Cachagua

Man muss auch gönne könne....

Aber erst einmal nach Santiago de Chile. Unser Weg führte über einen Stellplatz in einem winzigen Nest namens Cobquecura.

Im Reiseführer wurde hier die Iglesia de Piedra (steinerne Kirche) lobend erwähnt. Ein Monolith mit riesigen Kavernen, die sich zum Meer hin öffnen. Die präkolumbischen Einwohner heilten hier rituelle Versammlungen ab, heute steht hier eine kleine Figur der Jungfrau Maria.

 

Und Tatsache wirklich beeindruckend. Ich war an einem Morgen noch einmal allein mit meiner Kamera in den Kavernen. Und was soll ich sagen. Bangbüx Andrea hat sich nicht mal ganz rein getraut. Da ging es so unheimlich um die Ecken in die hinteren Höhlen. Was, wenn noch was von den Riten (was auch immer das waren) zurückgeblieben ist? 

Aber besonders prima war, dass wir uns dort mit Lothar und Martina noch einmal verabredet haben. Ganz spontan fanden wir heraus, dass wir nur ca. 150 km voneinander entfernt waren. Da die beiden in Richtung Süden unterwegs waren, blieben wir einen Tag länger und warteten auf sie. Lothar hatte auch noch Geburtstag. Also gab es Abends ein lecker Freßchen. Der kann kochen der Lothar!!!!

Von den beiden erfuhren wir auch, dass wir in Santiago auf gar keinen Fall den „ Jumbo“ in der Riesenmall Costanera verpassen dürfen. Kinder, GEWÜRZGURKEN, SCHWARZBROT, ROTKOHL, SAUERKRAUT aus Alemania!!!!! Man wird ja so dankbar für ein Schwarzbrot mit Leberwurst und Gewürzgurke. Obwohl die hier nach „deutscher Art“ gemachte Lebenwurst zwar sehr teuer ist, mich aber sehr an die billigste Variante beim Aldi erinnert, die immer unsere Hunde bekommen hatten! Wurscht. Schmeckt.

Dann also mal auf nach Santiago. Erste Anlaufstelle Mercedes Benz. Davon gibt es in dem riesigen Santiago gleich 4 Filialen. Wir sollten in die Hauptstelle. Da wir ein wenig erschreckt waren angesichts des dortigen Verkehrs waren wir ganz schlau. Wir übernachteten kurz vor Santiago auf einer Copec Tankstelle und fuhren dann bereits um 5 Uhr morgens los. Perfekt. Wir waren dann um 6:15 vor dem Gelände. Und erfreulicherweise ließ uns der Wachmann hinein. Hier frühstückten wir erst einmal und dann um 8 Uhr Auftritt bei den Herren der Werkstatt. Wir hatten Glück. Oscar Avalos nahm sich unserer an. Auswuchten, Spur einstellen, Ölwechsel, hintere Räder nach vorne und umgekehrt, Bremsen prüfen, Motorhaube wieder richten und neu befestigen, Beleuchtung an zwei Stellen ersetzen und Generalcheck. Das war nach 17.000 km und davon ca. 1500 km Ripio notwendig. Besonders die Motorhaube nervte mit dem ewigen Geklapper. Veranschlagte Zeit 2 Tage. Perfekt. Ich buchte spontan über das Internet ein kleines Appartement in guter Lage und los ging es. Da das von Oskar bestellte Taxi nicht kam, schlug ich ihm vor, dass wir doch einfach mit der Metro fahren können, die gleich um die Ecke lag. Fand Oskar auch und bestellte das Bummelantentaxi wieder ab. Er verließ seinen Schreibtisch und sagte wir sollen ihm folgen. Wir dachten er zeigt uns nun vor der Tür den Weg, aber nein. Er ging mit uns bis zur Metro und ließ uns dann auch noch mit seiner Metrokarte durch die Schranke. Was ein Service.

