Seen und gesehen werden

Was eine Menge an Seen. Dass es so viele auf einem Haufen gibt, hatten wir nicht für möglich gehalten.

Der argentinische Reiseführer versprach sieben Seen rund um Bariloche. Der chilenische auf der anderen Seite der Anden ebenfalls ein Seengebiet.

Wir waren gespannt. Unser Ziel hieß also erst einmal Bariloche. Der „Inort“ in Argentinien. Im Sommer wandern, angeln und schwimmen, im Winter bekanntester Skiort Argentiniens. Also Seen und Berge in enger Verbindung. Mal gucken, was der Flachlandtiroler damit anfangen kann.

Nee, ist das schön. Guck mal, Martin, das gibt es doch gar nicht. Wie aus dem Bilderbuch.  Wirklich. Man liest da so vor sich hin im Reiseführer, aber so richtig rüberbringen kann einem das geschriebene Wort den Anblick nicht. Wir haben uns bemüht den Gesamteindruck irgendwie auf das Bild zu bannen und sind dafür mit dem Sessellift auf einen Mirador gefahren.  Guckt mal selber, so was schon mal gesehen?

Das sah immer so aus wie Fotomontagen, ist aber wirklich echt.

Der freundliche Führer des Reisenden empfahl sodann eine Wanderung auf den Cerro Lopez. „ ..führt ein markierter Wanderweg zum Refugio Lopez. Der Aufstieg durch die Wälder ist sehr abwechslungsreich und in 2-3 Stunden zu schaffen“

Tja, wenn man eine Bergziege ist, mag das stimmen. „Wanderweg“. Da hat jeder die schönen deutschen Wanderwege vor Augen. Hatten wir auch. Aber nicht so der Argentinier. Hier gab es nicht nur keine Serpentinien, nein, hier gabs Geröll, Felsen, Steine und steile Aufstiege. Die Markierungen waren lustige rote Farbklekse auf irgendwelchen Steinen. Aber die Aussicht – ein Traum.

Wir haben für die Hälfte der Strecke bereits fast 2 Stunden benötigt. Da unsere Trinkvorräte bereits auf der MIttelstation v erbraucht waren kehrten wir um und  „rutschten“, mühsam durch unsere Stöcker gehalten durch das Geröll wieder zurück.

Ich glaube nun fest daran, dass manche Autoren einfach irgendwo abschreiben. Der Typ hat die Tour jedenfalls nicht selbst unternommen. Auf dem Orientierungsschild vor Beginn der Wanderung war die Zeitdauer auch mit 6!!! Stunden bis zum Refugio angegeben.

Danach war erst einmal Erholung nötig. Also ab an einen tollen Kiesstrand an einen der Seen, Stühle raus und lesen, was das Zeug hält.

Nachdem wir die erste Nacht direkt in Bariloche auf einem abgeschlossenen Parkplatz verbracht hatten, brauchten wir wieder Natur und suchten uns ein ruhiges Plätzchen an einem Wald mit wundersamen Riesenbäumen. Es gab hier einen kurzen Weg an einen kleinen See mit einer Plattform zum gucken. Martin wollte hier am nächsten Morgen ins Wasser. Oha. Kalte Angelegenheit. Aber was muss, das muss. Am nächsten Morgen Handtuch geschnappt und los. Hm, und wie bitte willst Du da wieder raus kommen? Die Plattform in den See ist hoch und ohne Stufen. An den Seerand kam man nicht wegen eines dichten Schilfgürtels. Gab es da nicht mal so einen Film, wo alle ertrunken sind, weil sie nicht mehr ins Boot kamen? Martin sprang trotzdem. Kam hoch und war kurz vor dem Gefrierbrand. Also raus aus dem Eiswasser. Klettern war ja nun eine einfache Übung. Martin hangelte sich an der Konstruktion der Plattform hoch. Aber war erfrischend. Sagt er.

