, 13 Grad auf dem Berg, davon kann man in manchem Sommerurlaub nur träumen.
    LG Britta