Walversprechen und Babyglück

Das wurde uns gegenüber mehr als gehalten.

Wir sind immer noch  ganz erfüllt. Von ganzem Herzen. In den letzten Tagen haben wir großartiges erlebt und enorm viele Tiere gesehen. Insbesondere die Wale und ein kleines Baby haben uns zutiefst berührt.

Unsere Tour führte uns nun von Mar del Plata aus gen Süden. Immer auf der Ruta Nacional 3, die  über 2500 km bis nach Feuerland reicht. Es zweigen immer wieder Pisten ab ans Meer. Die Ruta 3 ist gut asphaltiert, von einigen schlechten Stellen abgesehen. Verlässt man diese Straße allerdings, befindet man sich sofort auf den unwegsamsten Pisten.

Am Montag Morgen, den 12.10.2015,  erreicht uns die WhatsApp „ Wilke ist geboren“. Martin ist Großvater!!! Undine und Steffen sind Eltern geworden. Was für ein großartiges Gefühl.  Ein neuer Mensch erblickt das Licht der Welt. Begierig studieren wir die über WhatsApp geschickten Bilder des kleinen Mannes. Er ist natürlich das süßeste Baby der Welt.  Leider ist Martin jetzt erst einmal „ das Phantom, der Opa“.

Beseelt steuern wir über eine Piste, Ruta Provincial 1,  über Balneario de Condor die größte Papageienpopulation der Welt an. In den Steilküsten nisten geschätzt um die 50.000 Papageien. Die Papageien leben ihr ganzes Leben in einer festen Partnerschaft. Das einmal gefundene Nest wird jedes Jahr wieder von demselben Paar genutzt.

Ein eindrucksvolles Bild. Die Papageien immer eng zusammen als Paar. Sie fliegen sogar oft ganz dicht beieinander. Das Geschrei aus der Felswand, die ein und ausfliegenden Papageien, einfach großartig.

Danach ging es über die holprige Piste zu einem Aussichtspunkt für Seelöwen und Seeelefanten, die man allerdings nur von oben, von der Klippe aus betrachten konnte. Gleichwohl faszinierend. Auch die Natur hier ist beeindruckend.

Tja, und dann die wohl falsche Entscheidung. Das Navi schlug uns vor wieder zurückzufahren und einen großen Bogen zu schlagen, um weiter gen Süden zu fahren. Die Piste hätte hier etliche Kilometer abgekürzt. Sie war bis zu unserer Seelöwenkolonie in La Loberia eigentlich auch ganz ok. Das Navi bedeutete mir es seinen 32 km, bis zum Abzweiger. Das schaffen wir ja wohl nun. Also fiel die Entscheidung für die Piste. Hm, tja, ok, kleine Panne beim Ablesen des Navi. Es waren zwar nur 32 km bis zum Abzweiger, aber danach ging es leider noch über 75 km weiter. Und zwar immer schlechter und schlechter. Das sind nicht einfach so Schotterpisten. Nein, durch Wind und Regen bilden sich enorme „ Riffel“, die das Fahren unerträglich gestalten. Es nennt sich " Ripio". Die leichten Fahrzeuge scheinen bei einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/h mehr oder weniger über die Riffel zu fliegen, obgleich dies eine enorme Anstrengung für die Stoßdämpfer bedeutet.

Wir selber haben das einmal versucht. War ganz ok, bis wir mit Wucht in eine Bodenvertiefung gerast sind. Nee, so nicht, also mit 10-20 km/h rechts und links auf der Piste nach vorn gekrochen, immer die wenigsten Riffel suchend. Das Verkehrsaufkommen war gleich null. Lediglich ein Wagen kam uns entgegen.

Dann wechselte die Natur. Fuhren wir zu Beginn noch hinter dem Dünengürtel, wechselte die Piste nun direkt an den Strand mit den sich daraus zwangsläufig ergebenden Schwierigkeiten über die wir natürlich vorher auch nicht nachgedacht hatten. Sandverwehungen übelster Art.

