Buenos Aires, die zweite...

Unser zweiter Anlauf in Buenos Aires war von mehr Erfolg gekrönt und hat uns von dieser wundersamen Stadt überzeugt. 

Groß ist sie, nobel, quirlig, arm, ungeordnet und vor allem laut.

Zu Beginn ist man geradezu eingeschüchtert, wie man denn nun diese Stadt erobern soll. Wir haben das nächstliegende getan und uns unserem „ Reiseführer“ anvertraut. Und das war prima so. Die Führer aus dem Reise Know how Verlag sind wirklich toll. Da wir schon am Samstagabend ankamen, konnten wir uns gleich am Sonntag auf die Highlights werfen.  Diese waren

-          La Boca

-          San Telmo

La Boca ist sicherlich jedem bekannt, der schon einmal ein Werbefoto für eine Reise nach BsAs gesehen hat. Hier gibt es die bunt bemalten Häuser und die Tangotänzer auf der Straße. Natürlich ist das alles furchtbar touristisch. Insbesondere, weil es sich eigentlich nur um 2 Straßenzüge in einem ansonsten furchtbar heruntergekommenen und vor allem überaus armen Stadtviertel handelt. Ein Hafenviertel. Berühmtester Sohn des Viertels ist der Maler Quinquela Martin, dessen Einfluß die farbenprächtigen Häuserzeilen zugeschrieben werden.

Aber erst einmal die Frage „ wie hinkommen“? Taxi finden wir ja immer langweilig. Der öffentliche Nahverkehr in BsAs allerdings hat es in sich und so seinen Tücken. Es existiert eine U Bahn ( Subte), die älteste Lateinamerikas. Die erste der lediglich 6 Linien wurde bereits 1913 eingeweiht. Da das Streckennetz eher bescheiden ist, existieren daneben über 350 !!! Buslinien, die unermüdlich nebeneinander, hintereinander, durcheinander durch die Stadt rasen. Haltestellen, wie wir sie kennen? Pustekuchen, höchstens mal vereinzelt. Ansonsten kleinste Schilderchen an irgendeinem Laternenmast. Am einfachsten zu finden ist es, wenn man nach Menschenschlangen Ausschau hält, weil dort immer  hübsch ordentlich hintereinander die Fahrgäste warten. Nur welche Linie genau wohin fährt, bleibt das Geheimnis der Portenos ( wie die Argentinier, die in BsAs geboren sind, heißen). Da heißt es also fragen, fragen, fragen.

Aber Sonntag kann man keine Bustickets kaufen. Einen sogenannten Subtepass, auf den Geld aufgeladen wird,  nach Aussage unseres Hotels, auch nicht. Mit dem können dann alle Verkehrsmittel genutzt werden. Nur Subetickets werden am Sonntag einzeln verkauft. Blick auf den Stadtplan und hin zur Station „ Dos Boletos, por favor“. Antwort: diez Pesos. Was? 60 Cent ( nach dem offiziellen Umtauschkurs 1 Euro) für zwei Fahrkarten? Alle Achtung, das nenn ich mal subventioniert.

Hinein und ab gings. Das System stimmt mit Erklärung und Fahrzielen etc. haargenau mit dem uns bekannten überein.

An der Endhaltestelle, einer großen Bahnhof ähnlichen Station, kamen wir dann doch zu unserem Subtepass und konnten das erste Mal Bus fahren, nachdem uns die Linie genannt wurde. Hier wird übrigens allergrößter Wert darauf gelegt, dass zuerst die Alten, Kranken, Schwangeren und Mütter mit Kindern einsteigen. Das hat auch seinen Sinn, da kaum, das der letzte den Fuß vom Bürgersteig genommen hat, der Fahrer losrast und gleichzeitig die Tür schließt ( im Losfahren).

La Boca, hier der Caminito, ist wirklich wunderhübsch geworden, mit manch netten Hinterhöfen.

Tritt man aus der Touristenzone raus, sieht die Welt allerdings ganz anders aus. Wir sind offenbar in die falsche Richtung abgebogen und landeten in einer abgewrackten grauen Tristesse. Eine junge Frau, die uns mit ihrer Familie überholte, als wir den Stadtplan studierten, drehte um und gab uns den Ratschlag hier nicht weiter zu gehen, die Gefahr ausgeraubt zu werden, sei zu groß. Wir haben ihren Rat natürlich beherzigt. Eine unglaubliche Atmosphäre ergab sich in dem Viertel auch deshalb, da an diesem Tag ein großes Spiel von La Boca Juniors im Stadium, das sich natürlich auch in La Boca, mitten in der Stadt also, befindet, angesetzt war. Ein Riesenaufgalopp an Polizei und jede Menge Straßenstände, auf denen provisorisch für die Massen gegrillt wurde.

Danach riet uns der Reiseführer die Feria San Telmo zu besuchen. Die 1,8 km lange Straße Defensa in San Telmo ist dann zu beiden Seiten voll mit Trödel, Kitsch, Handwerk, Antikem, Tangobands und Pantomimen. In der Mitte die Plaza Dorrego, mit einem Antikstand neben dem anderen. Ich hatte zwischendurch schon überlegt Martin Spätabends wieder abzuholen. Am liebsten hätte er  jeden Antikstand umfänglich durchstöbert. Aber angesichts des Umfanges wären dafür wohl mehrere Tage nötig gewesen. Das ist nun auch unser ganz besonderer Tip! Keine Reise nach BsAs, ohne den Sonntag hier in San Telmo zu verbringen. Auch hier wieder einige toll restaurierte Hinterhöfe und neben den Ständen dann auch noch jede Menge toller kleiner Läden. 

