Ausgelernt

So, ich habe nun die Wochenration Spanisch hinter mich gebracht. Was für`n Streß. Und das ganz freiwillig.  

 

Juan, mein Lehrer,  hatte mir ja per Internet zugemailt, dass der Campingplatz  "ganz in seiner Nähe" geöffnet sei und wir uns dann dort am Sonntag träfen, um die Einzelheiten des wann und wie des Unterrichtes zu besprechen.

Ihr seht, ich bin schon super entspannt gewesen. Wer bitte hätte mir zugetraut, dass ich völlig "ins Blaue hinein" irgendwo auf einen Campingplatz fahre.

Erste Schwierigkeit, der Campingplatz war so gar nicht geöffnet. Nur die dortigen Hütten hätten gemietet werden können. "No Servicio" versicherte mir der nette junge Mann immer wieder. Tja, das antwortete ich ihm, wer will schon Servicio. Gibt es warme Duschen? " Si". Siehste, junger Mann, das reicht doch.  Also rein auf den Campingplatz und einen Platz gesucht. Wir müssen ja immer auf die Bäume und die Zweige achten. Aber das ging ( Martin hat einfach mit der Säge beim Reinfahren unbeobachtet etwas "Laubschnitt" betrieben).

Und dann kam punkt 15:00 Uhr Juan. Er teilte mir mit, dass ich ja nun derzeit seine einzige Schülerin sei und es ich nicht lohne dafür die Schule zu öffnen. Er habe noch Unterricht in Montevideo jeweils vormittags. Er würde mich also abholen um jeweils 15.30 Nachmittags, um mich dann mit in sein trautes Heim zu schaffen. Rückfahrt natürlich inklusive. Und so lernte ich dann in der Woche seine supernette Frau und die kleine Tochter auch noch kennen. Ein echter " Privatunterricht" also mit Fahrservice. Neben den zwei Stunden musste ich dann noch ca. drei Stunden Hausaufgaben bewältigen. Aber es hat sich gelohnt. Endlich habe ich mal im Zusammenhang vieles verstanden, was mir vorher irgendwie nicht so eingängig war.

Martin musste sich in der Zeit um " Haus und Hof" kümmern. Zum Glück hatte er seine Blaumannhose dabei und ein geliehenes Fahrrad. Uns war schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass die Treppenstufe im Eingang so komisch hoch kam. Tja, ein .... " Wasserschaden". Martin hat nicht locker gelassen, sondern das wunderbar repariert. Er musste dafür mit seinem Radel sonstwohin fahren, um ein Holzbrett zu besorgen und die passende Farbe. Hier der Arbeitseinsatz:

Nun haben wir also schöne schwarze, herausnehmbare Stufenbretter in der Liesel. Als Übergangslösung ganz großes Kino.

Um Wasser zu sparen und um Martin damit eine Freude zu bereiten, habe auch ich tapfer in den völlig maroden Campingduschen geduscht. Die ersten zwei Tage wirklich superheiß, dann plötzlich nur noch geahnt lauwarm. Junger Mann, hatten Sie nicht was von heißem Wasser gesagt? Zack, Brühwursttemperatur wieder da.

Plötzlich rannte ein ganz merkwürdiges Tier an Martin dicht vorbei. Bekam offensichtlich den Schreck seines Lebens, hatte es doch auf dem völlig vereinsamten Platz niemanden vermutet und stürzte sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Baum hoch. Da saß er dann:

Kann uns mal jemand behilflich sein, wer und was das ist?? Süß isser ja, der kleine Schelm.


Wir brachen dann sofort Freitag Mittag auf, nachdem ich Juan davon überzeugen konnte, dass ich Freitag dann aber gerne vormittags meinen letzten Unterricht hätte.


