Gastfreundschaft

und das im wahrsten Sinne des Wortes. 

Wir machten uns am 1.10. auf den Weg von Buenos Aires nach Roldan, einem kleineren Ort dicht bei Rosario.

Nachdem wir die Liesel abgeholt hatten, fuhren wir erst einmal nach Tigre, einem Ausflugsgebiet bei Bueneos Aires, durchzogen von Wasserläufen.

Hier fanden wir einen überaus "sicheren" Übernachtungsplatz. Erfreulicherweise lag der Platz direkt an einem Kanal und wartete mit Privatsecurity auf. Nur für uns. Sonst keiner da. Das ist ja mal ein netter Zug. Gleichwohl fragte ich mal lieber an, ob wir hier übernachten könnten und warum hier Polizei stände. Und, oho, wir hatten es bis direkt neben den Wohnort des Präsidentschaftskandidaten Scioli geschafft, der hier sein Privathaus hat. Nicht nur, dass wir nicht verscheucht wurden, nein, wir sollten doch ruhig mal in die Straße hineingehen und uns das Haus angucken. Haus ist gut, Festung aber der bessere Begriff. Hubschrauberlandeplatz, Kameras, Torhaus. Meine Herren, da können wir aber mal ruhig schlafen. Das Haus zu fotografieren habe ich mich dann aber doch nicht getraut. Sonst hätten wir möglicherweise doch noch einen ganz anderen Schlafplatz zugewiesen bekommen.

Und dann ging es am nächsten Tag auf zur ehemaligen Gastfamilie von Mia. 8 Jahre später!!

Der Kontakt war aber nie abgerissen, da sowohl Mia in der Zwischenzeit noch einmal dort zu Besuch war, als auch Agustina und Felipe ( die Gastgeschwister) im Gegenzug uns besuchten.

Wir waren ganz schön aufgeregt. Ich besonders, da ich ja nun definitiv mein Spanisch benutzen musste und das nicht nur für irgendwelche Einzelfragen, sondern für GESPRÄCHE. 

Ursprünglich wollten wir dort irgendwo in der Liesel stehen und schlafen. Das wurde aber zuvor über whatsapp von den Eltern Valeria und Fernando strikt abgelehnt. Viel zu gefährlich. Ein Platz für die Liesel würde gefunden werden, wir kämen natürlich zu Ihnen ins Haus. Platz für die Liesel? Unsere Große?? Wo soll das denn sein? Martin, ich will aber nicht, dass sie irgendwo steht und jemand sie kaputt macht.

Anfahrt. Noch 1km, lautet meine whatsapp an Fernando, den Vater. Ja, wir stehen draußen an der Straße, seine Antwort. Und tatsächlich. Alle standen Sie vor dem Haus.

Aufgeregter Ausstieg, den Begrüßungssatz einstudiert auf den Lippen. Etwas Unsicherheit auf allen Seiten. Argentinisch herzliche Begrüßung mit Besos ( Küssen) und dann - alle Unsicherheit weg. Superliebe und warme Atmosphäre. Das Reden klappt. Ich spanisch, Martin mit Felipe und Agu auf englisch. 

Und die Liesel? Sie bekam einen wunderschönen Platz  in einer riesigen Halle eines Maschinenbauers. Fest verschlossen. Toll. Und das Beste, der nette Eigentümer baute auch noch den notwendigen Tankschutz aus Metall für uns. " Ehrenhalber". Er war nicht zu bewegen, irgendetwas dafür anzunehmen.


Wir verbrachten drei tolle Tage im Kreise der Familie Caso.  Valeria und Fernando haben eine Bäckerei mit 2 Filialen in Roldan. Was soll ich sagen, ein Träumchen.  Brot, Facturas ( quasi süße kleine Teilchen mit Zucker, oder Creme oder Dulce de Leche), Alfajores ( mehrstöckige Kekse), Kekse jeder Bauart und was es sonst noch so gibt im Land der traumhaften Kalorienbomben.

Das gab es dann also morgens direkt aus dem Laden neben leckersten Cafe con Leche. Und dann ging es munter weiter im Rahmen der unglaublichen lieben Gastfreundschaft.

Es war sehr überraschend für uns alle, dass wir uns dermaßen gut verstanden haben. Als ob wir uns schon ewig kennen. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass es ja irgendwie auch so ist und vor allem schon Mia immer sagte, dass Valeria und ich uns sicher toll verstehen würden. Stimmt. Aber eben auch Fernando mit Martin und wir alle vier zusammen.