Wie in der Wüste. Großartig fürs Auge, katastrophal fürs Fahren. Martin murmelte immer wieder vor sich hin „ hoffentlich liegt jetzt nicht gleich so viel Sand auf der Piste, dass wir nicht mehr durchkommen und 50 km zurück müssen“. Es war jetzt wohlgemerkt bereits 18:00. Sonne bald Ade.

Und dann, ja dann wurden Martins Alpträume wahr.

Sanddüne ergießt Sand über die Piste. Komplett. Mit Allrad und leichterem Fahrzeug wohl machbar. Aber für uns? Ich habe nur ein Bild, wo man sieht, wie sich die Dünen auf die Piste schieben. Das wirkliche „ Piste unter“ Bild habe ich erstarrt, wie ich war, nicht gemacht. Martin raus aus der Liesel und sich das Dilemma genau beguckt. Ich sitze in der Liesel und hoffe noch auf so was wie „ Daumen hoch“ und frohes Gesicht. Aber nee, Martin guckt bekümmert und sieht geknickt aus. Mist!!!!!

Versuchen? Mit der Chance auf Steckenbleiben?

Da kommen plötzlich die einzigen Fahrzeuge des Tages von hinten. Ein Riesen LKW und ein Ammarock. Martin springt raus, stellt sich in den Weg und versucht deutlich zu machen, dass wir wohl Schwierigkeiten haben. Der LKW Fahrer, ein alter Haudegen, verweist Martin offenbar auf den zu ihm gehörenden Ammarock. Martin ruft, Andrea, raus aus dem Auto, rede mit dem Ammarockfahrer, dass er uns ev. Rausziehen muss.

„Rausziehen“?  Was in drei Gottes Namen, heißt das denn auf Spanisch? Egal. Stammel, stammel….

Der Fahrer versteht mich und nickt. Klar. Kein Problem, wir warten. Der LKW ( 6 Achser!!!!), wohl Tunierpferdetransporter, aber leer, nimmt Anlauf und donnert mit seinen unendlichen PS durch den Sand. Für uns ist damit zumindest sowas wie eine Spur gezogen. Martin geht es an. Los Liesel, lauf.

Schwung holen, Luft anhalten und Liesel schafft es ganz alleine, wühlt sich geradezu durch den Sand. Räder drehen teils durch, teils greifen sie wieder. Ich erheb mich unwillkürlich vom Sitz, um es der Liesel „leichter“ zu machen.

Geschafft. Der LKW läßt uns überholen. Daumen hoch vom Fahrer, aber da macht er noch so ein komisches anderes Zeichen. Sag, mal Martin, das sah doch irgendwie so aus, als wolle er sagen, da kommt noch mehr?  Guck, mal die bleiben auch hübsch ordentlich hinter uns, obwohl die eigentlich schneller könnten….

Und, ja, was soll ich sagen, da kam es das Elend. In Form von noch mehr Sand auf der Piste. Eine ordentliche Strecke diesmal. O.K. wir würden ja gerettet werden, wenn wir stecken bleiben. Also gibt Martin Gas und gibt alles. Liesel rein. Quält sich ordentlich, wird langsamer, Räder drehen durch, Martin schaltet ruckzuck in den 2. Gang – und – Liesel kommt so gerade mal mit den Füßen vorne aus dem Sand raus. Die Hinterräder schaffen noch einen letzten Schub, geschafft. Geschafft!!!!! Ganz ohne Allrad.

Wir lassen den LKW und den Ammarock vorbei, die nun anerkennend den Daumen hochreißen. Mit Adrenalin im Blut robben wir die nächsten und letzten 50 km über die Piste zurück auf die Ruta 3.

