Der erste hohe Andenpass

Wir feierten Weihnachten ganz ruhig und besinnlich und dann kam der erste höhere Pass über die Anden dran.

Unser erstes Weihnachten „fern der Heimat“ war dann doch weniger gruselig, als ich befürchtet. Sehr geholfen haben uns die vielen guten Wünsche per WhatsApp und Email  von Freunden und Bekannten und die Telefonate mit der Familie. Dafür allen herzlichen Dank!

All das war uns möglich durch die geschickte Auswahl unseres privaten Campingplatzes. Da muss man eben ein Fuchs sein. Wir hatten nicht nur super Internetempfang, sondern wie gesagt auch Strand, Ruhe und tolle Umgebung.

Heiligabend ließen wir langsam angehen. Wir unternahmen einen langen Spaziergang am Strand, bei dem wir alles Mögliche an Getier fanden. Auf der kleinen vorgelagerten Insel leben nicht nur Pinguine, sondern auch eine Riesenanzahl an Pelikanen, bei deren Anflugmanövern aufs Wasser wir jedes Mal wieder lachen mussten. Sieht zu komisch aus, wenn sie ihre Füße weit vorstrecken und dann mit so einer kleinen Drehung ins Wasser platschen. Auch der Anlauf zum Start ist wesentlich länger als bei anderen Wasservögel.

 

Martin nahm sogar noch ein Weihnachtsbad im Pazifik. Nee, also alles  muss man ja auch nicht zusammen machen. Zum Sonnenuntergang setzen wir uns dann mit einem schönen Wein noch einmal an den Strand und stießen auf Weihnachten an. Schöne Stimmung!

Das Rinderfilet vom Cobb Grill und der Kartoffelsalat waren uns ein tröstliches Weihnachtsessen.

 

Auch wenn es wirklich nichts zu meckern gibt an unserem Weihnachten in Chile, so sind wir offensichtlich doch beide sehr Familientreu und hätten uns Weihnachten gerne für einige Stunden zur Familie gebeamt.

 

Am 25.12. erklärten wir das Ende unserer Faulenzerwoche und machten uns auf den Weg nach Mendoza. Argentinien wir kommen! Und zwar über den ersten Andenpass, der ein wenig höher ist. 3.200 Meter um genau zu sein. Schau ‘n wir mal, wie das klappt.

Auf der chilenischen Seite ging es rasant schnell nach oben. So schnell, dass Liesel zu streiken drohte. Hing null am Gas. Komisch, sowas hatte sie doch noch nie. Auch nicht in den Pyrenäen.

 

Anhalten, gucken. Oha. Was ist das? Läuft da dickflüssiges Öl? Nein. Das war die geschmolzene Schmiere zur Rostverhinderung. Es waren nämlich inzwischen puschelige 30 Grad. Das ist nix für Liesel. So heiß und dann schnell hoch. Da will sie ein anderes Tempo. Und siehe da, man sollte auf sein Fahrzeug hören. Liesel wollte nur 20 km/h, aber das dafür fröhlich und egal wie steil. Und steil war es. Und Serpentinen können die Chilenen doch.

Zack über die Grenze oben auf dem Pass. Zoll und Passkontrolle waren aber mal wieder erst km weit entfernt. In Sicht immer der höchste Berg Südamerikas, der Aconcagua.

 

Die argentinische Seite war dann einfach unglaublich! Beeindruckende Fels – und Farbvariationen. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Und das, obwohl wir wirklich nicht als „Bergfreunde“ bezeichnet werden können. Mir war aber auch das Fotografenglück hold. Mildes Nachmittagslicht und Sonne.

Und dann kommt ganz plötzlich nach all den Felsen erst einmal die Ödnis. Dieser folgt dann oasengleich ein grünes Tal mit Weinstöcken soweit das Äuglein blicken kann. Da kommt er also  von weg der argentinische Weintraubensaft. Mendoza naht.

 

Im Reisefüher stand, dass in Mendoza quasi auf jeden Einwohner ein Baum käme. Aha, toll. Aber was das bedeutet merkten wir ruckizucki beim Aussteigen. Hot hier. 38 Grad im Schatten. Ohne Bäume ein Alptraum. Aber so? Wirklich alle Straßenränder dicht an dicht mit Bäumen bepflanzt, die durch ein Bewässerungssystem am Leben erhalten werden. Dadurch ist es wunderbar dort auszuhalten. Eine heitere Stadt mit einer Unzahl an Cafés und Restaurants unter schattigen Bäumen. Daneben hat Mendoza dann noch einen Riesenpark. Wirklich riesig. Hier wird gesportelt was das Zeug hält. Wir hatten Liesel dort abgestellt und kamen uns auf dem Weg zur Stadt ganz merkwürdig vor in unserer Straßenkleidung. Vielleicht tragen die hier alle ausschließlich Sportkleidung??