Sie haben uns schlicht weg nach Strich und Faden verwöhnt. Neben einem typischen Asado, ließ Valeria es sich auch nicht nehmen, für uns noch handgemachte Empanadas zu fertigen. Ich war die Kochschülerin und habe mir das hübsch notiert zum Nachkochen.


Martin und ich bewohnten übrigens das Zimmer von Agustina. In diesem sind zwei Einzelbetten. Ich schlief doch tatsächlich in dem, das auch Mia vor 8 Jahren mehrere Monate nutzte. Es ist für uns ganz unglaublich, wie gastfreundlich alle vier waren. Man muss dabei sehen, dass Valeria und Fernando jeden

Tag in der Woche arbeiten. Der Filiale am Haus ist auch eine kleines Kaffee angeschlossen, dass jeden Tag Vormittags geöffnet ist. Auch Agu und Felipe rauschen mit ran. Ebenso Valerias Mutter.

Natürlich wurden wir herumgeführt, um alle Stationen von Mia in dem Ort kennen zu lernen.

Auch ein Ausflug nach Rosario stand auf dem Programm. Dort besuchten wir zum Schluß die größte Eisdiele, die wir je gesehen hatten. Der Andrang war enorm und nachdem wir das Eis probiert hatten, wußten wir auch warum. Da legst Du Dich anbetend nieder. Ich hatte ja schon im Reiseführer gelesen, dass es in Argentinien so wunderbares Speiseeis geben soll. Aber so was? Fest, sahnig, voller karamellisierter Mandeln. Träumchen. Auch für die Hüften.


Was wir dort auch lernten, war das Matetrinken. Erst einmal erschien es mir super bitter, aber man gewöhnt sich daran, wie an Kaffee. Und so rum zu sitzen und den Matebecher ( Bombilla) kreisen zu lassen, hat einfach etwas Entspannendes und sehr Soziales. 


Der Abschied fiel schwer. Wirklich schwer. Wir haben den Beiden das Versprechen abgenommen, uns in Deutschland 2018 zu besuchen. Beide sind europaerfahren. Fernando und die Kinder haben, wie so viele Argentinier, zwei Pässe. Einen argentinischen und einen der Vorfahren, hier einen spanischen. In Nordspanien besitzt Fernando in Oviedo zwei Wohnungen aus einer Erbschaft. Der Weg ist Ihnen also vertraut. Deutschland kennen sei aber noch nicht.

Zum Abschied bekamen wir Geschenke, wie zu Weihnachten. Für mich eine Matetee Ausrüstung für die langen Autofahrten. Martin eine original Asadobesteck in Lederhalterung, eine Asadozange und ein Mehrfachwerkzeug. Und jede Menge Essbares. Quasi den Inhalt der Bäckerei und für mich, da ich es so gerne aß, Lomo ( Rinderfilet) im Manschaftsgebinde. 

Gastfreundschaft. Kein hohles Wort. Wir freuen uns sehr, dass wir tatsächlich Freunde gefunden haben. 

Wir hoffen auf ein Wiedersehen in Deutschland 2018.



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Kommentare: 1
  • #1

    Britta (Mittwoch, 07 Oktober 2015 00:01)

    Liebe Andrea, lieber Martin,
    wie schön, dass es Euch so gut geht und Ihr nun auch entdeckt habt, was wir bereits seit Jahren wussten: die Kultur und wahre Seele eines Landes und seiner Bewohner lernt man nur durch intensives Erforschen der Kulinarik kennen. Dafür gilt es Opfer zu bringen und es ist offensichtlich, dass Ihr diese heldenhaft auf Euch nehmt. Selbst das Waschbär-Opossum hat es aus gutem Grund auf den Baum getrieben, das arme Ding musste offenbar um sein Leben fürchten, ist es Eurem Forscherdrang und Martins neuer Asado Ausrüstung nur knapp entronnen. Macht weiter so und haltet uns über Rezepte und Genüsse auf dem Laufenden. Ansonsten keine Sorge: Eure geschickte Routenplanung führt Euch rechtzeitig in die USA (Ihr erinnert doch bestimmt noch unsere Schilderung der dortigen Supermarktdreiräder für die Kunden, die sich nur noch mühsam watschelnd bewegen können).
    Etwas Sorgen macht es mir, dass Ihr offenbar noch nicht einmal mehr zu einem langsamen Tango in der Lage seid oder habt Ihr uns die Bilder aus den Tanzsalons vorenthalten?
    Lasst es Euch weiter gut gehen, macht bitte auch weiter lustige Hundebilder und allerliebste Grüße aus dem herbstlichen Hamburg!