Mag Pisten mögen, wer es will. Ich nicht. Ich bin ein Sonntagsfahrer. Klar, ist die Landschaft da noch ein bißchen toller, aber der Preis? Nee, es gibt auch so genug zu sehen. Wir quälen sonst die Liesel einfach viel zu doll. Wir werden also versuchen nur da Pisten zu fahren, wo es wirklich unumgänglich ist.

Inzwischen ist es 21:00 Uhr. Wir steuern die nächste Tankstelle an und übernachten fast schlaflos im Getöse der LKW, die bis 3 Uhr morgens ankommen und ab 3 Uhr aber leider auch wieder abfahren.

Wir stehen auf. Es ist Dienstag, wieder strahlender Sonnenschein, ca. 20 Grad, wenig Wind.  Auf geht’s es zu dem Highligt, der Halbinsel Valdes, zum Walegucken – so sie sich zeigen-.

Im Golfo Nuevo zieht vor allen Dingen der Ballena Franca Austral ( Bartenwal) vorbei. Er ist größer als ein Orca. Die Weibchen erreichen eine Größe von 13 m Länge. Das Gewicht beträgt 30 -40 Tonnen.  Die Wale kommen in den Golf zur Paarung und um ihre Jungen zu werfen.

Von Puerto Piramides ( einziges kleines Dorf der Halbinsel) aus starten Bootstouren zur Walbeobachtung. Ich habe viel über Valdes, die Wale und die Bootstouren gelesen. Mir ist klar, heute ist eigentlich der „ Tag der Tage“. Idealbedingungen, die hier im windgepeitschten Patagonien selten sind. Gegen 13.30 haben wir Puerto Piramides erreicht. Die Touren finden jeweils statt um 10, 12, 14 und 16 Uhr. Uns wird bestätigt, dass dieser Dienstag einmalige Wetterbedingungen aufweist.  Es gibt 6 Anbieter. Bei den ersten Anfragen alle Plätze besetzt. Aber dann, doch Glück gehabt. Ein Anbieter fragt für uns bei einem anderen an der bereit ist uns noch mitzunehmen. Um 16:00 Uhr starten wir die einmalige Tour. Wir haben ein solches Glück gehabt. Begleitet wird die Fahrt von einem Amerikanischen Walspezialisten aus San Francisco, der seit 20 Jahren hier lebt und sein Herz an die Wale verschenkt hat. Voller Inbrunst erzählt er vom großartigen Sozialverhalten der Tiere, die auch schon einmal zu Adoptionen führen, wenn ein Muttertier verstirbt. Eine große Belastung für die annehmende Mutter, die dann über Monate zwei Jungtiere säugen muss, die jeweils bereits bis zu 100 Liter Milch am Tag über Monate zu sich nehmen.

Das Wetter, ein Traum, Sonne pur, glitzerndes Wasser, warm.

Und dann das mit Beeindruckenste, was wir je gesehen haben. Fast 2 Stunden bleiben wir auf dem Wasser, viel länger als sonst üblich, aber auch unser Tourbegleiter war offensichtlich fasziniert über die vielen nahen Wale, die sich uns zeigten. Was für Tiere. In der Stille, selbst die Kinder an Bord waren fasziniert und ruhig, hört man die auftauchenden Kolosse und das Ausstoßen der Wasserfontänen. Zum Greifen nah. Immer eine Mutter mit Kind. Dicht beieinander.

Eine Mutter taucht direkt unter das Boot. Kommt vorne wieder hoch. Ich stehe am Bug direkt über dem riesigen Leib. Unfassbar.

Ich weiß nicht, ob die Fotos auch nur annährend die Atmosphäre wieder geben können. Zum Schluss dann noch ein Extraggeschenk für uns. Ein Walbaby fing an zu spielen. Es hob immer wieder seine Hinterflosse und ließ diese laut klatschend aufs Wasser knallen.  Die Mutter tauchte direkt daneben auf. Unser Guide erklärte, dass die Mutter letztlich versucht ihr Junges zu maßregeln, dass es damit aufhören soll.  Herrlich!