Es ging gen Argentinien. Zwischenstopp legten wir ein in Colonia del Sacramento, einer kleinen Stadt mit einer wunderschönen, gehegten und gepflegten Altstadt. Genau gegenüber Buenos Aires auf der anderen Seite des Rio Plata gelegen. Wir überlegten kurz, ob wir von hier aus mit der Fähre nach BsAs übersetzen sollten, das war uns dann aber zu teuer. So mussten wir leider noch ca. 150 km weiter gen Norden zum nächsten Grenzübergang (mit Brücke über den Fluss) fahren, um dann auf der argentinischen Seite die gleich Strecke wieder zurückzufahren. Hier übrigens wieder das gleiche Spiel mit der Lebenskontrolle. Streng, sehr streng sollte diese auf argentinischer Seite erfolgen. Iß, Martin. Nun stell Dich nicht so an. So ein paar Mandarinen und Pflaumen wirst Du ja wohl schaffen, oder soll das alles bei den gierigen Zöllnern landen? Käse geht auch noch rein.... Und- wieder nichts. Nichts als superfreundliche Zollbeamten, die permanent lächeln, das Reiseprojekt prima finden und denen es völlig egal zu sein scheint, ob und was wir mit ins Land bringen. So lobe ich mir das. Gastfreundschaft war ja schon immer ein hohes Gut. Hier nun ein paar Fotos von Colonia,  wir uns dann am Abend dem Trunk mit einem super leckeren Rotwein hingegeben haben. Tannat ist hier in Uruguay die! Traube.

Wir haben nun also Uruguay verlassen. Für uns ist Uruguay:

Das Land der Oldtimer, die nicht exportiert werden dürfen.

Das Land der grünen Papageien, die hier wie Spatzen leben.

Das Land der Küste mit wunderschönen Stränden und Dünen, aber sonst wenigen Hotspots.

Das Land der Felder soweit das Auge reicht und Rinder, Rinder,Rinder. Uruguay hat insgesamt lediglich rund 3,4 Millionen Einwohner!

Das Land Das Land der Geisterstädte im Winter an den Küsten.

Das Land des Bankgeheimnisses, wie es uns ein Uruguayer anvertraute.

Das Land der Reetdachhäuser in noblen Küstenorten, ähnlich wie Sylt.

Das Land der Einarmigen. Der zweite Arm hält die Thermosflasche mit dem heißen Wasser für den Mate Tee fest an die Brust gedrückt. 


Uruguay hat uns gut gefallen. Alle Menschen sind uns auch hier stets super freundlich begegnet und waren alle sehr interessiert. Es freut doch immer, wenn Autofahrer laut hupend an uns vorbeifahren und uns zuwinken und den Daumen nach oben strecken. Würde bei uns doch keiner machen, und wenn er etwas noch so toll fände.


Nun genießen wir aber erst einmal einige Tage in Buenos Aires in einem wunderschönen Hotel. Liesel ist gut untergebracht auf einem Privatplatz 40 km entfernt. Das Wetter ist schön. Jetzt wollen wir diese Stadt noch einmal besser kennen lernen. Ich werde davon berichten.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Astrid (Sonntag, 27 September 2015 16:24)

    Hallo Andrea, Hallo Martin!
    Ihr hab ein Opossum gesehen, der kleine Kerl gehört zu den Beutelratten, und leb in Amerika, Kanada, Australien und Argentinien. Eigentlich sind sie nachtaktiv, freut Euch über das tolle Foto!! Die kleinen Kerlchen sind Allesfresser mit einem Raubtiergebiss ausgestattet, also nicht die Finger hinhalten ;-) !!
    Wir bleiben dran und freuen uns auf die nächsten Bericht!
    Ganz liebe Grüße Astrid

  • #2

    Edel (Sonntag, 27 September 2015 20:13)

    Liebe Andrea, lieber Martin, das ist wieder ein super Bericht. Nach unseren Internetrecherchen würden wir sagen, daß der Kleine aus der Familie der Waschbären stammt. Wir können einen buschigen Schwanz erkennen und auch die Gesichtszeichnung würde passen.

    Wolfgang haben natürlich die tollen Oldtimer am besten gefallen.

    Wir freuen uns auf Buenos Aires - viel Spaß.
    Edel und Wolfgang