Nachdem wir am schönsten Hotel ( mitten in einem Golfplatz!) in Llao Llao ( kleiner Ort bei Bariloche) vorbeigefahren sind, ging es weiter auf die Route „ Siete Lagos“ ( sieben Seen). Ein Träumchen. Kann man leider nicht auf Bildern darstellen. Eine ca. 100 km lange Tour durch die Bergwelt mit immer neuen Seen. An einem dieser Seen gab es „Camping libre“. Also die Erlaubnis zu zelten oder mit dem Wohnmobil zu stehen, aber eben ohne Strom oder Toiletten. Für uns ja immer ideal, da super gelegen. Die jungen Männer warteten offensichtlich auf Abholung, also so eine Art Damenwahl. Ich befürchte allerdings, dass die recht lange stehen müssen.

 

Wir machten uns dann auf über Antofagasta nach Chile. Auch das dortige Seengebiet soll super schön sein. 

Tja, irgendwie war unsere Planung falsch. Wir benötigten für den Grenzübertritt fast 4 Stunden. In Südamerika feiert man Maria Empfängnis als Feiertag. Das war ein Dienstag. In Argentinien hatte Frau Kirchner früher mal wieder eines ihrer beliebten „Geschenke“ an die Bevölkerung offeriert und kurzerhand erklärt, dass in einem solchen Fall auch der Montag arbeitsfrei sei. Also, offensichtlich zog es nun an diesem Wochenende alle Argentinier nach Chile- zum shoppen? Elektronikartikel sind dort wesentlich günstiger.

Aber auch hier wieder die südamerikanische Gelassenheit.

Und dann empfing uns Chiles Seengebiet. Im Reiseführer wurde beschrieben, dass diese Gegend sehr „deutsch“ sei. Überall Zeugnis davon, teilweise 70% Ursprungsdeutsche.

Und das stimmt. Es ist gar kein Wunder, dass die Deutschen sich in diesem Gebiet „wie zu Hause“ fühlten. Hätte man nicht gewusst, dass wir tatsächlich in Chile sind, hätten auch wir gedacht, wir seien in der holsteinischen Schweiz. Sanft gewelltes Land, Milchwirtschaft, Flora exakt wie bei uns. Und wieder alles voller prächtiger Seen.  Nur, dass die Chilenen ihre Gegend noch mit kleidsamen Vulkanen dekoriert haben. In den Orten eine Vielzahl erhaltener alter Gebäude der Deutschen, unzählige deutsche Namen auch noch heute und überall gibt es „Kuchen“. Tatsache.

In Puerto Octay ( auch von Deutschen gegründet) besuchten wir das kleine örtliche Museum. Und was fanden wir auf einem Foto der alten Musikkapelle des Ortes? A.H. ist gar nicht verstorben. Der hatte sich auch nach Chile abgesetzt und ist dort als Bläser untergetaucht.

Besonders angetan hat es uns aber das Örtchen Frutillar am Lago Llanquihue.  Schöne Mole, langestreckter Strand, charmante deutsche Architektur und „Kuchen“ in Hülle und Fülle. Und dann, in diesem kleinsten Örtchen, deren eigene „ Elbphilharmonie“, nur hübscher ( natürlicher). Und fertig! Das Teatro del Lago Sur. Nach 12 Jahren Bauzeit öffnete diese 25 US Millionen teure Zentrum für darstellende Künste und soll Frutillar damit auf einen Schlag in die globale Kunstszene katapultiert haben. Topmoderner Konzertsaal mit fast 1200 Plätzen, eine Art Amphitheater an der Spitze des Gebäudes mit direktem Blick auf den Vulkan Osorno, Terrassen und Gastronomie. Das ganze Gebäude in Gänze mit Holz verkleidet, wohl eine Adaption der Holzschindelhäuser. Toll. Und dann lag da plötzlich vor einem Gartentor der erste Rauhhaardackel, den wir in Südamerika gesehen haben. Original wie unsere Paula!

Nächstes Ziel war dann Valdivia, eine Studentenstadt, die quasi zweigeteilt ist mit einer vorgelagerten Insel, die über eine Brücke erreichbar ist. Die große Universität ist mit allem „Pipapo“ auf der Insel. Sportplätze, Grünanlagen und Gebäude vom Feinsten. Gegenüber eine riesige deutsche Schule. Schon merkwürdig wenn alle Kinder mit Sweatshirts an einem vorbeilaufen auf denen die deutsche Flagge hübsch groß abgebildet ist.