Zum Schluss fuhren wir dann noch super dicht an eine Seelöwenkolonie heran.

Beseelt ging es dann nach über zwei Stunden zurück an den Strand. Als würdigen Abschluss genossen wir noch einen Vino Tinto mit Blick auf die Bucht.

Obwohl auf der Halbinsel offiziell das Wildcampen verboten ist, wird es auf einem phantastischen Felsplateau inoffiziell toleriert. Dies fuhren wir an und fanden dort bereits schon einige Overlander vor.

Tolle Atmosphäre.  Am frühen Morgen (es war sehr bedeckt) schoss ich dann noch einige Fotos vom Sonnenaufgang. Nach dem Frühstück dann ein weiteres unverhofftes Glück.

Ein Wal schwamm zum Greifen nah an unserem Stellplatz vorbei, angekündigt durch das Ausstoßen der Wasserfontäne. 

Unser Weg führt nun immer weiter gen Süden. Wir sind gespannt, was uns noch alles erwartet. Erst einmal bleiben wir aber einige Tage auf einem Campingplatz in Puerto Madryn, um etwas auszuruhen, Wäsche zu waschen und Kleinkram zu erledigen.

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Kommentare: 5
  • #1

    Silvia und Beat (Donnerstag, 15 Oktober 2015 17:07)

    Hallo aus Chile. Toll diese Wale, wir haben sie auch so erlebt! Noch ein Typ: fahrt doch an die Beach El Doradilla etwa 15km von Puerto Maryn, gute Gravelroad, und übernachtet dort. Ist vor dem Parkeingang und vor und nach der Flut einfach genial! Siehe Kurzfilme auf der Homepage
    Liebi Grüess und bis später, fahren auch südwärts
    Silvia und Beat

  • #2

    Randy (Donnerstag, 15 Oktober 2015 21:22)

    Habe mir gerade vorgestellt, liebe Andrea, wie Du mitten in der Nacht zwischen den kommenden und fahrenden Lkw eine mittlere Springprozession abhältst, um die Fahrer von den Vorzügen mitteleuropäischer Nachtruhe zu überzeugen.
    Ist mir gar nicht schwergefallen :-)

  • #3

    Jürgen (Samstag, 17 Oktober 2015 14:02)

    Hallo Andrea und Martin,
    erst noch einmal Herzlichen Glückwunsch an die frischgebackenen Großeltern....
    Supertolle Fotos von den Walen, Seelöwen und Papageien, ein wirklich tolles Erlebnis (NEID!!). Ich kann mich gut erinnern wie schwierig es ist auf einem Boot ein gutes Foto von einem Wal zu machen, irgendwie tauchen die immer da auf wo mans nicht vermutet. Das Foto mit der Flosse gefällt mit besonders gut. Es grüßt aus dem bereits sehr winterlichen Deutschland Jürgen und Astrid

  • #4

    Edel (Sonntag, 18 Oktober 2015 17:28)

    Liebe Oma, lieber Opa, herzlichen Glückwunsch und für Wilke ein tolles Leben.

    Die heutige Geschichte in der "Wüste" war wieder aufregend und die Fotos eine Wucht. Die Papageien und die Wale hätten wir auch gern in natura gesehen.
    Wir gewöhnen uns jetzt an Regen, Regen und nochmals Regen und um 15h gehen die Lichter an.

    Weiterhin eine gute Reise
    Edel & Wolfgang

  • #5

    andrea.v,p,herz (Montag, 19 Oktober 2015 17:18)

    --.ich veruche euch.ganz hertzlich zu gratulieren .ich hoffe unndine geht es gut und es war alles nicht zu schwer.hoffentlich musste sie nicht so kämpfen wie ihr mit der liesel .es ist ja kein leichtes abenteuer.wem sieht er nun ehnlich .wennihr zurückkommt läuft er euch entgegen.euch weiter viele hilfreich und nette zeitgenossen.umarmung von eurer an eüch denkende andrea.ä riiz