Vom Paraiso Suizo zu den Termas

Regen, Regen, Regen....

Sauwetter das. Da hätte man ja gleich zu Hause den Herbst genießen können.

Die Kübelei hatte ja zu einem Wassereinbruch in der Liesel geführt. Martin hatte frei nach "Schwester tupfen" bis tatsächlich in die Nacht hinein 10 Rollen Küchentücher verarbeitet, um den Kampf gegen das eindringende Regenwassr zu gewinnen. Hat er ! Hut ab. Mir war inzwischen schon alles wurscht. Um 01:00 Nachts hörte der Regen- was sag ich- stundenlanges Geschütte auf und Martin konnte auch ein paar Stunden schlafen. Morgens dann die Spritzpistole mit irgend so einem Bombenklebezeug herausgeholt. Ok. Nee, klar, sieht jetzt irgendwie komisch aus bei uns hinten am Fenster, aber absolut trocken jetzt.

Der Donnerstag bleib trocken. Wir wanderten also ein wenig herum und mussten feststellen: Wir sind offensichtlich nur bis Dänemark gekommen. Das hätten wir ja nun auch einfacher haben können:

Abends hatten wir uns dann mit den anderen Wohnmobilisten zum Essen getroffen im Restaurant von Heinz und Silvia. Diese kommen aus der Schweiz und haben das gesamte Areal vor 20 Jahren gekauft. Nun sind darauf diverse Häuser und Anlagen gebaut. Die beiden hatten dann vor 3 Jahren ein Herz für Reisende und haben einen Platz geschaffen, wo müde Wohnmobilfahrer mit und ohne Schäden am Auto verharren können. Die beiden kochen auch, wenn man dies vorab bestellt.

Mir fällt auf, dass wir hier in Südamerika unseren Nachnamen verloren haben. In der „Overlander“ Szene existieren nur die Vornamen. Ich bin der Peter…. Bei meinem miesen Namensgedächtnis kommt  mir das aber gerade recht. Das kann ich mir dann sicher einfacher merken. Aber ich bin auch hier gewappnet. Ich trage mir die Namen, Handy und email Kontaktdaten einfach in ein Büchlein mit irgendwelchen Erkennungsmerkmalen. Das ist wichtig, da man sich offensichtlich irgendwo auf der Tour wiedertreffen wird. Alle haben zumindest das ungefähre Ziel gegen Ende des Jahres in Feuerland zu sein. Haha, und dann komme ich ganz groß raus mit meiner Namensliste.

Am Freitag haben wir uns dann im wiederum strömenden Regen entschlossen abzufahren. Erst einmal nach Piriapolis, um dort in einer kleinen Gasfüllstation einen Adapterschlauch zum Befüllen der deutschen Gasflaschen zu kaufen. Natürlich ein Tipp eines Wohnmobilfahrers vom Paraiso Suizo. Schön selbstgedängelt und in Deutschland wahrscheinlich geeignet die Behörden auf den Plan zu rufen. Von Din Norm und solchem Quatsch kein Spur.

Dort haben wir dann einen großen Supermarkt um einiges erleichtert und fuhren weiter nach – ja, wohin denn nun in diesem Mistwetter?  Eigentlich wollten wir immer an der Küste entlang fahren und über Südbrasilien zu den Iguazu Wasserfällen. Das erschien uns aber angesichts der vielerorts bereits bestehenden Überflutungen und des tiefen niedrigen  Gebietes an der Küste unschlau.

Also Planänderung. Her mit der Karte und dem Reiseführer. Wir haben uns dann auf den Weg gemacht quer durch Uruguay auf die Westseite. Dort gibt’s es jede Menge heiße Termalquellen. Genau das richtige bei diesem Schietwetter.

Die Stimmung war langsam irgendwie auf dem Tiefpunkt. Ja, ok, bei mir war sie auf dem Tiefpunkt. Aber nützt ja nu nichts. Bewaffnet mit unserer Skobbler App zum Navigieren suchten wir den Camping Muncipal in Santa Lucia für die Zwischenübernachtung.

