Salz auf Deiner Haut.....

Oha. Jetzt geht es zur Sache.

Wir besuchten Antofagasta. Schon seit einiger Zeit nervte uns die Störungsmeldung des Lichtsystems. Wir haben ja diverse Begrenzungsleuchten an der Liesel und auf unerfindliche Weise ging plötzlich links weder die Nummernschildbeleuchtung, noch die Positionslampe oben und das Standlicht auch nicht.

Wir dachten wir fahren da mal wieder zu Mercedes Benz Kaufmann, um unserer Werkstadtsammlung auf dem Weg nach Norden noch eine hinzuzufügen. Gesagt, getan. Ankunft 16:00. Mit Bedauern stellten sie fest, ums erst am nächsten Morgen verarbeiten zu können. Wenn solch ein enges Timing mal eine Werkstatt bei uns bedauern würde.

Also erst einmal Fahrt in die Stadt um endlich mal wieder ein Centro Llamado zu finden, ein Laden, in dem man überall hin telefonieren kann und was dann hinterher abgerechnet wird. Sehr gute Telefonverbindungen und relativ günstig. Aber das erste Problem. Wohin mit unserem Dickschiff? Such, such. Die Standorte im Ioverlander total ungeeignet. Mist. Erst einmal weit weg die Liesel abgestellt und zu Fuß echt lange in die Stadtgrenze gelaufen, in der Hoffnung im Einkaufszentrum ein solches Telefongeschäft zu finden. Tja, Pustekuchen. Hier hatten die nur Telefonzellen. Also rannte Martin los, um einige Tausend Pesos in Münzen zu wechseln. Er kam mit vollen Händen zurück, aber das Ding funktionierte so gar nicht. Super. Jetzt haben wir auch noch so ne Kollekte in der Tasche. Klimper, klimper.

Genervt zurück auf die Straße. Plötzlich spricht uns auf Deutsch ein Herr in Monteurhose an und fragt, ob wir die Deutschen aus dem Wohnmobil seien. Er habe es im Vorbeifahren gesehen.  Er heiße Peter Jacobsen und wohne seit 26 Jahren in Chile. Er erklärt uns, dass wir doch nur 5 Meter entfernt auf das Dachgeschoss des Riesensupermarktes fahren sollten, da könnten wir auch mit der Liesel parken Bewacht. Toll. Gesagt, getan. Dem Wächter 3000 Pesos zugesteckt und erklärt, dass wir vor dem Einkaufen erst einmal 3 Stunden in die Stadt gingen. Kein Problem. Herrlich. Liesel bewacht und wir alle Zeit der Welt. Als wir zurück kamen steckte ein Zettel von Peter Jacobsen an der Windschutzscheibe. Wir sollten doch bei ihm und seiner Familie vorbeikommen. Da es auf dem Weg lag, kamen wir dieser  Einladung nach. Es stellte sich heraus, dass Peter Elektriker in Deutschland gelernt und lange bei Mercedes Benz gearbeitet hatte. Hier war er selbständig mit Wartungen von Pumpen und Schwimmbädern und reparierte nebenbei Mercedes Benz.

Er bot sofort an, sich dem Problem anzunehmen. Hätte er mal lieber nicht machen sollen. Die Elektrik und die Leitungen der Liesel stellten sich als Desaster heraus.  Hätten wir das mal lieber noch vorab in Deutschland überprüfen und richten lassen. Daran haben  sich schon diverse Menschen versucht. Ein einziges Durcheinander von Kabelverbindungen.  Nichts passte zueinander. Jeder hatte lustige Querverbindungen gelegt. Es dauerte 2 x  ½ Tag, bis wir wenigstens das Wichtigste nun einmal richtig verbunden und die Stränge und Verläufe neu geordnet hatten. Martin scheint nun als Elektriker angelernt zu sein. Ich hatte derweil Spaß mit seiner Frau Carla, die prima Deutsch sprach, der Kinderschaar, der Enkelin und der Großmutter. Wir wurden quasi in die Familie integriert. Selbst beim Mittagessen, als der Älteste (Jobst) von seinem bestandenen Ingenieurexamen zurückkam, waren wir dabei. Sehr ergreifend, Jobst hat von seiner Omi den Ring seines verstorbenen Großvaters für sein tolles Examen geschenkt bekommen.

