Pleiten, Pech und Pannen...

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Das das so schnell wahr wird, hätten wir nicht gedacht...

Fangen wir mal von vorne an. Auf unserem schönen Campingplatz Paudimar in Foz do Iguacu waren wir mittlerweile mit 3 Wohnmobilen zugegen. 

Eines der Wohnmobile besetzt mit einer deutsch/argentinischen Familie, die sich durch besondere Landeskunde  hervor taten ( mich nervt so ein leicht überhebliches Gebahren aber immer ein wenig). Nun, gut. Also Martin befüllte unseren Wassertank und maulte herum, dass das ja nur tröpfchenweise ginge. Das stellte sich dann später allerdings gänzlich anders dar.

Martin wanderte wegen einer Frage zur von uns geplanten Tour zu dem Allwissenden und dieser war offensichtlich froh, ein gelehriges Opfer gefunden zu haben. Nur, das Wasser kam  doch nicht nur tröpfchenweise, sondern hatte mittlerweile unsere Liesel 4 cm hoch überflutet, inkl. der Teppiche, der Holzzwischenböden und der Lüftungschläuche ( die sind so aus ganz fester Pappe).

Ein Alptraum!!!!! Wir räumten innerhalb von Sekunden das Wohnmobil aus und versuchten den Wassermassen mittels 2 Feudeln Herr zu werden. Ich kam auf die Idee, die Liesel vorne hoch auf zwei Böcke zu fahren, um das Wasser wenigstens in eine Richtung zu treiben. Gesagt, getan. Aber das funktionierte so gar nicht, so dass wieder heruntergefahren werden sollte. Dafür musste Martin aber erst einmal rückwärts setzen, um die Böcke wieder raus zu ziehen. Tja, und dann geschah das richtige Dilemma.

Martin hatte vergessen, die Garagenklappe zu schließen. Diese stand im rechten Winkel ab, Martin setzt zurück, es gibt einen riesgen Knall und der Baum, der im Weg stand, riss die Klappe vom Fahrzeug!

 

Da haben wir beide wirklich fast geheult. Auto voller Wasser und Totalschaden an der Klappe. So sah sie aus:

 

Ich war fertig. So eine Sch..... Jeder, der mich kennt, hat jetzt sicher erst einmal spontan Mitleid mit Martin. Auch meine Familie, die über WhatsApp Bescheid wusste, sprach vor allem begütigend auf mich ein. Das kann doch jedem passieren.... Danke insoweit an Alle. Das hätte sonst vielleicht schnell zum Ehedrama mutieren können.

Der Platzhausmeister half Martin dann erst einmal die halb abgerissene Klappe zu entfernen und gab ihm Folie, um die Garage zu verkleben. Dies geschah dann mit Hilfe von Tomas und Karin, die neben uns standen. Die beiden kannten wir ja schon aus Uruguay vom Stellplatz Paraiso Suizo.

Leider war Samstag. Nichts zu machen vor Montag. Wir haderten wirklich mit der Situation und waren wirklich geneigt die Tour abzubrechen. Die Liesel nackig, feucht und kaputt. Alles irgendwo auf die Betten geschmissen. Ekelhaft.

Karin und Tomas taten ihr Bestes, um uns zu beruhigen.  Unruhige Nacht verbracht. Am Sonntag entschlossen wir uns dann erst einmal zu viert in die Stadt zum Markt zu fahren. Natürlich mit dem Bus.

Das ist nicht nur supergünstig, sondern auch sehr lustig. Die Busse haben hier tatsächlich beim Einstieg ein Drehkreuz, wo ein Kassierer/in sitzt und einen erst durchlässt, wenn man bezahlt hat.  ich stelle mir das System gerade mal vor in Hamburg, morgens um 8:00 in der Metrobuslinie 5. Großartig. Dazu noch das brasilianische Arbeitstempo und man würde so ca. 30 Minuten vor dem Bus rumlungern, bis alle drin wären. Dafür gibt es allerdings hier keine Chance zum Schwarzfahren.

Der Markt war prima. Karin und ich kauften Gemüse, da wir Abends in unserer " Gemeinschaftsküche", die die Ausmaße eines Balettsaals hat, gemeinsam zu kochen.

Erstaunt nahmen wir zur Kenntnis, dass wir immer alle Gemüsesorten nehmen und in eine gesonderte Plastiktüte stecken sollten. Das Geheimnis war schnell geklärt. Man zahlte pro Tüte. Den stolzen Preis von 1 Real. Angesichts des Kurses von 3,8 Reales pro € kann man leicht errechnen, wie super billig hier z.B. ein Salatkopf oder ein Bund mit 4 kleinen Kohlrabi ist.