Höhepunkt für uns war aber der Fischmarkt. Warum? Nicht, weil er so schön roch, sondern wegen der sich dort angesiedelten Seelöwen. Diese werden von den Händlern mit den Fischabfällen gefüttert. Wir sind extra gleich morgens um 7:00 vor Ort gewesen, um möglichst ungestört von anderen Touristen nahe heranzukommen. Uns war vorher überhaupt nicht bewusst, wie unterschiedlich diese Tiere aussehen. Wirklich, völlig verschiedene Gesichter. Und beweglich sind sie. Der erste den wir sahen schwang sich doch tatsächlich über die Brüstung in ein Ausflugsboot und hockte dann da im Mittelgang etwas planlos herum.

Die anderen schnarchten gemütlich vor sich hin oder waren im Fresseifer. Mir persönlich gefällt von den 4 schlafenden Robben auf der Plattform der ganz rechte am besten. So ein niedlicher Kopf. Und der Verfressene schielt.

Aber imposant waren sie alle. Durch Zufall bekam ich dann noch einen Pelikan vor die Kamera. Auf dem ersten Bild seht ihr, wie er den Fischkopf im Schnabel aufgefangen hat, auf dem zweiten, wie das ganze Teil durch den engen Schlund rutscht.

Wir waren begeistert.

Und dann ging es in eine der Termas, die hier wegen der Vulkane reichhaltig vorhanden sind. Wir waren bei strahlendem Sonnenschein in den Termas Los Pozones bei Pucon. In sechs Natursteinbecken befindet sich heißes Thermalwasser zwischen 45 und 32 Grad nebst einem Kaltbecken von 22 Grad. Alles eingebettet in wunderschöner grüner Bergwelt, direkt neben einem Gebirgsfluss. Träumchen das.

Ich finde es ist nun auch einmal an der Zeit zu demonstrieren, was alles so kulinarisch in einem Wohnmobil möglich ist. Über selbstgebackenes "Topfbrot", Antipasti und Brathuhn aus unserem Cobb Grill. Alles ist möglich. Aber ehrlich? Echt ätzend mit der Abwasch danach, wenn man nur kaltes Wasser hat!

Wir werden jetzt wohl erst einmal schnurstracks nach Santiago de Chile fahren. Liesel benötigt neue Dämpfungsgummis an den Federaufnahmen. Auch die Motorhaube muss wohl neu befestigt werden. Es quietscht und klappert. Das Ripio geht an keinem Fahrzeug spurlos vorüber. In Santiago ist der Hauptsitz von Mercedes Benz und dort soll es alle Teile vorrätig geben.

Wir wollen das noch rechtzeitig vor den Feiertagen erledigen und werden dann wohl noch einmal ein Stückchen südwärts an die Küste fahren.

Weihnachtstimmung haben wir hier so gar keine. Bei frühsommerlichen Temperaturen aber auch schwierig zu entwickeln. Vielleicht ist es aber auch besser so. Ich denke wir werden Heiligabend doch die Familie heftig vermissen.

Bis zum nächsten Mal!

Sollten wir vorher keine Gelegenheit mehr haben zu schreiben, wünschen wir Euch allen bereits an dieser Stelle ein wunderschönes Weihnachtsfest.

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Kommentare: 2
  • #1

    V. Christ (Sonntag, 13 Dezember 2015 16:18)

    Die gezeigte Landschaft ist wirklich atemberaubend! Schöne Bilder..herzliche Grüße und weiterhin alles Gute von V. Christ

  • #2

    Edel (Sonntag, 13 Dezember 2015 17:15)

    Hallo Ihr Lieben, wir wünschen Euch einen schönen 3.Advent. Der Bericht und die Fotos waren wieder wunderschön. Das erste Foto mit den Bergen und den Seen wird mein neues Hintergrundbild im Büro. Bleibt gesund - die Liesel natürlich auch - liebe Grüße Edel und Wolfgang