Ganz großes Kino. Da sitzt doch tatsächlich so ein armer Mensch in einem kleinen Wachhäuschen mit Schranke um auf das wahrscheinlich seit Wochen erste Wohnmobil zu warten. Uns. Wir waren komplett allein auf dem Campingplatz. Na, ja, vielleicht lag das aber auch an den, vornehm ausgedrückt, unzureichenden sanitären Anlagen. Immerhin hatte aber eine von 4 WC`s noch eine Tür. Nein, keine falsche Anerkennung meiner Hingabe an andere Länder, andere WC`s. Ich bin ein sehr Heimatverbundener WC Liebhaber. Meine Liebe gilt ausschließlich dem Keramikschüsselchen in der Liesel. Aber feixend gucken kann man ja mal.

Am Morgen hörte es dann auf zu regnen. Das nutze Martin dann gern zum Abwaschen. Dann sollte es weiter gehen, aber ups, wo war die Brücke? weggespült. Also irgendwie mit Hilfe der Naviapp durch das Dorf schlängeln zur Umgehungsstraße.

Weiter ging die wilde Fahrt. Urugay hat viel Land und viel Zaun. Martin ersonn sogleich eine Geschäftsidee, um den allerorts herumliegenden Plastikmüll zu unverrottbaren Zaunpfählen zu verarbeiten und hier an den Gaucho zu bringen. Danach wäre dann Argentinien zu beliefern.

Also, wenn das mit Europa nichts wird, dann haben wir diese Idee als erster gefunden. Klippo.

Die Straßen waren auch ein unterhaltsames Thema. Ich denke das Prinzip ist gar nicht so schlecht, statt die Straßen zu reparieren, denkt man sich einfach jede Menge verschiedene Schilder aus, um vor dem Zustand zu warnen. Da gab es Schilder mit Schlingernden Autos oder aufgemalten Buckeln.

Wir nahmen das Ernst und wurden deshalb auch als fahrende Straßensperre von allen Uruguayern überholt, die sicherlich nun der Überzeugung sind, alle Ausländer sind Schnarchnasen. Andererseits kam einer von Ihnen mit seinem LKW erheblich ins Kippeln, als er uns überholte. Auch erscheint mir nun die Geschichte von einem umgekippten Wohnmobil nicht mehr so abwegig. Die Straßen zeigten wirklich alle möglichen Wölbungen in jede Richtung auf, von den Schlaglöchern mal ganz zu schweigen.

Einen Zwischenstopp legten wir in einem Zoo ein, der unglaublich viele Tiere hatte, insbesondere aber Vögel. Eine solche Masse von freilaufenden Pfauen haben wir noch nie gesehen.

Am Ausgang haben wir in den Bäumen dann die Nester von freilebenden Papageien entdeckt. Diese bauen Mehrfamiliennester. Wirklich irre, wie emsig sie die zusammenschustern.

Da der Zoo keinen Eintritt nah, haben wir uns entschlossen im parkeigenen Cafe Empanadas und einen Cafe con Leche zu bestellen. Das Cafe, betrieben von zwei älteren Damen,  ist eher auf Sommerbesuch eingestellt mit einer Riesenterrasse. Innen waren nun behelfsmäßig vier Tischchen reingequetscht worden. Die Damen saßen in Ermangelung irgendwelcher Gäste – auch im Zoo waren wir fast allein- jede an einem Tischchen mit Kreuzworträtseln, auf dem dritten Tisch befand sich selbstgemachter Kuchen und wir bekamen dann den verbliebenen Tisch. Ganz, ganz rührig haben sich dann die Damen um uns gekümmert.  Sie hielten uns übrigens für Holländer. 

Dann gings weiter zu unserer ersten Terme, der Terma de Almiron. Die einzige heiße Quelle mit Salzwasser. Was für ein Genuß.  Nicht nur, dass das wirklich angenehm für die Haut ist und wir auch hier, jedenfalls als wir im Wasser waren, die gesamten Termalbäder für uns hatten, nein, auch ein schöner Campingbereich ist mit angeschlossen.

Hier einige Fotos von unserem Wellness:

Unterwegs ist es nun doch erheblich schwerer gute Internetverbindungen zu finden. Mein Handy, dass ich als Hotspot ausprobiert habe, hat aber natürlich hier weit weg von den Städten auch nicht die Internetverbindung die nötig ist, um z.B. Fotos hochzuladen.

