gechillt die uruguayische Küste herunter

Nachdem das Zahnproblem gelöst war, ging es wieder südwärts.

Die Strecke von Porto Alegre in Brasilien bis zur Grenze nach Uruguay ( Chui ) kann mit Fug und Recht als superöde bezeichnet werden. Über fast 200 km eine schnurgerade Straße auf so einer Art Damm in einem Feuchtgebiet. Allein die Tierwelt war grandios. Ich habe das mit der kleinen Kamera beim Fahren nur schlecht einfangen können. Stehenbleiben ist nicht. Seitenstreifen null und von hinten drängeln die rasenden LKW. Es gibt dort unglaublich viele Kolonien von Wasserschweinen. Leider nicht nur auf den Feldern, sondern auch tote Tiere auf der Straße. Traurig anzusehen. Ich habe aus diesem Grunde aber auch erstmalig Geier gesehen. Sogar auf einem Gelege ( das Foto ist sehr unscharf). Die haben sich offensichtlich ob dieser Futterquellen dort angesiedelt. Auch Störche gab es zu Hauf.

Übernachtet haben wir traumhaft schön an einer Lagune, die endlich einmal abseits der Straße zu finden war. 

Vor der Grenze zu Uruguay hieß es dann  erst einmal „ Essen fassen“. Will man doch den Zöllnern nichts schenken. Bei der Einreise nach Uruguay gibt es nämlich offizielle Lebensmittelkontrollen. Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch darf nicht rein. Nur im gekochten Zustand. So steht es im Internet. Also egal ob Appetit oder nicht, jetzt rein mit dem Obstsalat und dem gesamten restlichen Joghurt. Der Broccoli und die Tomaten verschwinden roh „ untergemischt“ im Eintopf. Martin versteckt „listig“ seine geliebte Salami in der Heckgarage. Oha. Die haben angeblich an der Grenze auch Suchhunde! Will ich wegen einer dämlichen Salami eingeknastet werden?

Anfahrt an die Grenze. Erst mal zur Migration. Ausreisestempel besorgen. Dann weiter zur uruguayanischen Seite. Migration aufsuchen. Einreisestempel und temporäre Einfuhrerlaubnis für die Liesel holen. Dann auf den Zoll zugefahren – diesmal hatten wir unseren Teppichboden schon mal entfernt- und durchgewunken. Was? Jetzt hatte ich mich so schön auf die erste Lebensmittelkontrolle meines Lebens vorbereitet.

Kurz hinter Chui ( 35 km südlich) fuhren wir dann in den Parque Santa Teresa. Ein riesiges Gelände von mehreren Kilometern Länge direkt an der Küste. Es handelt sich um militärisches Gebiet, das aber – warum auch immer- eine Alliance mit Touristen eingegangen ist. Es ist umzäunt und man fährt durch ein von Soldaten bewachtes Tor. Auf dem wunderschönen Gelände gibt es etliche km Wanderwege, diverse Strände und 8 Campingareale mit sage und schreibe 2500 Zeltplätzen und diversen Hütten. In der Wintersaison ist alles leer! Es waren außer uns nur noch eine Zeltgruppe von Surfern und eine Familie vor Ort. Die Familie bestand aus den Eltern und drei kleinen Kindern von ca. 2, 3 und 5 Jahren. Mit einem „Landrover“ mit Dachzelt !!! wollen sie zwei Jahre letztlich die gleiche Strecke fahren wie wir. Unglaublich. Bis zum Schluss haben wir uns gefragt, wo die bloß alle fünf schlafen. Der arme Vater begann schon morgens in aller Frühe mit dem Sammeln von Feuerholz um vor dem Auto ein Lagerfeuer zu entfachen, das dann den ganzen Tag brannte. Die armen Würmer mussten dann den ganzen Tag wie Rauchwürstchen draußen vor dem Feuer verbringen. Es war wohlgemerkt superkalt! Zwar sonnig, aber ein schneidiger, eiskalter Wind. Die irren Eltern haben die Lütten sogar vor dem Auto in der Kälte mit kaltem Wasser aus dem Wasserhahn geduscht. Ich weiß ja nun nicht, ob man das mit der Reiserei nicht auch etwas übertreiben kann. Die Familie erzählte Martin sie seien erst zwei Wochen unterwegs. Ob das wesentlich mehr werden wage ich zu bezweifeln.

Wie es sich für gute Deutsche geziemt, die ja auch immer in erster Reihe am Pool oder am Strand liegen wollen, hat Martin die Liesel so platziert, dass wir zwar gerade noch in der Campingzone waren, aber auch das Meer schon sehen konnten. Beim Walbeobachtungsposten ( von August bis September soll es Wale vor der Küste geben) hatten wir allerdings kein Glück, obgleich wir mit Decke und Tee angerückt waren. 

