Komm bei Papa....

Wir haben sie , die Schönste, die Einzige, unsere Liesel....

Dienstag, den 11.8.15 hatten wir als unseren Kampftag auserkoren. Unsere Auseinandersetzung mit südamerikanischen Behörden sollte starten. 


Bewaffnet mit den im Internet gefundenen Anweisungen ( in deutsch und englisch) ging es los. Die etwas unterschiedlichen Erklärungen hatten uns zu dem Zeitpunkt noch nicht beunruhigt.

 

Zuerst einmal zu den Agenten der Schiffslinie Grimaldi. Ein winzig kleiner Vorraum mit Schalter. Wie eine Puppenstube. Luft geholt und den vorbereiteten Satz auf spanisch runtergeschnurrt. Dann eine Frage im Amtsstil und ..Schluss. Hä? Die nette Dame wechselte ins Englisch. Das geht doch immer noch besser, auch wenn ich darin echt mies bin.  Sie nahm unsere Verschiffungspapiere ( Bill of Landing) an sich, verschwand und kam nach ca. 20 Minuten zurück. Mit Rechnung. 599 US Dolar in cash.

 

Fand ich jetzt für einen Stempel auf unseren Papieren erst einmal ganz schön raffgierig. Dafür bekamen wir aber noch die nächste Anlaufstelle auf einen Zettel vermerkt, nämlich den Hafenagenten, der für die Verwahrung zuständig ist. Auch hier sollten wir uns einen Stempel holen. Gesagt, getan. Unterlagen fest im Griff und mit meinem " ich muss noch was erledigen" Tempo durch die Altstadt. Den Straßenplan fest vors Gesicht gepreßt. Aha, hier. Der nette Concierge vermeldet den 3. Stock als richtig und deutet auf den Fahrstuhl. Wollte wohl mal richtig was zu lachen haben. Kleines enges Ding für zwei. Anfahrt und - rumps!!! Stockdunkles Entsetzen umgibt mich.  Paaaaaaaanik. Jeder weiß doch, das wir hier in Südamerika sicherlich nicht so versierte Hilfe bekommen wie in Deutschland. Atemnot. Ich meine sofort zu merken, dass die Luft schlecht wird. Man sieht nichts. Wie im Dialog im Dunkeln. Natürlich hatten wir auch nicht vorher die Knöpfe studiert und deren Lage auswendig gelernt. Also, hilflose Beruhigungsformeln von Martin in meine Richtung. Völlig sinnlos. Inzwischen hämmere ich schon wie wild von innen an die Tür und schreie aus Leibeskräften " ayuda" ( Hilfe). Will ich etwa hier mit meinen Papieren unter dem Arm verenden? Nein, will ich nicht.

Die anderen wohl auch nicht, jedenfalls rumst und ruckelt das Ding so vor sich hin, man hört Stimmen und plötzlich fahren wir in die Tiefgarage. Die Tür geht aus und ich will sofort raus. Wäre nun auch in den 20. Stock zu Fuß hochgepilgert. Rechne aber nicht mit Martin, der das Ding emotionslos und unbeeindruckt wieder in Gang setzt. Ok. Diesmal gings.

Der Concierge gestand uns dann nachher, dass das wohl öfter mal passsiert. Ja, schönen Dank auch. Dann ist ja gut.

Also Stempel abgeholt. Komischerweise umsonst. Dann die nächste Anlaufstelle angesteuert. Die Direccion National de Aduana ( Zoll). Aus meinen Laufzetteln wusste ich, dass wir erst einmal in den Nebeneingang sollten. Hier fanden wir einen Raum mit verglastem langen Tresen und einigen Beamten. Tja, elemelemu, wen ansprechen? Ich entschied mich für den Ältesten. Klar, können allle in den Behörden nur spanisch. Er war aber sehr bemüht. Er gab uns zu verstehen, dass wir erst einmal Kopien von allen nötigen Unterlagen anfertigen lassen müssten. Soweit, dass man das dort in der Behörde mchen kann, geht die Zugewandtheit dann aber doch nicht,

Also wieder raus in die Stadt und - hast Du hier schon einen Copyshop gesehen? Nee. Hm, auf meine Frage nach einem Copyshop hören wir als Antwort immer "Kiosko en dos Quadrados". Im Kiosk??? 

