Hier fallen wir gar nicht auf

Unser Weg setzt sich fort. Von Pommerode über Blumenau zu unserem eigentlichen Ziel "Florianopolis", bzw. der Insel Ilha de Santa Catarina.

Zuerst führte unser Weg natürlich nach Blumenau. Als Deutsche geradezu ein Pflichtprogramm.  Blumenau ist die wohl deutscheste Kolonie ganz Brasiliens ( es sind die Brasilianer selbst die es immer Colonia) nennen, nicht etwa wir in einem Anflug von Rückschrittlichkeit. Hier wird das weltweit größte Oktoberfest - nach München - gefeiert. Es fällt auch wirklich stark ins Auge, dass hier im Süden Brasiliens sehr viele Brasilianer leben, die so gar nicht in unsere Vorstellung " des Brasilianers" passen. Groß, blond und blauäugig. In den Süden Brasiliens sind eben auch hundertausende Europäer - vor allem im 19..Jahrhundert - eingewandert.

Es ist schon wirklich befremdlich mit so viel "deutsch" in Brasilien konfrontiert zu sein. Grundsätzlich wird man natürlich auf portugiesisch angesprochen, was wahrhaft und wirklich total unverständlich ist.

Hier haben wir dann manchmal wirklich das Glück auf "deitsch" angesprochen zu werden. So auf unserem Übernachtungsplatz in Pommerode. Ein Bauarbeiter kam hier mit Martin ins Gespräch. Das hier gesprochene Deutsch ist aber im 19. Jahrhundert stehen geblieben, bzw. oft pommersches Platt.  Er erzählte Martin stolz, dass er bereits bei einem Schuhplattlerwettbewerb in München gewesen sei. Sieh an, hätte man das gedacht?  Es fühlt sich komisch an. So weit weg und gleichwohl sowas:

Entsprechend der Einwanderungen existieren  wo immer man hinschaut deutsche Namen in lustigen Zusammenstellungen, wie z.B. Eduardo Kessler. Ich würde sagen gefühlt jedes zweite Werbeschild an der Straße führt einen deutschstämmigen Namen.


In Blumenau hat Martin dann für sich diese "Fahrballerinas" erstanden. Quasi Schläppchen aus Leder. Er versichert mir, dass er damit doch erheblich besser fahren könne. Ehrlich gesagt ist er glaube ich nur zu faul die Schnürbänder an seinen Turnschuhen zu binden. Es fängt also schon an der Schlendrian. Hoffentlich muss ich ihm jetzt nicht immer befehlen auch mal die Shorts zu wechseln. Wenn Martin sich einmal in irgendwas so richtig wohlfühlt....

Mit diesen Fahrschlappen an den Füßen ging es dann weiter Richtung Etappenziel Florianopolis oder Floripa, wie die Einheimischen Ihre Insel nennen. Eine Anlehnung an Florida habe ich mir sagen lassen.

Auf dem Weg dahin wollten wir noch flugs einkaufen und steuerten einen Riesensupermarkt an.  Flugs, schnell oder effizient sind hier aber Worte, die völlig unbekannt sind. Jede/r Kassierer Brasiliens würde nicht einmal einen Probetag in Deutschland überstehen. Aldivorgesetze wahrscheinlich sogar einen tödlichen Herzschlag erleiden. Es ist nicht so, wie wir es in Spanien kennengelernt haben, dass die Kassiererin mit den Kunden vergnügliche längere Gespräche führt, nein, hier sind die Mitarbeiter an den Kassen offensichtlich nach besondere Langsamkeit in der Bewegung und Ausführung ausgewählt worden. Diese Kasse und Kassiererin war allerdings der Gipfel. Ich schwöre, wir haben über 15 Minuten angestanden hinter nur einer Person vor uns! Wie das fragt man sich? Tja, hier wurde noch mit Scheck bezahlt!! Dieser musste von der Kundin ( für die der Einkauf möglicherweise völlig überraschend über sie kam?) erst einmal ordentlich Buchstabe für Buchstabe in Schönschrift ausgefüllt werden. Dann hat die Kassiererin all diese Buchstaben und Zahlenkombinationen langsam und bedächtig in ihre Kasse eingeben und nach fünf Fehlversuchen endlich geschafft. Hoho dachte ich- schon kurz davor die Alte anzukreischen, jetzt gehts weiter. Nee, denkste Puppe. Nun musste die Tante vor uns erst einmal mit dem Scheck zu einem gesonderten Stand gehen und sich den dort wohl irgendwie freischalten lassen. Ich war kurz davor meine Sachen auf dem Band liegen zu lassen und zu gehen. Aber nein, ich hielt durch. Nein, nein und nochmal nein. So langmütig werde ich auch nach Jahren des Reisens nicht werden. Ich darf hinzufügen das selbst Martin kurz vor Explosion stand.