 

Die Nacht verbrachen wir beim Wahrzeichen von Antofagasta, der „ Portata“, dem Tor im Meer.

Unter Austausch von Handynummern und Anschriften nahmen wir dann Abschied und brachen auf nach San Pedro de Atacama.

Der „In“ Ort in der Atacama Wüste. Eine Oase inmitten der Cordillera del Sal. San Pedro liegt in einem Tal zwischen den Anden mit den Vulkanen wie an einer Perlenschnur und den Cordilleren auf der anderen Seite. Die Auswaschungen ergeben riesige Salzfelder ( Salar de Atacama) und auch die Cordillera del Sal sind ( wie Schnee) von Salz überzogen. Eine unwirkliche, pompöse Landschaft.

Wir fuhren gegen 14:00 an und Hatten im Ioverlander gesehen, dass es einen Art Aussichtsparkplatz über das Tal des Mondes ( Vale de la Luna) geben sollte, auf dem übernachtet werden könne. Aber die neuesten Einträge wiesen daraufhin, dass nun Eintritt auch für diesen Hotspot fällig sei und Übernachten gar nicht mehr möglich sei.

Wir versuchten es gleichwohl. Ohne die Koordinaten hätten wir die Zufahrt überhaupt nicht geshen. Ein unscheinbarer Feldweg. Ok. Ein Tor, aber offen. Hm, dann fahren wir doch einfach durch. Oha, ein Kassenhäuschen. Leer. Ok, dann da eben auch vorbei. Hin zu einem Traumplatz! Meine Herren, was ist das denn für ein gigantomane Aussicht? Ein Blick über das Vale de la Luna. Großartig. Und ganz für uns allein. Liesel zurecht gerückt und der Dinge geharrt. Um Punkt 19:00 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, dann plötzlich eine Invasion von Tourbussen. Ich liebe ja die asiatischen Touristen. Die sind komisch. Knipsen, was das Zeug hält, drängen sich ungeniert vor und sind teilweise merkwürdig verhüllt. Mit Gesichtsschutz. Wollen wohl möglichst weiß bleiben. Tja, also, ich würde da wohl ganz groß rauskommen.

 

Eine Stunde lang das Chaos, dann plötzlich absolute Stille.  Alle weg. Wir ganz allein. Ein Träumchen war der Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Wie ein Andacht. Bilder sind leider nur ein schlechter Ersatz für die Atmosphäre. 

Und dann kam San Pedro de Atacama. Wir hatten so gar keine Vorstellung. Heute würden wir jedem zu einer Reise nach San Pedro raten.

Die erste Schwierigkeit war wieder die Unterbringung unserer Dickmadam.  Alle Campingplätze zu klein, der einzig von der Größe passende viel zu teuer. Unverschämt teuer!

Also fuhren wir zum Estacionamiento Publico, dem öffentlichen Parkplatz. Direkt am Stadtkern und wohl häufig von Wohnmobilen frequentiert. Und ja, war prima.

 

San Pedro ist ein touristisch schnuckelig aufgearbeitetes Städtchen. Mit Adobe Häusern und Sandgassen. Jede Menge Restaurants und sage und schreiben 48 !!!! Reisebüros für die Touren rund um San Pedro.  Wir hatten Lust auf Stressfrei. Kein Stress für uns und kein Stress für Liesel. Also buchten wir eine Kombi von 4 Touren. Was für ein Glücksgriff. Richtig Urlaub. Wir mussten mal nichts selbst organisieren, sondern wurden organisiert. Der Horror für jeden ordentlichen Overlander. Für uns nicht.

Und die Touren waren einfach nur toll. Kleine Grüppchen, nette Guides und Entspannung pur. San Pedro de Atacama scheint fest in der Hand von Touristen unter 30 Jahren aus aller Herren Länder zu sein. Wir waren jedenfalls bei allen 4 Touren die Ältesten, wie Betreuer von Jugendgruppen. Nur bei zwei von den vier Touren fuhr noch eine Mama eines jungen Mädchens mit.

