Martin, hörst Du was?

Nee, Du? Nein, ich auch nicht. 

Die Erklärung findet Ihr am Ende des Berichtes!

Chile, das Land der Küste. Jedenfalls im Verhältnis zur Größe des Landes.  Für uns geradezu ein Paradies. Zum einen, lieben wir das Meer, zum anderen ist das Klima ganz prächtig. Wind, Sonne, nicht so heiß und nachts schöne Abkühlung.

 

 Wir feierten meinen Geburtstag in Tongay bei La Serena auf dem Campingplatz.  Martin hat keine Raubzüge gescheut und mir auf dem Rückweg vom Brötchen holen, jede Menge Blümelein ausgerissen. Blumenläden gibt’s hier nicht. 

Ein schöner Geburtstagstisch !

und Mittags ein Snack mit klitzekleinen Krebsscheren. Prösterchen.

Ein Ausflug nach La Serena stand an. Da wir die Liesel nicht bewegen und alles einpacken wollten, fuhren wir mit dem öffentlichen Bus. Auch hier wieder super bequem und kundenfreundlich. Wir kamen die Straße gerade hoch, da sah ich den Bus. Auf eifriges Winken unsererseits hielt der Bus an und ließ uns auch ohne Haltestelle einsteigen. Keine  1 ½ Stunden später waren die 50 km nach La Serena bewältigt. Für mich wieder als Trainingslager. Ein dämliches Kind spielte die gesamte Zeit auf dem Smartphone ein widerliches Spiel bei dem es irre laut klingelte, schepperte und rumste.  Danke Mutti, ist ja auch lästig sich mit seinem Kind zu unterhalten. Unterhaltungselektronik in die kleinen Patscher zu geben, natürlich viel einfacher.

La Serena gefiel uns sehr. Einige Gebäude stammen aus der Kolonialzeit, doch die meisten entstanden erst danach und sind Teil des „Plan Serena“, den der hier geborene Präsident Gabriel Videla in den späten 1940er Jahren verfügte.

Hier fanden wir auch wieder einen Jumbo. Und darin „ Flensburger Pilsener“ und „ Haribo“. Man wird ja so dankbar auf einer solchen Reise.

 

Und nicht nur Martin hat sich hier neue Schuhe gekauft, sondern auch der Liesel haben wir 6 neue Treter gegönnt. Ihre Reifen waren durch die vielen kleinen, scharfen Steine arg mitgenommen.

Dann ging es weiter gen Norden. Wir kamen recht zügig in den Beginn der Atacarma Wüstenregion. Viele finden das öde, wir waren begeistert. Nein, also leben möchte man hier nicht. Das tut offensichtlich auch keiner Aber das Durchfahren ist schon beeindruckend. Rechts und links der Autobahn nichts als Sand und nackige Berge. In dieser Gegend befinden sich viele Gold- Silber und Kupferminen. Ein schwerer Job in unwirtlichster Gegend. Vielleicht erinnert sich noch jemand an das tragische Minenunglück vom August 2010, bei dem 33 Bergleute nach 69 Tagen gerettet wurden.

Wir wollten auf dem Weg einen Blick nach Huasco an der Küste werfen. Der Weg dorthin führt durch ein grünes Tal, das sich wie ein Band unwirklich zwischen den kahlen Bergen dahinzieht. Heimat von Oliven und Trauben, aus denen ein Süßwein hergestellt wird, den wir nun wirklich nicht verkosten wollten.

Huasco ist in keinem Reiseführer beschrieben und offensichtlich auch bei Overlandern ein unbekanntes Ziel. Wir fanden ein Kleinod.

Ein unglaublich geputztes Städtchen. Wir parkten die Liesel und wurden von einem Chilenen angesprochen, der selbst ein begeisterter Wohnmobilfahrer ist. Wir haben uns lange unterhalten.  Wie schon so manch anderer Chilenen, wies auch er daraufhin, dass es in Chile als Rentner und Arbeitnehmer angesichts des Preisniveaus unglaublich schwierig sei. Seine Frau habe 40 Jahre als Lehrerein gearbeitet und erhält umgerechnet lediglich rund 450 Euro Rente. Er selber sei auch Lehrer gewesen, aber unter Pinochet verhaftet worden und habe letztlich Glück gehabt überhaupt am Leben geblieben zu sein. Er konnte danach nicht mehr als Lehrer arbeiten, sondern habe erst in einer Mine gearbeitet und dann so eine Art Maschinenbau studiert. Er habe dann besser verdiente, als seine Frau und daher eine etwas bessere Rente, aber auch nicht viel mehr. Ihrer beider Traum sei der Erwerb eines Wohnmobils gewesen für die Rentnerzeit. Ein solches kann jedoch der Ottonormalbürger in Chile nicht cash kaufen, sondern dass muss finanziert werden. Er habe nun ein ganz kleines und müsse nun für die monatlichen Raten weiter arbeiten an einigen Tagen als Busfahrer. Er guckte sich die Liesel auch von drinnen an und war begeistert. Wir hätten ein richtiges „Juwel“ versicherte er uns immer wieder. Solche Begegnungen und Gespräche sind für uns eine ganz wichtige Erfahrung auf der Reise. Landschaft ist auch toll, aber ohne den Bezug zu den Menschen dort, doch etwas künstlich.