Auch die Jungs schlugen zu, bei merkwürdigen Würsten oder auch eingelegten Perlhuhneiern, die suuuuuper köstlich waren.

 

Das war wirklich ein supernetter Tag, auch wenn wir natürlich unser Problem immer ein wenig im Hinterkopf hatten.

Es nahte der Montagmorgen. Unsere Dame von der Rezeption versah uns mit einer Adresse einer Werkstatt, einem Stadtplan und ihrer Telefonnummer, damit sie jeweils übersetzen konnte.

Das war auch absolut notwendig. Ich hätte ja nie für möglich gehalten, dass die Brasilianer selbst so dicht zur argentinischen und paraguayanischen Grenze kein Wort - und ich meine kein Wort - spanisch sprechen oder verstehen ( an dieser Stelle: Mia, da solltest Du noch mal ordentlich reinhauen mit deinem Portugiesisch lernen) von englisch ganz zu schweigen! Das können noch nicht einmal die Mitarbeiter an den touristischen Attraktionen. Nur unsere Dame an der Campingplatzrezeption. Was ein Glück.

Nun, ja. Die erste Werkstatt schickte uns ebenso weiter, wie die zweite Werkstatt. Wir landeten bei einer "Aluminiumwerkstatt". Diese nahmen sich dann nach nicht geringem Zögern dem ekligen deutschen Problem an. Mit Hilfe meines Übersetzunsprogrammes und mit Händen und Füßen versuchten wir alles zu erklären. Wir sollten dann erst einmal für 2 Stunden von dannen ziehen. Wir schleppten uns also durch so eine Art Industrieviertel. Nach unserer Rückkehr war die Werkstatt fest verschlossen und verrammelt. 

Martin in Warteposition.

Natürlich, Mittag, wir hatten damit ja nun ausreichend Erfahrung nach der Grenze. Klar, das Heiligtum aller Südamerikaner. Nein, nicht ganz, einer scherte aus der Truppe aus.

Es kam ein super freundlicher Herr und redet uns auf gebrochenem Englisch an. Ich versuchte es noch einmal auf spanisch, und siehe da, das sprach er fließend. Er erklärte uns, dass die Mannschaft essen sei. Er wohne ganz  in der Nähe und sei mit dem Werkstattleiter befreundet. Dieser habe ihn gebeten uns das zu sagen und wir könnten gerne bei ihm die 150 Reales ( war vorher tatsächlich so mit der Werkstatt vereinbart) zahlen und wegfahren. Hätten wir auch gemacht, wenn Martin die Heckklappe irgendwie hätte öffnen können. Das ging aber nicht. Nachdem wir alle drei daran rumgefummelt und gezerrt und  gezogen hatten, meinte auch der freundliche Herr, es sei wohl besser, auf die Öffnung der Werkstatt zu warten. Er könne aber gerne mit uns herumfahren. Er habe Zeit und er sei ohnehin im Tourismusgeschäft. Ob wir etwas benötigen würden.

Wir reagierten natürlich erst einmal so richtig deutsch. Hoho, da will er womöglich an uns noch ordentlich was verdienen? Aber wurscht, ich hatte wirklich zwei Probleme. Problem eins: ich hätte gerne eine Personenwaage. Irgendie erscheinen die Hosen kleiner und das möchte ich dann doch nicht zwei Jahre ungebremst fortführen. Problem zwei: Wie " ich Robinson, Du Freitag" hatte ich eine Sim Karte ohne ein Wort des gegenseitigen Verstehens gekauft. Nur mit Händen, Füßen und wie bei dem Spiel Activity mit aufmalen!!! Ich sollte also 800 MB für 30 Reales erworben haben. Nur, immer wieder bekam ich so portugiesische SMS, in denen mir freundlich mitgeteilt wurde, dass ich 50 MB pro Tag erreicht hätte und damit sei dann leider bis zum nächsten Tag Ende im Gelände! Nix Internet mehr für den rest des Tages. Also fuhren wir los. Problem zwei klärte sich im Telefonladen schnell. Tja, das sei nun mal bei Prepago so. Bei 50 MB pro Tag sei eben Ende. Leider würde es auch zählen, wenn man über Wifi ins Netzt ginge. Das liefe dann eben nebeneinander her?????? Ok. Damit war klar. Immer schön die mobilen Daten aus stellen, bei Wifi Empfang.

Problem eins entpuppte sich echt als kurios. Es gibt in Brasilien keine Personenwaagen. Die Brasilianer gehen nur zur Farmacia und wiegen sich da. Oder auch nicht erscheint es uns eher angesichts der munter zur Schau gestellten Körperfülle. Je draller, desto eng.er die Kleidung.