Ein Stellplatz in Mendoza war dann aber schwierig zu finden. Da es Samstag war, schlossen alle Läden bereits am frühen Nachmittag. Das Wochenende  ist ihnen heilig den Argentiniern! In so einen „zuen“ Stadt ist es ja bekanntlich auch nicht so toll, also entschlossen wir uns Kurs auf San Juan zu nehmen. Ödnis und Hitze pur auf dem Weg.

Kurz vor Ziel verbrachten wir dann bei mittlerweile fast 40 Grad die grausamste Nacht unserer Tour auf einer Tankstelle. Man darf nie, niemals am Wochende Abends Zeit in bewohntem Gebiet verbringen. Böse, ganz böse. Sie lieben es laut. Alles. Motoren, Gerede und vor allem Musik.

Und wenn es so heiß ist, dann bis morgens um 8:00. Durchgehend. Ihr müsst Euch also vorstellen ihr steht auf so einer Tankstelle bei 40 Grad im Schatten. Kein Lüftchen rührt sich. Liesel schmilzt so langsam. Wir mit. Und dann. Martin riechst Du das, die grillen hier auf der Tankstelle. Ich schwitze so. Boah, ich würg die gleich und trample auf dem Musikgerät rum. Die sind ja so dämlich. Haben die kein Zuhause….. Und so weiter und so weiter. Wir trieften also vor uns hin. Und dann kam etwas Wind auf. Es blitze und donnerte. Aber nischt. Fertig. Kein Regen, keine Abkühlung. Also durchgeschwitz bis zum nächsten Morgen und dann mit Todesverachtung diesen ätzenden Ort verlassen.

Kaum war man (kalt natürlich) geduscht und angezogen, war man wieder verschwitzt. Nur beim Fahren war es angenehm. Da wurde die heiße Luft wenigstens verwirbelt. Wir wollten nun zum Valle de la Luna, einer bizarren Erosionslandschaft. Hier wurden die ältesten Saurierskelette der Welt gefunden. In einem Teil des Gebietes muss Eintritt gezahlt werden, dafür gibt es eine Rundtour von 2-3 Stunden zu verschiedenen Plätzen und besonderen Steinformationen. In San Juan in der Haupttouristeninfo des Distriktes wurde uns versichert, dass diese Rundtouren zwar grundsätzlich mit eigenen Autos in Gruppen mit Führer gefahren werden, es gäbe aber auch vor Ort Tour Busse. Man muss nämlich wissen, dass das Ripio im Park ganz schlecht ist. Also nix für Liesel. Tja, und dann beschied uns der Mensch an der Kasse, dass es so Tour Busse dort gar nicht gäbe.

Wie bitte? Wir hören wohl nicht recht. Aber wir könnten ja mal andere Touristen fragen, ob die uns in ihrem Auto mitnehmen würden….Ja, genau. Bitte, bitte laßt uns ein, Fremde in Euren Privatwagen.

Nee, dann eben nur auf die Aussichtsplattform und hier bemerkt, dass es eigentlich eher wenig zu sehen gab. Nämlich genau 5 Haltepunkte auf dem Kurs, die dann auch noch alle bebildert waren auf dem Plakat. Ok. Gesehen.

 

Die neu geteerte Straße Ruta 150 ist Ende letzten Jahres fertig gestellt worden und läuft ohnehin quer durch den Nationalpark außerhalb des „Bezahlgebietes“.  Das musste reichen. Und das tat es. Wir waren sprachlos über diese Welt aus Felsen, Sandstein, Farben und Formen. 

Es hörte gar nicht auf. Auf dem weiteren Weg über die Ruta 491 durch die steile Cuesta de Huaco und weiter zum Stausee Dique Cuesta del Viento.

Was für unglaubliche Eindrücke, was für eine unwirtliche, unerbittliche, aber wunderschöne Natur. Wir sind begeistert. Gleichwohl stellen wir uns immer wieder dieselbe Frage, wovon leben die Menschen, die sich hier in der einsamsten aller Gegenden angesiedelt haben. In teilweise erbärmlichen Unterkünften. Jedenfalls nach unserem Standard. Woher bekommen sie Nahrung und Kleidung?

Unser nächster Weg führt uns dann über den höchsten Pass der Anden mit 4.765 Metern zurück nach Chile. Wir werden berichten, ob wir das geschafft haben. Ein Risiko werden wir nicht eingehen, wenn einer von uns dreien die Höhe nicht schafft, drehen wir um.

 

Bis dahin!

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Kommentare: 2
  • #1

    Pietz aus Niebüll (Mittwoch, 30 Dezember 2015 18:20)

    Vielen Dank für die Übermittling Eurer gigantischen Eindrücke.
    Wir wünschen eine glückliche Passüberquerung und einen guten Rutsch ins neue Reisejahr!

  • #2

    Edel (Freitag, 01 Januar 2016 15:12)

    Prost Neujahr und ein glückliches und gesundes 2016
    Auch von uns vielen Dank für diese wundervollen Eindrücke einer wirklich beeindruckenden Landschaft - für uns natürlich Meer und Tier.
    Viel Glück für die nächste Passüberquerung.
    Liebe Grüße Edel & Wolfgang