Immer wieder fasziniert haben uns die „ Hundeausführer“. Ein richtiger Beruf hier in BsAs. Wir müssen allerdings auch sagen, dass wir das als fast schon Tierquälerei empfanden und für die Tiere, die dazu fast immer an der Leine sind, sicherlich ein Wahnsinnsstreß bedeutet.

Zwei weitere Highlights für uns waren der berühmte Friedhof Recoleta und die unglaubliche Buchhandlung El Ateneo. Recoleta hat letztlich für uns nichts mit einem Friedhof gemein. Es ist eine Ansammlung von Mausoleen mit prächtigen Bildhauerarbeiten. Unglaublich. „Evita“Peron ist hier natürlich auch beigesetzt.

Die Buchhandlung befindet sich in einem alten pompösen Theater. Ein Augenschmaus mit einer unglaublich tollen ruhigen Atmosphäre. Auf der Bühne befindet sich ein Cafe.

Auch der Stadtteil Palermo hat uns gut gefallen. Hier ist es ruhiger, als im übrigen Straßengetümmel, aber dafür wohl Abends die Hölle los, denn es findet sich hier die „ Szene“ für Nachtschwärmer. Ebenso aber auch jede Menge kleiner individueller Läden mit ausgefallenen Sachen. Mia, wenn Du nach BsAs fährst, nimm Dir hier ein Hostel. Wir haben hier in Palermo das beste (zweite) Frühstück gegessen, was wir je hatten. Der Preis halb so hoch, wie in der Innenstadt, dafür die Qualität aber doppelt so gut ( Mia aufgepasst „ Alaire“, gleichzeitig Abends wohl Superclub mit Salon, Calle Gurruchaga).

Was uns sehr beeindruckt hat sind „ die Mütter gegen das Vergessen“. In der Zeit der Militärdiktatur (1976-1983) bat Azucena Villaflor mit 13 anderen Müttern um eine Audienz bei Diktator Videla. Sie wollten erfahren, wo Ihre Kinder oder die in den Gefängnissen geborenen Enkelkinder sind. In der Zeit der Diktatur sind ca. 30.000 Menschen ermordet worden, tausende Schicksale blieben ungeklärt, Viele im Gefängnis geborene Kinder wurden zur Adoption an Linientreue abgegeben. Die Audienz wurde nicht gewährt, man befahl ihnen zu gehen. Das taten sie: sie gingen immer um die Piramide de Mayo herum. Symbol waren die weißen Kopftücher. Azucena Villaflor wurde nach einigen Monaten ebenfalls getötet.

Auch heute noch marschieren Mütter und Großmütter jeden Donnerstag um 15:30.

Heute sind auf dem Platz die weißen Kopftücher als Sinnbild aufgemalt. Auch in einer beeindruckenden Ausstellung zur Geschichte Argentiniens ist diese Zeit nicht ausgelassen worden.

Im Übrigen haben wir natürlich das normale Sightseeing Programm absolviert. Die beindruckende Avenida de Mayo, die auf einer Achse den National Kongreß, die Cathedrale und die berühmte Casa Rosada vereint, von deren Balkon Evita Peron ihre Rede ans Volk gehalten hat.

Andreas, in der Cathedrale Metropolitana hat Dein Papst 15 Jahre lang, bis zu seiner Wahl 2013, Dienst getan!!! Von außen wirkt sie allerdings eher wie ein griechischer Tempel! Von Innen aber unglaublich beeindruckend.

Fazit:

Wir sind froh, noch ein zweites mal nach BsAs gekommen zu sein. Es wäre schade gewesen, wenn unser erster, recht schwieriger Eindruck dieser Stadt bestehen geblieben wäre.

 BsAs ist eine spannende Stadt.

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Kommentare: 3
  • #1

    Randy (Freitag, 02 Oktober 2015 23:29)

    Danke, meine Lieben, dass Ihr an meinen Papst gedacht habt, der sicher aber Euch in seine Gebete einschließen wird! Das habe ich mit Wohlgefallen gesehen.
    Und ich habe auch die propere Freifrau gefunden, die sich in der U-Bahn versteckt hat :-). Zugegeben, Deine Hose schlabbert zwar nicht, aber sie scheint auch noch nicht unzumutbar zu spannen.

  • #2

    Büronachbar rechts (Samstag, 03 Oktober 2015 18:10)

    Schöner Bericht - aber drei Schälchen Futter als bestes Frühstück ever??? War wenigstens Champus dabei?!

  • #3

    Bärbel & Jens (Samstag, 03 Oktober 2015 23:42)

    Moin, wir sind gestern wie geplant in Buenos Aires angekommen. Haben ein Apartment in San Telmo in der Defensa gleich beim Mercado. Wir bleiben bis zum 7. Dann geht es zum Auto nach Uruguay.
    Gruß Bärbel & Jens