Na,ja, andere Länder, andere Sitten und tatsächlich, nach dem dritten Anlauf den besagten Kiosk gefunden. Hier ist man noch König. Es wird für einen kopiert:).

Also schnell mit den Kopien zurückgehuscht. Der Beamte beim Zoll nimmt die Unterlagen wohlwollend entgegenen und sagt, wir müssten nun ca. eine Stunde warten und sollten dann wiederkommen.

 

Wunderbarerweise war es gerade Mittagszeit. Wir entschieden uns im Mercado del Puerto  ( Sven und Karen hört wieder weg) mal ein ordentlich gegrilltes Stück Fleisch zu essen. Was soll ich sagen, leeeeeecker. Ein Rumpsteak von geschätzt 400g ( pro Person!!!). Zart, auf den Punkt und einfach köstlich. Hinterher gab es dann für mich einen Flan. Auf die Frage der Bedienung " con dulce de leche"? nickte ich gefräßig. War ja jetzt auch schon egal. Oh, man, wie lecker und feist war das denn? Dazu einen schönen Rotwein.  

Dergestalt nervlich gestählt ging es zurück zum Zollbeamten. Dieser war noch nicht ganz fertig, aber überwand sich dann doch unsere Unterlagen fertig zu stellen. Damit sollten wir dann zur Direccion National del Puerto. Ein monströses Gebäude. Hier bitte in Raum 4. Aha, ein junger Mann, einem Studenten ähnlicher, als einem Beamten ( leider aber auch wieder ohne ein Wort Englischkenntnisse) fragt sehr höflich nach unserer Einschätzung des Fahrzeugwertes. Ha, da hatte ich vorher gewusst, dass diese Frage kommt. Jetzt das freundliche Lügengesicht aufgesetzt und treudoof geantwortet: ungefähr 10.000 US Dollar.  Tara. Er ist ein absoluter Nichtkenner. Nickt und schreibt uns die Zollrechnung von 511 US Dollar. Möchte gar nicht wissen, was das gekostet hätte bei Nennung des wirklichen Wertes.


So, und nun kam der Teil, der überall anders beschrieben war. Irgendwie sollte man sich dann wohl in den Hafen vorkämpfen. Würde dafür aber eine Zutrittsgenehmigung benötigen, die wiederum sei notwendig um schlussendlich die " Numero de viaje" zu erringen, die sich aus allen möglichen Zahlen zusammensetzt, die die einzelnen Behörden dann immer Schritt für Schritt melden zuzüglich der Stocknumber ( Aufenthaltsort Liesel  im Hafen). Nur, woher bekam man das??

Ich las noch einmal einen kleinen Zwischensatz in einer der Anleitungen. Da stand was von einem weiteren Beamten im Zollgebäude. Diesmal aber durch den  Haupteingang. " Manifestacion und Declaraccion" oder so ähnlich. Den besuchen wir jetzt einfach mal. Unser Glücksgriff. Der Mann konnte etwas Englisch und war super motiviert. Wahrscheinlich sahen wir schon so mitgenommen aus, dass er seine gute Tat des Tages an uns verschwenden wollte. Er nahm sich jedenfalls sein Telefon und erledigte alles flugs im Ganzen. Er präsentierte uns die fertige " Numero de Viaje" und schickte uns los Richtung Hafeneingang. Tja, aber dort saß ein " Zuständiger", der uns ohne " Zutrittsgenehmigung" nicht in das Hafengebäude lassen wollte. Zurück zum jungen Beamten und jejammert. Er: Der hat nichts zu sagen, dass benötigen Sie nicht. Aber sonst sagen Sie einfach, Sie wollen zur Fähre und biegen dann einfach rechts in das Hafengelände ab".

Ok. Gesagt, getan. Und schwupps einfach nach rechts durchgebrochen mitten rein in das Hafengewimmel. Sie steht auf dem " ATM" Gelände. Nur, wo ist es ? Tja, leider 4 Kilometer entfernt. Und dann sahen wir sie. Da stand sie. Wie ein verlassenes Kindergartenkind, dass versehentlich nicht abgeholt wurde. Komm bei Papa....

