Lauf Liesel, lauf....

und sie läuft wieder!

Wir sind glücklich. Die Liesel hat es geschafft. Hinbekommen hat es Mauricio, der begnadete Meister von Mercedes Benz.  Er hat am Montag alles gegeben. Am Wochenende hatte er noch einmal über das grundsätzliche Problem nachgesonnen, nämlich, dass der Diesel immer zum Tank zurücklief und deshalb das Starten nicht klappte.

Für ihn blieb nur eine Erklärung möglich. Der Dieselfiltertopf hat am unteren Ende eine Kugel, die wie eine Art Schwimmer den Rücklauf verhindert. Mauricio ging davon aus, dass sich diese Kugel durch das Benzin aufgelöst hat. Dementsprechend musste nun ein völlig neuer Dieselfiltertopf her. Den gab es vorrätig für unseren Motor, aber siehe da, der „argentinische“ hatte doch tatsächlich noch einen kleinen Vorfilter daran verbaut, den es in Deutschland nicht gibt. Dementsprechend musste nun eine neue Zuleitung gebaut werden. Mauricio war wahnsinnig im Stress und baute und baute. Er wollte uns unbedingt noch am Montag die Liesel übergeben. Wir haben dann kurz entschlossen gegen 16:30 die Reißleine gezogen und vorgeschlagen noch eine Nacht in ein Hotel zu gehen, damit er dann alles am nächsten Vormittag noch einmal prüfen kann. Er war froh und es war gut so. In aller Ruhe wurde die Liesel dann am Dienstag geprüft und Probe gefahren. Alles paletti. Sie schnurrt wieder. Was für ein wunderschönes Geräusch!!!!

Inzwischen fühlten wir uns in der Werkstatt richtig heimisch. Wir besuchten  Liesel dort quasi wie im Krankenhaus. Mittlerweile waren wir auch mit den Mitarbeitern auf „Du“. Am Dienstag wurden wir dann sogar persönlich vom Direktor begrüßt, der es sich nicht nehmen ließ, uns gemeinsam mit dem Meister die Liesel quasi wieder zu übergeben. Unglaublich!

Angedenk unserer Kuchenschlachten in der Kanzlei, hatten wir am Dienstagmorgen zur allgemeinen Freude der Mercedes Benz Belegschaft jede Menge frisch gebackene „ Fakturas“ dabei, so kleine Kuchenteile in jeder Form, von einer tollen Bäckerei. Ich denke, Martin und ich haben uns Deutsche würdig vertreten.

Comodoro Rivadivia ist eine große, eher hässliche Stadt. Sie lebt von der Ölförderung, der umliegenden Ölfelder, die 30% des argentinischen Bedarfs abdeckt. Auch  Autoindustrie ist hier enorm vertreten. Aber hier bekamen wir das weltallerbeste Sandwich und den leckersten Cafe con leche. Die Preise hier in Patagonien sind sehr hoch. Weit teurer als in Deutschland.

Da wir ja bis zum Ende der Reparatur festgenagelt waren, wandten wir uns der bevorstehenden Wahl vom 25.10. zu. Drei Kandidaten traten an für das Präsidentschaftsamt. Die „sympathische“ Frau Cristina Elisabet Fernández de Kirchner von der Peronistischen Partei ( Frente para la Victoria=Front für den Sieg) und direkte Amtsnachfolgerin Ihres eigenen Mannes konnte ja bedauerlicherweise für eine dritte Amtszeit nicht kandidieren. Dafür hat sie dann jetzt noch mehr Zeit Ihre Gesichtshaut immer mehr hinten  festzutackern.