Derzeit bearbeite ich diesen Blog gerade "gemütlich" auf einer Tankstelle und muss mir zur Strafe schon den zweiten überaus grausamen "Capucchino" reinzwängen. Dafür ist deren Internet aber ganz prächtig. Wie oft wir so was finden, weiß ich natürlich nicht. Daher nun wohl etwas größere Abstände.


Insgesamt kommen wir nun so langsam in Schwung. Das Fahren und die ganze Situation wird wahrer für uns. Zwar haben wir immer noch das Gefühl, dass es in so zwei bis drei Wochen zurück geht, wie in einem normalen Urlaub, aber auch das wird sicherlich bald vorbei sein.

Uruguay gefällt uns ganz prima. Die Fahrten vorbei an unglaublichen Flächen ist wunderbar. Eine solche Masse an " Schwarzbunten" und Kühen jeder anderen Farbe haben wir noch nie gesehen. Natürlich gibt es auch hier Armut und wirklich nicht so schöne Siedlungen. Aber die Leute sind ungemein freundlich. Dauernd werden wir auch im Auto von Fußgängern und vor allem von entgegenkommenden LKW`s begrüßt. Hier noch einmal einen Dank an Kim und Mia. Möglicherweise sehen wir von weitem wirklich aus wie ein LKW (nun ohne die wieder abgekratzten Alemanai/Germany Aufkleber) und das Grüßen bezieht sich einfach auf ein unter den Fahrern herrschendes Ritual. 


Bis zum nächsten Mal  :)

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Kommentare: 4
  • #1

    Andreas (Sonntag, 16 August 2015 21:53)

    Oh, wird Uruguay nicht auch die Schweiz Südamerikas genannt? Da bin ich ja schon ganz gespannt, welches Downgrade Ihr bei den Strassenverhältnissen erleben werdet, wenn Ihr die Schweiz verlasst. Rad- und Achsenbruch? Haltet den Kopf hoch und versorgt uns auch weiter mit Bildern der sicher hochdelikaten Tierwelt.

  • #2

    Silke (Dienstag, 18 August 2015 00:04)

    Eindeutig zu viele Tropfen für meine Andrea !
    Und - Igitt ! - die Strassen : haben die da keine anständige StVO ! Wer sorgt denn da für Ordnung ?????!!
    Liebe Andrea, Du bereitest mir und Deinem mittlerweile entstandenen Fan-Club viel Freude mit Deinen Berichten - und : unser Mitgefühl ist bei Martin, der alles erträgt !!!!

  • #3

    Ruth (Dienstag, 18 August 2015 12:55)

    Ola chicas, das liest sich ja sehr eindrücklich, was ihr schon alles erlebt und gesehen habt! Wir haben-bei heute strömenden Regen (wie passend, man kann sich gut einfühlen;-) eure Homepage studiert. Klasse gemacht!!!
    Also, wir sind gespannt auf weitere Berichte und wünschen euch das Beste!!! Und falls ihr in Fortaleza /Recife vorbei kommt : Ein ganz beeindruckendes Beispiel von der Verwirklichung einer äußerst sinnvollen Idee eines Mannes: Lebensorte schaffen für Strassenkinder "Der kleine Nazareno", Bernd Rosemeier, der Gründer, kommt aus meinem
    Heimatstädtchen Löningen (der kennt mich nur als Ruth Mastall).
    Egal ,"es"wird euch finden, ne;-)?!
    Macht's gut wünschen Holger und Ruth

  • #4

    Edel (Donnerstag, 20 August 2015 08:23)

    Liebe Wanderfalten, wir haben jetzt alle PC's und Handy's so eingestellt, dass wir Euch immer begleiten können. Wir hoffen, dass Ihr bald wieder ein Netz zur Hand habt. Um Euch auch richtig begleiten zu können, haben wir eine große Bitte. Könnt Ihr größere Städte an Euren Aufenthaltsplätzen bzw. Sehenswürdigkeiten genau bezeichnen, dann können wir uns das im Internet noch einmal genau ansehen.
    Wir hoffen, es geht Euch weiterhin gut. Ganz liebe Grüße Edel & Wolfgang