Leider war es damit noch nicht geschafft. Nun mussten wir noch in einem Büro innerhalb des Hafengeländes eine temporäre Einfuhrgenehmigung holen. Und, tja, Pech. Wir hatten gar keine Schlüssel für die Lieselgarage ( hatten nie und nimmer nicht gedacht, dass wir es innerhalb eines Tages schaffen) und damit auch nicht die sich dort befindenden Kennzeichen.

Was nun? Es war 16:30. Um 17:00 schließt der Hafen. Ich wagte mich ins Büro vor und traf eine Dame, die sich unserer erbarmte. Martin fuhr mit dem Taxi zur Wohnung, um die Schlüssel zu holen . Derweil plauderte die Dame mit mir fast eine 3/4 Stunde - auf spanisch-, machte Überstunden und wartete mit mir auf Martins Rückkehr.

Geschafft!!!!

Wir sind dann gestern Abend, nach einem Sekundenaufbruch aus der Wohnung, losgefahren und haben 5 km entfernt am Leuchtturm übernachtet. Superdunkel, da sich die Batterien irgendwie komplett entladen hatten und kein Licht mehr ging. Diesen Verbraucher, der Strom zieht, gilt es jetzt zu finden.


Heute schüttet es in Strömen. Ganz unglaublich und ohne Unterlass. Bedauerlicherweise ist das hintere kleine Fenster nicht dicht. Obgleich wir das für teuer Geld hatten reparieren lassen. Mal sehen, ob wir das gerichtet bekommen.

Derzeit sind wir auf einem Campingplatz von Schweitzern, den alle Globetrotter ansteuern, die gerade nach Hause verschiffen oder wie wir verschifft haben. Erst einmal müssen wir alles einräumen und uns häuslich einrichten.


Wann ich wieder eine gute Internetverbindung habe, um zu schreiben, weiß ich nicht. Ich werde mich weiter bemühen. Bis dahin....


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Kommentare: 4
  • #1

    Jürgen (Mittwoch, 12 August 2015 22:15)

    Hola mi Dears,
    Papá tiene Liesel de nuevo, gracias a Dios. ¿Por qué no se toma también la clave? La carne se veía muy fantásticamente, ya que puede ser casi celosa ....
    Nos complace sobre cada una de sus entradas, se lee casi como "Hummeldumm". En la esperanza de la próxima conexión a Internet y los próximos "historias"

  • #2

    Silke (Donnerstag, 13 August 2015 22:34)

    Herzlichen Glückwunsch zur gigantisch schnellen Liesel-Rettung . Das hätte auch Wochen dauernckönnen, wie ich gehört habe. Back to parents !!! Jetzt kann das Abenteuer richtig beginnen ! Wir sind bei Euch und freuen uns auf die weiteren Berichte....Gruesse und Kuesse !

  • #3

    Inga (Donnerstag, 13 August 2015 22:37)

    Liebe Andrea,
    ¡¡¡MUCHAS GRACIAS!!! Ich liege zwar mit einer fetten Mandelentzündung flach, musste aber mehrfach Tränen lachen, als ich Deine Berichte der ersten Reisetage las!!! Ich wusste gar nicht, dass Du so humorvoll schreiben (Und sooo viel auf einmal essen!?!) kannst!?! Deine Schriftsätze ließen das jedenfalls nicht erahnen...

  • #4

    Edel (Samstag, 15 August 2015 15:01)

    Ich habe mir diesen gemütlichen Samstagnachmittag ausgesucht, um eure gesamte Homepage zu studieren. Kompliment - sie ist super und die Berichte so anschaulich, als wäre man dabei. Wolfgang hat beim Anblick der Steaks gesabbert und wollte sofort dorthin. Der Fahrstuhlhorror könnte aus einem Thriller stammen und bei der glücklichen Befreiung der Liesel entwich mir ein Seufzer. Einfach herrlich - ich bleibe auf euren Spuren - viel Spaß und bleibt gesund Edel