Dann gings weiter zum Punta de Diabolo. Einem trendigen Surferhotspot in einer Superlage zwischen zwei Buchten. Die Dünen vermitteln immer wieder ein bißchen Dänemark Feeling, wären da nicht die Palmen. Die Fischkutter bringen hier täglich frischen Fisch, den wir super lecker in einem kleinen Restaurant mit Blick auf die tosenden Wellen genossen haben. Der Wirt hat sich lange mit uns unterhalten. Er erzählte, dass er in der Zeit der Diktatur auf Kuba weilte, seine Mutter in Andorra und seine Schwester seitdem in Rostock lebe. Zwei weitere Geschwister seien in der Zeit ins Gefängnis gekommen und nicht mehr aufgetaucht.  Ich bin in solchen Situationen immer wieder froh, dass ich mir die Mühe gemacht habe zumindest so viel Spanisch zu lernen, dass einfache Unterhaltungen möglich sind. Schon ein großer Unterschied zu Brasilien.

 2 Nächte verbrachten wir dann auf einem super Stellplatz  mit dem tosenden Meer in den Ohren und grandiosen Sonnenaufgängen. Fußläufig zum Örtchen und genau über dem Strand.

Hier ein paar Fotos der Umgebung. Bei unserem gestrigen Spaziergang am Strand der nächsten Bucht, die man auch zu Fuß erreichen kann ( Playa Grande, ca. 5km lang) schwamm dann doch tatsächlich ein kleiner Seelöwe genau neben uns her in nur ca. 10 Meter Entfernung. Natürlich hatte ich da mal ausnahmsweise keine Kamera dabei.

Insgesamt bemerken wir nun, wie viel Zeit tatsächlich mit Organisation benötigt wird, die für uns zu Hause so selbstverständlich da ist. So müssen wir immer irgendwo Wasser zum Auffüllen des Wassertanks finden. Auch das Wäschwaschen außerhalb der Saison ist schwieriger als gedacht. Die örtlichen Laundrys haben wohl nur im Sommer geöffnet. Wir waschen daher viel per Hand und müssen dann die Stehzeit so kalkulieren, dass die Wäsche auch trocken wird. Auch das Einkaufen funktioniert natürlich anders, da der uns zur Verfügung stehende Platz beschränkt ist, insbesondere im Kühlschrank. Auch können wir nicht einfach zum Supermarkt „ um die Ecke“, sondern müssen diese immer erst suchen. Mit der dicken Liesel in den oft kleinen Straßen immer wieder eine Freude. Banken halten sich vor uns im Übrigen immer sehr gut versteckt. Die Biester wollen sich uns einfach nicht zeigen. Hat man dann son Ding gefunden, akzeptiert es die bösen Ausländischen Karten nicht. Will nur einheimische Kost. Zwei Tage mussten wir daher schon mal mit nur 700 uruguayanischen Pesos überstehen ( ca. 23,00 Euro). Geht auch. Endlich isst man dann mal das an Vorräten, was immer wieder nach hinten geschoben wird.

 

Und dann- beim Schreiben dieses Artikels- hat Martin am Strand ein totes Walbaby gefunden. Winzig. Wohl eine Totgeburt. Wir haben die Walherde dann auch tatsächlich mit dem Fernglas sichten können. Was für ein Erlebnis! Die glitzernde Sonne auf dem Wasser und die Riesentiere, die regelmäßig hoch kamen. Toll. Davon werden wir dann hoffentlich in Argentinien auf der Halbinsel Valdes noch mehr und näher sehen können.


Bis zum nächsten Mal. Liebe Grüße an Euch alle

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Kommentare: 2
  • #1

    Astrid und Jürgen (Dienstag, 15 September 2015 15:55)

    Hallo Ihr Wanderfalten,
    was sind das tolle Fotos, wir sind beeindruckt!!! Und ein bischen neid ist auch dabei, ich geb es zu, vor allem mit der Tierwelt vor Ort... Ich hoffe sehr , dass Ihr richtig toll Wale beobachten könnt, das ist einfach riesig diese Tiere mal zu sehen (haben in Kenia welche neben unserem Boot gehabt). Wir drücken Euch ganz fest die Daumen!!!! Ganz liebe Grüße

  • #2

    Pietz aus Niebüll (Freitag, 18 September 2015 18:13)

    Hallo Ihr Lieben,
    es ist gut, dass Ihr gerade an der östlichen Küste Südamerikas seid. Das Erdbeben und den Tsunami an der Küste Chiles hat Euch nicht betroffen.
    Weiterhin gute Fahrt!