Santiago gefiel uns super gut. Nette Atmosphäre. Sehr sauber. Ausgesprochen europäisch. Besonders die größte Mall, die ich je gesehen habe, war super. Die mit dem Jumbo! Futuristischer Wolkenkratzer mit allem, was es gibt. Neben Nobelmarken natürlich auch Esprit, Hilfiger, Zara, H&M und wie sie alle heißen.

 

Wir holten also Liesel ab und mussten dann aber doch noch eine Nacht auf dem Gelände schlafen, da sich nach Abflug der schon Überstunden schiebenden Mechaniker herausstellte, dass die Blinker in einem Schnelltakt blinkten, als hätten sie Herzrasen. Das war am Morgen flugs erledigt und los gings. Für das, was da bei MB alles gemacht wurde, fanden wir übrigens den Preis nicht teuer. Wesentlich billiger als bei uns daheim! Die Liesel schnurrt jetzt nur so.

Nun mussten wir uns langsam mal Gedanken machen, wo wir eigentlich Weihnachten sein wollen. Nicht so einfach, wenn man alles nicht kennt. Wir entschlossen uns an die Küste zu fahren in Höhe von Valparaiso. Hier hielten wir aber ebensowenig, wie im daneben gelegenen Vina del Mar. Nee, also zugebaute Küste und Wolkenkratzer waren nicht so nach unserem Begehr, zumal es hier nach Berichten von Overlandern wohl kaum Stellplatzmöglichkeiten geben sollte.

Also ein Stück die Küste hoch nach Norden. Hindurch durch kleine Örtchen und über ein Stück nagelneuer, noch unbemalter Straße.

Offensichtlich bei Reisenden ein total unbekanntes Gebiet, denn hier war nicht ein einziger Übernachtungsplatz weit und breit in der App von Ioverlander eingetragen. Nada. Nix. Gibt auch kein Camping.

Nicht verzagen, Bauchgefühl fragen, war unser Motto. Da muss es doch was geben. Und ja. Gibt was. Und so toll, dass wir es nicht glauben konnten. Cachagua.

Ein Traum von Bucht. Bebaut mit den Villen der Reichen und Schönen. Wir wurden von der Security an der Bucht scheel beäugt. Nein, Campen ist hier verboten.

Aber die Bewohner sahen das anders. Einer von ihnen, der perfekt deutsch sprach, ist doch tatsächlich höchst selbst bei der Security angetreten und hat denen wohl verklickert, dass wir willkommen seien. Ein weiterer bat gar Wasser und Badbenutzung an. Ob es das wohl am Blankeneser Elbhang auch geben würde??

 

Hier war alles superrelaxt und wunderschön gepflegt. Darüber hinaus haben sie hier einen spektakulären Weg über die Felsen am Wasser bis nach Zapillar angelegt. Wir waren so begeistert, dass wir uns entschlossen haben erstmalig eine ganze Woche an einem Ort zu bleiben und hier den 24.12. zu verbringen. Gute Wahl meinen wir.

Und das meine ich mit „ man muss auch gönne könne“:

Und nun werdet Ihr auch alle verstehen, dass wir so gar kein Weihnachtsgefühl entwickeln können. Aber es ist mir wie gesagt auch mehr als recht so. In dunklen, kälteren Gefilden würde ich es wahrscheinlich vor Heimweh und Sehnsucht nach der Familie nicht aushalten. Also schätzt es wert, was Ihr alle so an Familie habt.

 

 

Wir wünschen Euch allen vom anderen Ende der Welt eine gesegnete Weihnacht.

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Kommentare: 2
  • #1

    V. Christ (Donnerstag, 24 Dezember 2015 11:43)

    Trotz alledem frohe Weihnachten und alles Gute fürs Kommende von V. Christ!

  • #2

    Jogi R. (Freitag, 25 Dezember 2015 13:42)

    Feliz Navidad, próspero año y felicidad!
    Frohe Weihnachten und kommt gut ins neue Jahr!
    Und vielen Dank für die herrlichen Berichte!
    Weiter gutes Reisen!
    Jogi