Berge und Gletscher

Wir setzten ohne Probleme mit der Fähre von Feuerland über in den chilenischen Teil Patagoniens auf dem Festland.

Erstes Ziel war der Nationalpark Torres del Paine (Türme von Paine), der von manchen als der Schönste in Südamerika bezeichnet wird. Wir waren gespannt und wurden nicht enttäuscht.

Der Park umfasst 242.000 Hektar atemberaubender Landschaft.  Der Reiseführer versicherte uns, dass die südliche Zufahrt die weitaus schönere Anfahrtstrecke sei. Leider Schotterpiste, aber wir wagten es gleichwohl. Und, ja, schon die Anfahrt in den Nationalpark war wirklich grandios.

Was uns immer wieder begeistert sind die Wolken in Patagonien. Warum diese so schön aussehen und irgendwie viel tiefer hängen als bei uns in Deutschland, konnte mir noch keiner erklären. Aber hier erst einmal einige Bilder von unserer Fahrt

Im Park selber gibt es einen Campingplatz. Zwar wunderschön gelegen, aber für uns unnötig, da wir lieber frei stehen, soweit dies möglich ist. Im Nationalpark ist das ganz problemlos. Immer wieder unterschätzen wir Entfernungen und Straßenzustand. Wie Ihr oben schon gesehen habt, liebt man hier in Südamerika offensichtlich die Schotterpisten und das Ripio. Für unsere Liesel eine echte Zumutung. Um das Rütteln, Schwanken und den Zerfall der Einbaumöbel in Grenzen zu halten, bleibt uns oft nichts anderes übrig, als mit 20 km/h über die „ Straße“ zu zuckeln. Von einem Loch ins nächste. Da kommen einem plötzlich auch 20 km ungeahnt weit vor.  Insofern war das freie Übernachten gerade da, wo man wandern wollte ohnehin besser für uns, als immer wieder an einen Campingplatz zurückfahren zu müssen.

Auf den Bildern könnt ihr gleich auch einen solchen Schlafplatz sehen.  Von diesem Platz aus führt eine Wanderung direkt an die Torres heran, nur getrennt durch einen Gletschersee. Da wir ja direkt dort schliefen, konnten wir auch ganz früh, so gegen 7:00 aufbrechen, bevor die immer allgegenwärtigen Touristenbusse ihre Fracht auskippen. Es war (sehr ungewöhnlich in Patagonien) völlig windstill. Nichts, kein Hauch. Dementsprechend lagen die Seen auch spiegelglatt vor uns. Das freut die Andrea. Da kann sie immer so schöne Spiegelbilder aufnehmen. Nicht das ihr denkt die seien irgendwie mit einem Fotobearbeitungsprogramm hergestellt. Nee,nee, alles Originale. 

Eine weitere Wanderung sollte uns dann zum Mirador Condor führen. Mirador, Condor? Das hörte sich nicht nur hoch an, das war es auch. Zum Glück hatten wir uns in Ushuaia nun doch auch solche Papiersammelsticks gekauft. Ich ging ja erst einmal ein bisschen verschämt mit den Stöckern los. Da die Chilenen aber offensichtlich keine Serpentinen kennen, kam man mit den Dingern den Berg doch besser hoch. Oben angekommen sag ich noch „ so, und wo sind nun die Viecher“? Da kam einer angesegelt. Ein Condor. Juhu. Sehr majestätisch. Meine Kamera hat sich redlich bemüht. 

Auf dem Rückweg hat Martin mich dann zu einem „Spaßfoto“ verpflichtet. Schönen Dank auch, was man auf dem Foto nicht sieht, ist die steil abfallende Seite hinter mir. Martin ist aber überzeugt, das das Bild prima für die Kanzlei geeignet sei :“wir rollen Ihre Probleme weg“.

Wir verabschiedeten uns vom Nationalpark um den nächsten anzusteuern. Ab jetzt werden wir immer zwischen Chile und Argentinien hin und her kreuzen. Viele sehenswerten Nationalparks, Städte und Seen liegen auf beiden Seiten der Kordilleren verstreut. Hoffentlich stempeln die Zöllner immer schön eng beieinander, damit unser Reisepass noch ausreichend Platz behält.

Wir überquerten also wieder einmal die Grenze und fuhren in Argentinien zum Nationalpark Los Glaciares zum berühmten Gletscher Perito Moreno. Hier erstreckt sich die, abgesehen von den Polregionen, größte zusammenhängende Eismasse der Erde. 22.000 qkm, von denen der Perito Moreno besucht werden kann.