Ihr Vasall, Daniell Scioli, tat sein Bestes. Alle Umfragen deuteten vorab auf einen klaren Sieg von ihm hin.  Zum Glück erreichte er nur 36%, so dass es mit dem Angreifer Mauricio Macri ( 34%) von der  Partei Propuesta Republicana in die zweite Runde, nämlich die Stichwahl am 22.11. geht. Der dritte Kandidat, Sergio Massa ( Partei Frente Renovador= erneuerte Front)), erreichte auch beachtliche 20%. Nun hoffen alle mit denen wir gesprochen haben ( ja, Mia, ich weiß, wir sollten nicht mit den Argentiniern über Politik reden) auf einen Wechsel und dass die Wähler Massas lieber Macri ihre Stimme geben als der Frente Victoria Partei der Kirchner. Das scheint wahrscheinlich, da Massa, der 2008-2009 Kabinettsminister unter Cristina Fernández de Kirchner war,  jetzt ein enormer Gegner von Ihrer Politik ist, deshalb auch der Name seiner Partei deutlich gegen Ihre „Frente“ gerichtet. In Buenos Aires ist das Unglaubliche bereits gelungen. Erstmalig hat eine Frau das Amt der Gouverneurin ( Bürgermeisterin) erstritten und  den Gegenkandidaten der Frente Victoria weggekickt. Argentinien darf also auf einen neuem Wind hoffen.

Um 18:00 Uhr saßen wir gespannt vor dem Fernseher und warteten auf die ersten Hochrechnungen. Und warteten und warteten…..Nichts. Hochrechnungen gibt es hier schlicht nicht. Die sabbelten sich alle einen ab. Über Stunden immer dasselbe. Geduld also auch bei den Wahlen.

Am Dienstag fuhren wir dann lediglich 15 km, um die Liesel wieder einzuräumen und sie gründlich zu reinigen. Abends stießen wir dann mit einem lecker Sekt auf sie an und genehmigten uns dazu Scampis bei einer wunderschönen Sicht aus dem Fenster.

Hier ein paar Fotos, insbesondere auch von der Rettungseinheit, der Expocar Mercedes Benz in Comodoro:

Dann ging es los Richtung Feuerland. Viele erzählen es seien etliche mühsame Kilometer nur durch das blanke Nichts und die Pampa. Diesen Eindruck teilen wir nicht. Es ist schwer zu beschreiben, aber diese karge Landschaft ist einmalig. Auch nicht etwa nur platt, jedenfalls nicht bis Rio Gallegos. Aber Bäume gibt es nicht. Hier zu wohnen ist sicherlich eine Herausforderung. Ich stelle einfach mal ein paar Bilder ein, um einen Eindruck zu verschaffen:

Da sage doch mal einer, die Pampa sei langweilig.


Die Ruta 3 führt immer mal wieder direkt an der Küste lang. An einem sehr schlechten Schotterweg bogen wir ab Richtung Meer und fanden nach 5 km einen traumhaften Stellplatz zum Übernachten:

Schön gemütlich haben wir es uns gemacht. Weinchen für mich und Bierchen für Martin. Und dann wechselte das Wetter schneller, als jemals von uns vermutet. Es wurde nicht dunkel, sondern schwarz. 

Fette Tropfen, die an mein Fenster klopfen.....

Shit, mittlerweile waren wir schon richtig schläfrig. Das nütze aber nun nichts. Die 5 km bis unter die Steilküste waren ein Desaster. nicht nur der Schotter, sondern darauf riesige tiefe Schlammlöcher, die mühsam umfahren werden mussten. Nach Regen??? Nein, da wären wir dann nicht mehr durchgekommen. Also nichts wie weg. Und das war dann der tatsächliche Schlafplatz:

Immer wieder eine Freude auf den Tankstellen zu übernachten.


Heute geht es also von der YPF Station in Puerto San Julian weiter gen Feuerland.

Liebe Grüße an Euch alle!!!

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Kommentare: 1
  • #1

    Jürgen (Samstag, 31 Oktober 2015 10:28)

    Hallo Ihr Lieben,
    schön das die Liesel wieder gesund ist. Was eine gute, intensive Pflege doch alles bewirken kann. Wenn Euch die trostlose "Pampa" so gur gefallen hat, könnt Ihr Euch ja schon mal auf die kalifornische Wüste freuen, da sieht es so ähnlich aus :-))
    Wieterhin alles Gute und hoffentlich bleibt die Liesel jetzt erst mal gesund.
    Grüße Jürgen