Er empfahl uns zur Mole zu gehen und dort fangfrischen Fisch zu kaufen. Das taten wir und haben es echt richtig gemacht. Hier war es noch ganz ursprünglich. Lediglich ein, zwei Verkaufsstände mit soeben gefangenem Fisch. Am Unglaublichsten waren aber die Heerscharen von Pelikanen, die entsprechend der Seelöwen in Valdivia hier auf Futter warteten. Der Fischer filetierte seine Fische und die Pelikane waren die Nutznießer des „Restes“. Auch mir wurde ein Fischrest in die Hand gedrückt, damit ich die Pelikane füttern kann. Supi. Da ist doch ein Zoo nichts dagegen!! Ganz besonders stolz bin ich auf mein Bild „ drei auf einen Schlag“. Pelikan, Seelöwe und Möwe in einem gemütlichen Stelldichein.

 

Wir kauften eine Dorade in Riesenformat. Kinder, vergesst die Doraden beim Italiener!!! Unsere war über 2 Kilo schwer. Wir hatten zum Glück eine Dame gefunden, die auch „nur“ eine halbe Dorade wollte, so dass wir uns den Fisch teilen konnten. Vor unseren Augen wurde der Fisch filetiert und die Hälfte ergab 8 Fischfilets. Schwupps, rein in eine Plastiktüte und dann auf zum Strand. Wir schnappten uns unseren Cobb Grill und ich machte schnell noch einen Salat fertig. Das ist ja wohl sowas von gut. Frisch gegrillte Filets mit Salat auf der Strandmatte. Unbezahlbar. Und wirklich. Ein so frischer Fisch, direkt aus dem Meer, benötigt keinerlei Salz oder anderes. Er ist von ganz allein  genau richtig gesalzen. Da kann das Fischereihafenrestaurant weder in Qualität, noch im Ambiente mithalten. Den Rest der Filets haben wir dann zu Fischfrikadellen verarbeitet. Nur nichts umkommen lassen!

Weiter ging es an der Küste entlang nach Bahia Inglesa. Ein angesagter Badeort. Wir waren gespannt und blieben 2 Nächte. Nee, was war das schön. Wir kamen am Nachmittag an, die Bucht in warmes Licht getaucht. Und wir standen dort dann direkt auf dem Strand. Die erste Nacht ein Traum von rauschenden Wellen, die zweite Nacht ein Alptraum von wummernden Bässen. Ja, was soll ich sagen, ist doch klar, in Südamerika war wieder eines unserer geliebten Wochenenden. Die stellen sich aber auch an die Deutschen. Keinen Sinn für richtiges Feiern. Ohne infernalischen Krach, ist das eben nicht schön. Es gilt: je lauter, desto toller wohl das Fest. 

Etwas übermüdet brachen wir auf in den Nationalpark Pan de Azucar.  Die Fahrt durch die Atacamawüste ist auf Bildern wirklich nicht festzuhalten. Da fehlt es einfach an der Rundumsicht. Gleiches gilt auch für den Nationalpark, der mir das Fotografieren ohnehin schwer machte, da es ausgerechnet hier an der Küste total bedeckt war. Da kommt dann gar nichts aus den Bildern raus. Nur abends leuchtete die untergehende Sonne einmal durch die Wolken. Wunderschöne lange feinsandige Strände vor absolut kahlen Felsen.

Was uns allerdings richtig empört ist der Müll. Für uns unbegreiflich, wie die Leute ihre eigene tolle Natur dermaßen verschandeln können. Überall lag er am Straßenrand und sogar an den Stränden.

Da hinkt hier das Umweltbewußtsein noch erheblich hinterher. Aber offensichtlich stört es sie wirklich nicht, genau daneben auch noch zu zelten.

Auf dem Rückweg aus dem Nationalpark konnten wir dann auch mit eigenen Augen die verheerende Wirkung der Überschwemmungen Nordchiles im März 2015 sehen. Chanaral war eine der am schlimmsten betroffenen Ortschaften. Immer schwingt in diesen Bergbauregionen im Norden Chiles auch die Angst der Bevölkerung mit, dass kontaminierte Bergbauabfälle (Sie bestehen aus chemischen Abfällen, die für die Gewinnung von Mineralien benötigt werden) ausgeschwemmt werden und das Trinkwasser vergiften.