 

 Und das hier haben wir uns nicht entgehen lassen:

 

 Vale de la Luna

Das Vale de la Luna in den Cordillera del Sal ist nach den mondähnlichen Landschaftsformen benannt, die Flut und Wind seit Jahrtausenden gestalten. In Frühzeiten la es unter dem Meeresspiegel. Das ganze Tal ist unbeschreiblich. Wir krochen durch enge Höhlen und kletterten auf den Felsformationen. Insbesondere aber der Sonnenuntergang ist beeindruckend. Während man auf der riesigen Sanddüne sitzt, versinkt die Sonne hinter dem Horizont und es tritt eine wunderbare Verwandlung ein. Der ferne Ring von Vulkanen und die Mondlandschaft erstrahlen in den unterschiedlichen Purpur- und Goldtönen.

 

 

Lagunas de Altiplano

Die nächste Tour führte uns zum Salar de Atacama zur Laguna Chaxa, die Flamingos Lebensraum bietet. Hier erklärte uns unsere Tourfüherin super anschaulich, indem sie quasi ie Bewegungen der Flamigos nachahmte, deren unterschiedlichen Bewegungsmuster und was die so zu bedeuten haben. Super interessant. Ausgestellt war auch ein Flamingonest. Man, watt ne Arbeit. Da scharen sie mit den Füssen solange in der steinharten Salzwüste, bis sie einen Salzhaufen zusammen haben und dann wird der in der Mitte für eine Mulde plattgetreten.

Es folgte das in de Tour inkludierte Frühstück. Das Essen bringen Guides immer im Tourbus mit. Es sind immer zwischen 10 und 15 Teilnehmer. Richtig lecker und liebevoll vor dem Tourbus auf einem Tisch aufgebaut.

 

 Danach ging es auf 4.200 Metern zu den Lagunas Miscanti und Miniques. Zwei giltzernd blauen Süßwasserseen zwischen den Vulkanen im Altiplano.

Laguna Cejar/Ojos de Salar

Die Laguna Cejar liegt , wie auch die Ojos ( Augen) de Salar, im Salar de Atacama. Eine Wüste komplett aus Salz. In der Laguna Cejar geht man „schwimmen“. Oder man sollte doch wohl eher sagen treiben. Sie hat den gleichen Salzgehalt wie das Tote Meer! Unglaublich. Sieht aus wie ein kleiner See umgeben von schneeweißem Sand. Ist aber wirklich alles komplett Salz. Sehr merkwürdig. Aber das Treiben auf dem supersalzigen Wasser ist urkomisch. Und, wer nicht hören will, muss fühlen. Spontan steckte Martin den Kopf unter Wasser, um dann wild zwickernd und blind wie ein Lurch nach Süsswasser zu verlangen für die Äugelein. Also raus, Flasche mit Süßwasser angeschleppt und dem Gatten die Augen ausgewaschen. Martin schwört allerdings Stein auf Bein, ich Böse habe ihm gar nicht übersetzt, dass der Tourguide uns vorher davor warnte, den Kopf unter Wasser zu halten. Ups, ja das kann sein.

Sobald man das Wasser verlassen und getrocknet war, sah man aus wie ein Fisch in Salzkruste. Grauenvoll, wie das spannt!! Und dann muss man doch tatsächlich 300 Meter laufen, um am Ausgang unter die Duschen zu springen. Ich hatte mir schon extra Schwimmshirt und Schwimmshorts angezogen, um in der knallenden Wüstensonne und dem Salzgehalt nicht extrem zu verbrennen. Das ist gelungen.

Weiter ging es mit unserem kleinen Grüppchen zu den Ojos. Kreisrunde Löcher mit Süßwasser in der Salzwüste. Einige hüpften hier rein, um erst hier das Salz abzuwaschen.

Zum Schluss fuhren wir zu einem wunderbaren Platz an der Salzwüste, um den Sonnenuntergang zu betrachten. Dies bei Snacks und einem Pisco Sour, dem leckeren Nationalgetränk aus Pisco ( eine Art Tresterschnaps) Zitronensaft und Zucker.

 

Eine ganz wunderbare Gruppe hatten wir und es war irgendwie eine ganz besondere Atmosphäre in dieser uralten Natur.