Unsere nächste Übernachtung planten wir erst einmal auf der Halbinsel Bombinahs. Das sich durch eine nicht ausgeschilderte Umleitung bei einer Baustelle auszeichnete. Super das, wenn man plötzlich auf eine ubefestigte Sandpiste mit der dicken Liesel geleitet wird und dann die Schilder weg sind. Ein Dank an meine Skobbler App, die uns treu als Navi dient. Sie denkt zwar immer wir hätten einen Smart und legt all ihre Kraft darein uns die unmöglichsten und engen Abkürzungen fahren zu lassen, aber sie ist mir treu ergeben. Inzwischen höre ich bei Kleinstwegen auch nicht mehr auf sie.  

Wir kamen an dem Campingplatz an, den wir vorab mit der App Ioverlander gefunden hatten ( eine App von und für Overlander in Südamerika mit eingetragenen Stellplätzen etc). Zu. Nee klar. Die ganzen Holperpisten wieder zurück? Nein, Martin gibt so schnell nicht auf. Ausgestiegen und rumgeschnüffelt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er erschien mit einem total Betrunkenen im Schlepp. Dem Campingpaltzbeszitzer, der die Zeit bis zur Öffnung des Campingpatzes in der Saison wohl noch ordentlich ausnutzen wollte. Tara. Er war bereit den Platz exklusiv für uns zu öffnen. Schön haben wir gestanden:


Dann gings nach Florianopolis. Die Insel ist 420 Quadratkilometer groß und hat über 40 Strände und zwei riesige Lagunen im Inselinneren.  Campingplätze gibt es allerdings nur sehr wenige. Wir stehen nun an der Lagoa da Conceicao. Von hier aus sind wir dann bereits in die Hauptstadt Florianopolis und an einen ganz prima Strand gefahren. Busfahren in Brasilien ist nach wie vor ein Vergnügen. Egal wohin man fährt, es kostet immer 3,10 Reales. Also nicht einmal einen Euro. Die Verbindungen sind exzellent. Die Fahrer aber allesamt im Übungsprogramm zur ersten Formel eins für Busfahrer. Ungelogen. Wenn man steht schafft man es nur mit intensiven Geklammer an den Haltestangen die rasanten Kurven und Bremsmanöver unbeschadet zu überstehen. Wir schwangen wohl so extrem hin und her, dass uns doch tatsächlich ein junges Päärchen ihren Sitz angeboten hat!!! Wie peinlich ist das denn??? Martin, wir werden echt alt. Die Jugend bietet uns Sitzplätze an. Egal. Wir haben nicht nein gesagt. Hier wird das Alter eben geachtet.

In der Stadt geht es am Samstag vor allem in der Markthalle hoch her. Dort gibt es aneinandergereiht so kleine Läden, genannt Boxen. Dort berühmt die Box 32. Der Inschuppen am Samstag. Wir ergatterten ein Plätzchen und genehmigten uns Bier ( für Martin) und Cava für mich. Herrlich das. Auf der Straße fanden sich mehrere Männer zum Capoeira zusammen . So eine Art stylisierter Kampf mit Musik. Ich stelle nun einfach ein paar Bilder ein von der Lagune, dem Strand und Florianopolis.

Da hier an diesem schönen Wochendene mit bis zu 28 Grad die Hölle los ist haben wir uns entschieden einen Strandtag einzulegen und erst morgen wieder loszufahren an einen anderen Strand im Süden der Insel. Heute kämen wir mit unserer Dicken nicht durchs Gewühl auf den engen Straßen.

Also bis zum nächsten Blog...

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Kommentare: 2
  • #1

    Silke (Montag, 31 August 2015 22:10)

    Man muss auch jönne könne !
    Lieber Martin, die neuen Fahrballerinas sehen sehr bequem aus und machen einen extrem schlanken Fuss !

  • #2

    V. Christ (Dienstag, 01 September 2015 23:11)

    Hallo, freut mich sehr, daß Sie Ihr Klappenabenteur so glimpflich überstanden haben und weitermachen können! Text und auch die Fotos vermitteln einem sehr nahe, wie es Ihnen ergeht, und was sie erleben..weiterhin viel Freude und viele Grüße