Hinterm Horizont gehts weiter.....

direkt in die Werkstatt.

Zwei Dinge sind uns nun ganz eindeutig klar.

 

Erstens: Udo Lindenberg muss auf der Ruta 3 in Patagonien gefahren sein.

Zweitens: Wir sind offensichtlich als verkappte Werkstattprüfer unterwegs. 


Wir verbrachten nach den Waleindrücken einige ruhige, warme und gefräßige Tage auf einem Campingplatz in Puerto Madryn.  Wir waren dort zusammen mit Lothar und Martina, die bereits seit

5 1/2 Jahren unterwegs sind. Das Ende Ihrer Reise ist letztlich offen.  Später gesellten sich auch noch Anke und Andreas hinzu, die ebenso wie wir erst "kurz" unterwegs sind.

Da hört man sich ja immer gerne wieder die Tips der Reiseprofis an. Aber nicht nur das. Lothar überließ mir zum Kopieren seine externe Festplatte.  Und hoho, jetzt haben wir 250 Filme und 100 Folgen Tatort auf meiner externen Festplatte. Kinoabende sind also jetzt auch möglich.

Das Volumen knallte meine Festplatte nun natürlich voll, also kaufte ich mir dort in Puerto Madryn eine weitere. "Schick" das Ding, in Mädchenpink metalic. Schwarz war ausverkauft. Warum das denn wohl?

Die Beratung und der Kauf 5 Minuten. Das Bezahlen und verlassen des Ladens 30 Minuten. Wie das? Tja, da gibt es immer so ein ganz merkwürdige Prinzip. Der Verkäufer druckt den Kauf auf eine Rechnung. Damit wird man dann zur Kasse geschickt. Bezahlt und dann steht man sich die Beine in den Bauch. Am nächsten Tresen, dem Herausgabetresen, steht ein ganz "Wichtiger". Er nimmt hoheitsvoll den Beleg entgegen, verschwindet im Lager und kommt mit den gekauften Sachen zurück. Und dann gehts los. Sämtliche Packungen werden vor den Augen des jeweiligen Kunden geöffnet , alles ausgepackt und dann erst wieder eingepackt. Tja, nur blöd, wenn vor einem so ne Mutti steht, die nicht nur, Handy, sondern auch Fön und Lockenschere - und besonders schön - auch noch eine Multifunktionsküchenmaschine gekauft hat.

Herrlich das. An der Küchenmaschine zerschellte dann jeglicher Zeitplan. Wollte sich doch das Ding mit den tausend Einzelteilen nicht wieder ordentlich in den Pappkarton zurückbegeben. Wie Tetris packte der Mensch also immer wieder ein und aus und um. Nein, ich habe nicht geschrieen. Ich habe nur einen vorbeiflitzenden Verkäufer höflich gefragt, ob ich wohl meine Festplatte auch ohne Showauspacken einfach so kriegen könne. Antwort: Nein, freundliches Lächeln und weg war er.

Ganz prima hat der Mann mir dann  meine rosa Festplatte vor allen Augen ausgepackt. 

 

 

Unser nächstes Ziel hieß Camarones. Dort gibt es eine Pinguinkolonie. Straße, soweit das Auge blickt. Hat man einen Horizont erreicht, kommt sofort der nächste.  Das muss Udo Lindenberg gemeint haben, mit seinem Lied. Nur wenige PKW, dafür aber auch sehr merkwürdige Fahrzeuge.

In Camaorones steuerten wir dann den örtlichen Campingplatz an. Am nächsten Morgen tankten wir bei der einzigen Tankstelle des Miniörtchens. Diese war auch der dortige Hotspot, weil es nur da irgendeine Möglichkeit gab ins Internet zu kommen. Keinerlei Signale im gesamten Ort. Das Tankstellenwifi aber auch superlahm. Nur was für WhatsApp. Arme Jugend.

Zur Piguinkolonie waren es 28 km Schotterstraße. Schöne Landschaft, Parkeingang schnell erreicht. Und dann, nach einem Gespräch mit dem immer allgegenwärtigen Parkwächtern, NICHTS. Liesel sagt nichts mehr. Röchelt bloß.

Neiiiiiin. Nicht hier. 28 km Schotter bis zu einem Zwergenort und dann 300 km bis zur nächsten größeren Stadt. Die erste Hilfswelle lief an. Der örtliche Stadtangestellte, der die Schotterstraße immer abziehen muss wurde gerufen, um uns abzuschleppen bis zum Ort.

Dort brachte man uns dann zu einer örtlichen Werkstatt, die sich die nächsten zwei Tage so richtig reinhängten, um die Kraftstoffpumpe, die völlig kaputt war, notdürftig zu reparieren. Alles wurde irgendwie per Hand gedreht, geschliffen usw. 

Wir übernachteten und lebten also dort vor der Werkstatt. Schön ist anders. Wir wurden dann sogar von der Familie zum Essen eingeladen. Mein Spanisch wird langsam besser. Außerdem weiß ich jetzt alles über den Aufbau von Kraftstoffpumpen! Auf Spanisch! im Ort lernten wir auch noch einige Fischer kennen, die dort wegen des starken Windes festsassen  uns doch tatsächlich eine Königskrabbe und Langostinos zum Wohnmobil brachten. Unglaublich.

Die Liesel sprang immer noch nicht von allein an. Lief sie aber, dann lief sie gut. Wir entschlossen uns daher die 300 km nach Commodoro Rivadivia zu fahren. Die Mechaniker aus Camarones begleiteten uns! Wir fuhren dort zu Mercedes Benz. Und, tja, uns wurde offensichtlich in Camarones der falsche Kraftstoff verabreicht. Ob die Ihre Zuleitungen nicht unter Kontrolle hatten, man weiß es nicht. An der Bezeichnung Gasoil podium gab es für uns keine Zweifel.

Nun steht sie also quasi im " Krankenhaus".

Auch dort wird ein enormes Tempo für uns vorgelegt. Eigentlich sollte sie schon am Samstag, also nach einem Tag fertig sein, aber da stellte sich heraus, dass auch ein Zylinder in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir möchten jetzt aber ganz sicher gehen und möchten ohnehin, dass sie nun ganz durchgecheckt wird. Nützt ja nichts.

Warten wir mal ab bis Montag!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Edel (Sonntag, 25 Oktober 2015 09:14)

    No'n Mist, aber diese Hilfsbereitschaft, die Ihr erfahrt, ist wirklich phantastisch. Wir drücken ganz fest die Daumen, daß die Liesel wieder richtig auf die Füße kommt.
    Liebe Grüße aus dem sehr herbstlichen Hamburg Edel & Wolfgang

  • #2

    Birgit (Mittwoch, 28 Oktober 2015)

    Wir drücken Euch die Daumen, dass das alles klappt. Noch sind wir in La Serena, Chile, werden dann aber via Santiago nach Argentinien zurückkehren. Vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwo, so von Hamburger zu Hamburger. Sind mit einem unscheinbaren Pathfinder mit kanadischem Nummernschild unterwegs.
    Euch alles Gute!
    Birgit & Juan