Eine Gletscherzunge, die sich 50 Meter hoch und 4 km breit aus dem Lago Argentino erhebt. Er gehört zu den weltweit wenigen „wachsenden“ Gletschern.

Wir hatten hier an diesem Tag zwar das erste mal Pech mit bedecktem Himmel, aber er war gigantisch. Was für eine Masse Eis. Die Vögel, wohl so eine Arte Spechte, haben sich beim Gletscher  wunderbar fotogen vor meiner Kamera aufgebaut.

In Calafate hatten wir uns auch mit Thomas und Karin zu einem Treffen verabredet. Die beiden hatten wir gleich zu Beginn in Uruguay kennen gelernt und dann ja auch einige Tage in Brasilien am Iguazu Wasserfall gemeinsam verbracht. Die beiden sind dann aber eine völlig andere Tour gefahren, nämlich über Bolivien vom Norden Chiles in den Süden. Hier kreuzten sich dann unsere Touren. Die Anfahrt auf den vereinbarten Campingplatz war etwas "eng", aber machbar. Schön wars.

Na, wer hat die Tiere der letzten beiden Fotos erkannt?? Ein Stinktier auf der Flucht, daher nur von hinten und ein unscharfer Ibis. Aber immerhin, nicht?

Weiter geht die wilde Fahrt. Erst einmal über die Ruta 40, der längsten Straße der Welt. Eine Strecke soweit wie von Portugal bis zum Ural. Die „ Cuarenta“ ist das Rückgrat Argentiniens, knapp 5000 km, davon hübsche 2.300 km Schotter, Sand und Geröll. Aber dies mit abnehmender Tendenz. Die Argentinier rüsten auf. Asphalt soll drauf. Gelingt aber nur Stückchenweise. Die ersten 150 km ab Calafate jedenfalls noch nicht. Alptraumhaft. Das Nichts. Und nichts heißt nichts. Nicht mal Bäume, nur Pampa. Und Zeit zum begucken hat man dann ja bei 20km/h auch. Wir trafen auf der Strecke genau 5 Autos.  Selbstverständlich auf diesem Stück Ödnis ist ein herzliches Sozialverhalten. Jeder winkt wie bescheuert, wenn er einmal ein Auto sieht. Fehlt nur noch, dass man aussteigt und sich glücklich in die Arme schließt.

Hier mal ein kleiner Eindruck:

Und, kann sich jemand vorstellen hier hunderte Kilometer per Fahrrad durchzufahren? Wir auch nicht. Haben aber tatsächlich 3 Radler gesehen! Und nicht nur das. Überholt haben wir auch noch einen Irren, der mit „Handwagen“ unterwegs war und einen „Jogger“ mit Begleitwagen, der die gesamte Ruta 40 laufen will. Was die wohl zu büßen haben? Den Radler konnte ich fotografieren, als Beweis. Auch ein Haus in absoluter Alleinlage haben wir gefunden. „Alleinlage“ bekommt da einen ganz anderen Charakter.

So, und nun geht es weiter voran. Wir sind uns noch nicht klar darüber, ob wir eventuell in Höhe der Stadt Perito Moreno nach Chile wechseln. Die dortige berüchtigte Carretera Austral soll aber so richtig fies sein. Engste Gebirgskurven, schlechtester Schotter….

Wir schauen mal. Risiken wollen wir nicht eingehen. Alles kann man ohnehin nicht sehen. Wir entscheiden uns für die sicherste und „gesündeste“ Tour für die Lieselotte ihre Füsse. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Wolfgang (Sonntag, 22 November 2015 09:50)

    Gigantische Berge - tolle Tier und Landschaftsaufnahmen - wunderschön.
    Das ist auch Stoff für ein Buch. Das wäre sicher auf Platz 1 der Bestsellerliste.
    Lieben Gruß Wolfgang

  • #2

    Eric (Montag, 23 November 2015 14:47)

    Ihr seid echt zu beneiden, wunderschöne und aufregende Bilder. Nur mal so am Rande, hier in HH wurde heute bei schönem Winterwetter Helmut Schmidt vom Michel nach Ohlsdorf gefahren, tausende Hamburger an der ganzen Strecke, sehr beeindruckend. Achso, nur zur Info, Frau Finke dürfte die Sache letzte Woche (hoffentlich) beendet haben :-)
    LG
    Eric

  • #3

    V. Christ (Montag, 23 November 2015 19:02)

    fantastische Landschaften und hinreißende Bilder! Grüße von V. Christ

  • #4

    S.Tomfort (Donnerstag, 03 Dezember 2015 15:13)

    Das sieht so toll aus. Und Ihr seht super glücklich aus!! Klasse!!!!

    Gruß Sven