Fussketchen

Je oller, desto doller....

Natürlich nicht ich. Das wäre ja wohl noch schöner. Nein, die Liesel hat jetzt hübsche Fußkettchen. Wie das? Tja, eine spontane Überlegung, die wir erst mal ganz schön verflucht haben.

Wir wollten insbesondere wegen des zweiten zusätzlichen Dieselfilters, den Martin wegen des schlechten Diesels in Südamerika hatte einbauen lassen, zu einer Werkstatt, um diesen zu überprüfen. Dafür reichten nun meine „Schulkenntnisse“ in Spanisch natürlich nicht so wirklich. Wir hatten aber von anderen Reisenden den Hinweis auf eine Mercedes Werkstatt in La Plata bekommen. Hier sollte die Frau des Eigentümers deutsch sprechen können. Es lag so leidlich auf unserem Weg und wir steuerten es daher von BsAs aus an. Etwas anzusteuern ist in der Umgebung des Stadtzentrums leichter gesagt als getan. Da fahren auf vierspurigen Autobahnen  pro Seite eben mal fünf Autos nebeneinander, Motorräder überholen dann auch daneben noch gerne von rechts auf einem Standstreifen, der nicht einmal halb so breit ist wie bei uns. Natürlich werden auch die Spuren munter gewechselt, ohne dies groß vorher anzukündigen. Alptraum das. Aber Martin fuhr souverän mit. Nur nicht klein beigeben. Hupen können wir auch. Im Zweifel waren wir auch grösser , als die anderen. Platz da, jetzt kommt Alemania. 

Und durchgewurschtelt. In La Plata ohne Problem die Werkstatt gefunden und Martin konnte sein Dieselfilterproblem frohgemut auf Deutsch mit Sandra klären. Sie hatte 9 Jahre Deutsch im Goetheinstitut gelernt, das war aber schon etliche Jahre her. Ging aber ganz prima.

Dann kam der Vorschlag, ob wir an die Liesel nicht diese Luftprüfsystem an die Räder bauen lassen wollten, was angesichts der noch zu erwartenden viel schlimmeren Straßenverhältnisse ( Schotter, Pisten) angezeigt sei. Dieses System zeigt an, wenn der Reifen Druck verliert und der Kompressor aus der Liesel versucht dann gegenzuhalten und Luft in den Reifen nachzuschießen, so dass man es vielleicht wenigstens noch zur nächsten Gomeria (Werkstatt für Reifen) schaffen könnte.

Hier fahren eigentlich alle großen LKW mit den Dingern, die ich ja auch schon in Brasilien und Uruguay gesehen hatte. Hm, überleg, Löcher in Liesel bohren? Ist das denn nötig? Auf der anderen Seite, in den Anden die Chance zu haben, auch mit kaputtem Reifen noch eine Strecke zu schaffen, hat natürlich was. Spitze Steine werden wir wohl viele, viele Kilometer unter den Reifen haben.

Ok. Wir machens. Leider ging es nicht mehr am folgenden Tag, sondern erst am Donnerstag.  Also erst mal Abfahrt und Platz für Mittwoch suchen. Wir fuhren an einen lediglich 60 km entfernten See. Der dortige Campingplatz wieder zu, aber auch hier durften wir rein. Hübsch, aber unspektakulär das Ganze. Am interessantesten fanden wir, dass die hier Schaukeln für behinderte Kinder aufgebaut hatten. Da kann man ja in Deutschland noch was abgucken. Statt Inklusion „ in der Schule“, wäre es sicherlich für viele Kinder viel wichtiger, dass sie auch auf einem ganz normalen Spielplatz was mitmachen könnten. Da auch ich schaukeln nach wie vor liebe, musste Martin - wie eine liebe Mama -  ein wenig Geduld aufbringen.

Am nächsten Tag dann meine persönliche Meditationsprobe. 11 Stunden auf einem Werkstattgelände zu verbringen ist echt nicht meins!!!  Man, hat das gedauert. Das Lieselsystem war doch etwas anders, als dem Mechaniker aus Argentinien bekannt. Was musste da gedengelt werden.

Und das war dann das Ergebnis:


Na, ja, hübsch ist vielleicht anders, aber der Liesel gefallen Ihre Fußkettchen. Wer hat das in Deutschland schon – keiner. Und der TÜV reißt  bestimmt auch nicht nur uns den Kopf, sondern insbesondere der Liesel die Fußketten wieder ab. Schau`n wir mal.

Erst mal ging es Abends totmüde zu einer lauten Übernachtung auf die nächste Tanke und dann weiter Richtung Mar del Plata. Und da machten wir dann einen entscheidenden Fehler.