Nach mehreren Versuchen, dem Vorschlag von Daniel ( so heißt er) uns gar über die Grenze nach Argentinien zu fahren ( dort im Duty Free Shop hätte mal einer eine Waage gekauft), kam dann der entscheidende Tipp. Ich habe jetzt offensichtlich die einzige Personenwaage Brasiliens.


Nach unserer Rückkehr mühten sich die Mannen noch immer mit der Heckklappe.

Links Daniel. Ich bitte den Einsatz insbesondere des jungen Mannes zu beachten, der sich sogar in die Heckgarage begab. 

Letztlich stand fest: Es muss eine völlig neue Klappe hergestellt werden. Diese sollen wir morgen um 11:00 Vormittags abholen. Wäre super, wenn das klappt, auch wenn sie uns nur eine weiße Klappe anbieten können. Egal, Hauptsache fest verschließbar und wasserdicht.


Daniel hat sich übrigens standhaft geweigert irgendwas zu nehmen. Nein, es habe ihn sehr gefreut, Touristen zu treffen, die Hilfe bräuchten, das sei in seinem Land selbstverständlich. Er war geradezu etwas böse, dass wir ihm etwas anbieten wollten. Tja, das ist schon ein Megaunterschied zu Deutschland. Mag sein, dass hier nicht alles so goldig glänzt und wesentlich einfacher ist. Aber das scheint der Einsatz - auch für Fremde - wieder wett zu machen.


Insgesamt ein tolle Erfahrung, die wir ohne unser Unglück vielleicht nicht gemacht hätten. Wir sind jetzt aber beide nichts desto trotz sehr erschöpft und hoffen darauf, dass die neue Hecktür morgen passt.


Wir werden dann morgen aufbrechen nach Rio Grande do Sul, an die Küste, hier insbesondere Florianapolis.

Bis dahin...

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Kommentare: 6
  • #1

    Edel (Dienstag, 25 August 2015 10:26)

    Ich drücke ganz doll die Daumen für die Rückklappe. Dieser Bericht erinnert mich an unsere ersten Reisen nach Spanien in den 70igern. Da wurden Radlager auf der Straße repariert und wir haben mit unserem Ford Capri immer hilfsbereite spanische Hände gefunden.

  • #2

    Wolfgang Walther (Dienstag, 25 August 2015 11:15)

    Die werden das bestimmt hinbekommen. Und falls wieder einmal Wasser im Fahrzeug sein sollte - im Fahrzeugboden sind sicher einige Wasserablaufstopfen. Rausziehen und warten.
    Ich drück auch schon kräftig die Daumen.
    Lieben Gruß aus Rahlstedt
    Wolfgang

  • #3

    Die Nachbarn (Dienstag, 25 August 2015 11:42)

    Moin aus der Dänischen Südsee,
    na da kommt ja alles zusammen!!!!!!
    Bei uns auf dem Boot gibt es für so etwas eine Bilgepumpe. Vielleicht kann die Werkstatt Euch ja noch eine einbauen :-)
    Wir sind Do wieder Zuhause und schauen nach dem Rechten.
    Beste Grüße von Euren Nachbar und weiterhin eine schöne und positiv spannende Reise
    Sandra Andreas Johanna Paul und Lotte

  • #4

    Regina (Dienstag, 25 August 2015 16:13)

    Liebe Wanderfalten.
    Edel hat die Grüße ausgerichet und da wollte ich mich doch auch als Fan outen. Jeden Tag kleben wir gespannt vor dem Bildschirm, um zu sehen, ob und was es was Neues gibt. Schon gleich am Anfang soviel Aufregung und ich dachte immer, dass es in Brasilien ruhig und entspannt zugeht und man den ganzen Tag Samba tanzt!
    Viel Glück und spaß auf der Weiterreise
    Liebe Grüße Regina (SSPler)

  • #5

    Silke & Jan (Mittwoch, 26 August 2015 10:43)

    Hallo A&M,
    das ist ja Spannender als jeder Krimi - Silke lies kaum noch Bücher, sondern nur noch Eure Abenteuer-Berichte ... mit den wunderschönen Bilder/ Filme der Wasserfälle!!!
    Liebe Grüße und alles gute Euch weiterhin ... S&J

  • #6

    Pietz aus Niebüll (Mittwoch, 26 August 2015 20:55)

    Moin Ihr beiden Lieben,
    beim Lesen dieses Pannenberichts habe ich echt mitgelitten.
    Als ich vor vielen Jahren mein Haus baute, sagte mir Martin, dass jeder Bau `Anekdoten´ braucht.
    Ich denke, dies kann auch auf Reisen zutreffen. In diesem Sinne: never give up!!
    Liebe Grüße von Pietz.