Geysire el Tatio

Ein bemerkenswerter Ausflug, der Frühmorgens um 4:30 startet. Knapp 100 km von San Pedro entfernt wandelt man bei Sonnenaufgang quasi durch ein Dampfbad von 64 Geysiren. Dem mit 4.300 Metern höchstem Geysirfeld der Welt. Das Blubbern und Zischen klingt wie eine Ansammlung von fröhlich kochenden Kesseln. Allerdings wünscht man sich, die Geysire würden ihre Hitze irgendwie besser auf die Besucher verteilen. Es ist kalt. Seeehr kalt. Minusgrade! Da hieß es also alle Wintersachen, inklusive der langen Unterhose, wieder hervorzukramen.

Der Anblick der dampfenden Fumarolen, insbesondere wenn die Dämmerung weicht und sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, ist unwirklich schön. Auch die Strukturen, die sich farbig um die Austrittslöcher bilden, sind wunderhübsch.

Über die ganze Schönheit darf aber nichtvergessen werden, dass es auch unglaublich gefährlich sein kann, wenn man die Abgrenzungen nicht lückenlos beachtet. Die Löcher der Geysire sind umgeben von einem Ring ausgesprochen brüchigen Materials. Da bricht es sich schnell ein. Dies passierte leider vor drei Monaten einem deutschen Touristen, der in das 85 Grad heiße Wasser einbrach und verstarb.

 

Das frühe Aufstehen hat sich mehr als gelohnt. Wir waren rundherum begeistert. Wir waren eine winzige Gruppe von nur 9 Teilnehmern. Auch hier wurde uns wieder vom Guide ein liebevolles Frühstück, diesmal sogar mit frisch zubereitetem Rührei auf einem tragbaren Gaskocher, bereitet. Mit Blick auf die Geysire.

Fazit:

Wir hatten ganz wunderbare 5 Tage in dem kleinen, quirligen und überaus hübschen San Pedro verbracht. Die richtige Entscheidung im Hinblick auf die gebuchten Touren getroffen und es einfach nur genossen.

 

Nun sind wir ganz erfüllt von den vielen Eindrücken und auf dem Weg zurück an die Küste. Über Iquique und Arrica werden wir dann Kurs auf Bolivien nehmen, wenn denn die Höhe dies zulässt. San Pedro liegt auf 2.600 Metern. Hier hatten wir keinerlei Probleme. Auf den 4.300 Metern, beim Herumwandern auf dem Geysirfeld merkte man aber schon ganz erheblich, welche Anstrengung dies für den Körper bedeutet. Richtig klar wird es aber erst dann, wenn man auch auf einer solchen Höhe übernachtet. Wenn das klappt, ist man Höhentauglich, ansonsten heißt es für die Nacht erst einmal wieder weiter runter. Wir werden uns dann von Arrica aus also auf die Höhe des Passes und Boliviens mit weit über 4000 Metern, langsam hocharbeiten.

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Kommentare: 3
  • #1

    Collega (Mittwoch, 20 Januar 2016 23:39)

    Ihr seid Glücksschweine und werdet scheinbar ständig jünger. Werde auch mal wieder in die Salztherme gehen & drücke weiterhin die Daumen für Euch!

  • #2

    Edel (Sonntag, 24 Januar 2016 18:13)

    Phantastisch - die Ausflüge waren wirklich Glückstrefffer.
    Weiter so - GLG Edel & Wolfgang

  • #3

    Peter (Mittwoch, 27 Januar 2016 18:01)

    Habe heute Euren Bericht über San Pedro de Atacama gelesen.Er hat bei mir viele Erinnerungen freigesetzt. Auch ich fand die Stadt sehr quirlig .Seid ihr auch im Museum gewesen. DOrt befanden sich doch einige Mumien,wenn ich mich entsinne. Auch die Salzseen mit den Flamingos und vor allem die Geysire in ru d 4300 Meter Höhe waren toll einschließlich der Anfahrt in völliger Dunkelheit. Von dort bin ich aber weiter nach Bolivien gefahren ( natürlich nicht selbstsondern Mi einem Bus ).Die dortigen Salzseen waren umwerfend , auch später La Paz War interessant und m.E. auch nicht verkehrsmässig zu schwierig. Auf jeden Fall weiter Viel Erfolg auf Eurer Tour. Zum Schluß ein grosses Lob an Dich Andrea ,Du schreibst außerordentlich interessant. GRUß Peter