Morgens gab das neue System nach dem Motorstart mörderische Piesptöne von sich und flackerte wild rot vor sich hin. Die Anzeige stand auf „ Null“ Druck in den Vorderreifen, statt bei 8,5!! Hä? Der Reifen sah genauso prall aus wie immer. Der Kompressor sprang an und flugs ging die Nadel nach oben und das Piepsen aus. Martin mutmaßte, dass das System wohl erst mal nach dem ersten Start hochfahren muss. Also fuhren wir die rund 350 km nach Mar del Plata. Unterwegs fragte ich mich und Martin, ob wohl das regelmäßige  „gepupse“ von der Liesel ( das macht sie, wenn der Kompressor arbeitet ) normal sei. So ein Pfffffffffff…..

War es natürlich nicht!!!!!!

 

 Aber erst einmal waren wir von dem Campingplatz Autocamping Faro, dem dortigen Strand und auch der Stadt angenehm überrascht. Dort soll es ja in der Saison zugehen, wie im Ameisenhaufen.

Und dann das böse Erwachen am nächsten Morgen: Warnsystem wieder  piepsend und Anzeige " null Druck" auf einem der Vorderreifen. Super. Ich hatte die Handynummer von Sandra aus der Werkstatt erhalten. Ich wusste auch, dass sie mit der Familie ebenfalls an diesem Wochenende ( Montag mal wieder Feiertag) nach Mar del Plata zu einem Autorennen fuhren.

Ihr Mann Eduardo konnte sich das so gar nicht erklären und tippte auf ein kaputtes Ventil. Erst wurde vereinbart, dass wir noch eine Nacht dort abhocken müssten und Eduardo dann am nächsten Tag ( Sonntag) bei uns vorbeikommen würde. Dann rief  aber Sandra zurück und meinte, sie habe soeben mit einer großen Merceds Werkstatt in Mar del Plata gesprochen und da sollten wir umgehend hinfahren. Die machen in einer Stunde zu und dann erst wieder am Dienstag auf. Das erinnerte mich doch nun fatal an unsere Situation mit der Zahnkrone. Neiiiiiiiiiin. Ich will nicht auf unbestimmte Zeit in Mar del Plata stehen.


Also durch die ganze Stadt geschraubt. Mitten drin gemerkt, dass die falsche Straße einprogrammiert war. Wir sind noch kurz vor einer Massendemo mit tausenden Jugendlichen durch die Stadt gekommen, die unmittelbar hinter uns dicht gemacht wurde. Also ran an die Werkstatt. Ich hatte mir vorher mühsam einige Spezialwörter in Spanisch zusammengesucht.

Der Werkstattleiter, ein alter Haudegen, schüttelte den Kopf und meinte " das ist kein Problem mit Ventil oder Reifen. Irgendwo im gesamten Schlauchsystem, das gelegt wurde, muss ein Leck sein, aber wo??? Kann ein winziges Löchlein sein". Na, Danke, Anke.

Aber da waren sie wieder, die netten und hilfsbereiten Argentinier. Mit drei Mann warfen sie sich unter die Liesel. Und fanden tatsächlich das Problem. Am Kompressortank war eine Verschraubung uralt und hatte offenbar beim Einbau den Geist aufgegeben. Dadurch empfand die Liesel immer einen Druckabfall und pumpte/pupste dauernd vor sich hin. Das wäre nach Aussage des Monteurs dann der baldige Garaus des Kompressors gewesen. 

Also Glück im Unglück, das dies jetzt gefunden wurde.

Und wir haben nun ein wunderbares System, was uns hoffentlich gut über die Pisten bringt. Ich hoffe ja nun auf das System " Pessimistenschirm". Wer Schirm oder so ein Druckabfallsystem hat, wird weder von Regen, noch von platzenden Reifen überrascht.

Und nun geht es stramm Richtung Valdes. Pinguine, Seelöwen und Wale gucken. Die Ankunft dauert angesichts der enormen Strecken hier wohl noch mindestens zwei Tage.

Bis demnächst.


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Kommentare: 2
  • #1

    Edel (Sonntag, 11 Oktober 2015 20:15)

    Liebe Andrea, lieber Martin, das waren wieder wunderbare Berichte. Die Bibliothek im Theater habe ich als Bildschirmhintergrund jeden Tag vor Augen. Daß die Gastfamilie von Mia und nun auch von Euch echte Freunde geworden sind, kann man auf den Fotos sehen. Grandios ist wieder einmal die Hilfsbereitschaft bei Pannen. Daß Euch ständig geschlossene Campingplätze geöffnet werden, sollte man einmal der Bild-Zeitung melden. Wenn in Deutschland etwas geschlossen hat, da gibt es keine Sondergenehmigung.
    Wir hängen an Euren Lippen. Gute Fahrt.
    Edel & Wolfgang

  • #2

    Tomas (Sonntag, 11 Oktober 2015 21:11)

    Als Minimalist muss ich doch etwas lächeln