 

Umweltschutz steckt auch hier in Chile noch in den Kinderschuhen. Die Lobby der reichen Minenbesitzer ist offensichtlich enorm. Nur ein einziges Protestschild ( no contamine/ verseucht nicht ) haben wir bisher am Straßenrand entdecken können.Auch möchte ich an dieser Stelle einmal Behausungen zeigen, die für die ärme Bevölkerung völlig normal ist. Natürlich gibt es in Chile das Problem der Armut nicht in einem solchen Umfang, wie in Argentinien, aber existieren tut es real natürlich auch.

 

 

Ein kritischer Blick muss auch mal sein.

Weiter ging die wilde Fahrt Richtung Antofagasta. Nun hieß es wieder Ausschau nach einem geeigneten Übernachtungsplatz zu halten. Nix. Echt nichts zu finden. Also noch einmal intensiv die Ioverlander App durchforstet. Tja, also die einzige Möglichkeit wäre auf dem Parkplatz bei dem  Oberservatorium Cerro Paranal. Da haben offensichtlich andere Reisende übernachtet.

Erst mal im Reiseführer gucken, was denn überhaupt so ist. Und, sieh an. Dolles Ding das. Paranal spielt ganz oben in der Liga der Weltbesten Observatorien mit. Es besitzt ein VLT ( very large Telescope), das aus vier 8,2 m Teleskopen besteht und das wohl noch eine Zeit lang die leistungsstärkste optische Zusammenstellung der Welt sein wird.  Es wird betrieben von der Europäischen Südsternwarte, ist also ein internationales Projekt mit Wissenschaftlern aus aller Herren Länder. Das Beste aber ist, dass dieses Oberservatorium, ob seiner futuristischen Bauart,  die Kulisse bildete für den James—Bond-Film „ ein Quantum Trost“.

Na, da lohnt das angucken ja schon dafür. Im Reiseführer stand, das es die Möglichkeit der kostenlosen Führungen gäbe, aber leider nur Samstags und nach monatelang vorher erfolgter Anmeldung. Es dürfte dabei auch ein Blick n das unterirdische Hotel der Wissenschaftler werfen. Na, ja, Pech. Dann eben nur von außen gucken.

Die Anfahrt ging hoch und höher und endete bei 2.600 Metern vor dem Tor. Klitzekleiner Parkplatz direkt hier oben, ein größerer 100 Meter weiter unten. Aber hier oben war die Aussicht schöner. Also flugs gefragt, ob wir hier übernachten dürfen. Ein klares „No“ als Antwort kassiert. Nun, gut, dann verziehen wir uns eben auf den unteren großen Parkplatz. Frohgemut hingestellt, Weinchen eingekippt und Essen gemacht. Dann plötzlich Anfahrt eines Securitywagens. Ein blonder Hüne steigt aus und kommt auf die offene Wohnmobiltür zu. Sie sind Deutsche? Er wohl offensichtlich auch!!

Und in der Tat. Der Oldenburger lebt seit gut 6 Jahren in Chile und ist der Sicherheitschef des Observatoriums. Eigentlich sei es strikt verboten hier zu übernachten. Aber wenn wir nun nicht überall rumrennen würden, könnten wir bleiben. Wenn wir nicht zu müde wären, könnte er auch gerne mit uns in der Anlage rumfahren und uns alles zeigen! Was? Nein, wir sind topfit.

Und so bekamen wir unsere ganz private Führung an allen monatelang vorher angemeldeten Menschen vorbei.

Diese Teleskope sind beeindruckend groß. Da guckt man als Wissenschaftler auch nicht irgendwie „durch“. Nein, heutzutage sind das alles nur noch Computerarbeitsplätze, an denen die die gesendeten Daten der Teleskope ausgewertet werden.

Auch in das Hotel und den Sportbereich durften wir einen Blick werfen. Es leben immer 130 Menschen fest auf dem Gelände. Absolut unwirklich das Ganze. Die Kulisse großartig. Abends wird dann die Kuppel des Hotels komplett verdunkelt, damit keinerlei Lichtstrahl die Wissenschaft stört.

Also totale Finsterniss, unendlich viel Sterne am stockfinsteren Wüstenhimmel und absolute Stille.

Martin, hörst Du was?

Nee, Du? Nein, ich auch nicht.

Das war wirklich unheimlich!

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Pietz aus Niebüll (Sonntag, 17 Januar 2016 12:09)

    Am `Flens´-Angebot sieht man, wie klein die Welt und wie globalisiert deren Wirtschaft ist.
    Liebe Grüße aus dem winterlichen Norddeutschland ins sommerliche Südamerika!
    Euer Pietz

  • #2

    Edel (Sonntag, 17 Januar 2016 17:24)

    Liebe Andrea, lieber Martin, Ihr habt Euch wieder einmal selbst übertroffen. Ein grandioser Bericht und wunderschöne Aufnahmen. Vielen Dank.
    Liebe Grüße aus dem leichtverschneiten und kalten Hamburg - brrrrrr
    Edel & Wolfgang