Montevideo, Sonntag+Montag

Am Sonntag in aller Herrgottsfrühe - und das meine ich genauso - ging es dann bereits weiter nach Montevideo.

Die Schnellfähre legte ab um 7.30. Einchecken musste man bereits eine Stunde vorher.

Ich als Reiseleiterin hatte mir natürlich vorher den Weg vom Hotel zum Buquebus Terminal ( so heißt das Unternehmen) auf dem Stadtplan angeschaut. Es waren lediglich gut 1000 Meter. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass könne man ja nun keinem Taxifahrer zumuten, lediglich eine solche kurze Strecke zu fahren. Ich beging also den Fehler Martin davon zu überzeugen, dass kleine Stück könne man ja wohl auch zu Fuß gehen. Sei doch schön, so am frühen Morgen. War es nicht! Und ich konnte mich dann noch nicht mal beschweren oder nörgeln. Irgendwie hatte ich verabsäumt, unser Gepäck zu zählen. Also zwei Reisetaschen mit Rollen, ein Koffer mit Rollen, zwei Rucksäcke, zwei Kamerataschen. Die Laptoptasche hatte ich schon verschämt in den Koffer gestopft. Also, wir bepackt wie zwei Mulis losgerollert. Martin hatte sich der zwei Reisetaschen angenommen. Ich zerrte also den Koffer über das zugegeben sehr kaputte Pflaster und meinte,  immerfort so ein komisches Geräusch zu hören. Bei genauerer Betrachtung war die Ursache schnell gefunden. Eine der Rollen hatte sich quasi zerlegt, also hing nur noch schief am seidenen Faden. Kein Wunder, dass das Ding wie ne Tonne hinter mir hing. Tja, was soll ich sagen. 1000 Meter können schon ungeahnt lang sein.  An Martins Stelle hätte ich mich irgendwie rund gemacht. 

Wir kamen im wahrsten Sinne des Wortes schweißgebadet an.

Der verflog in der auf Eiskellertemperatur heruntergekühlten Schnellfähre dann aber ungemein schnell. 

Zum Glück fing der Starkregen dann erst unmittelbar nach unserer Ankunft im Fährterminal an! 

Montevideo empfing uns nach lediglich 3 stündiger Überquerung des Rio de la Plata ( von wegen golden, nussbraun ist das Wasser) mit 25 Grad. Wohl auch für die Uruguayer echt ungewöhnlich, so sagte jedenfalls Sebastian, unser Vermieter, der uns mit seinem Auto am Hafen abholte. Ein Glücksgriff dieser junge Mann. Meine erste Feuerprobe in der spanischen Sprache. Mit ihm musste ich dann natürlich richtig reden und nicht nur einige Sätze wie bisher. Ging, jedenfalls ganz passabel. Hat sich die Schufterei also doch gelohnt, mit dem alten Hirn noch eine Sprache zu lernen. 

Wir sind dann des Nachmittags, nachdem Sebastian für uns noch eine Simkarte kaufte und uns Geld lieh, weil alle Bankautomaten in den am Sonntag natürlich geschlossenen Banken steckten, durch Montevideo gelaufen. Gefällt uns hier. Bei jedem zweiten Haus präsentiert mir Martin den immer selben Text " oh, was für tolle Fassaden, dass muss ja mal eine superreiche Stadt gewesen sein. Ein Jammer, dass die so wenig restauriert werden". Aber das stimmt. Hier verbergen sich wahre Schätze.

Am Montag begriffen wir dann, was Sebastian mit ungewöhnlichem Wetter meinte:

Dauerregen, Sturm und höchstens 14 Grad!! Nordsee lässt grüßen. Insofern kamen wir natürlich mit unseren hermetisch abriegelnden Trekkingjacken ganz groß raus.

Neben den Fassaden bewunderte Martin auch noch die teilweise kuriosen Fahrzeuge. Dei teilweise nicht auf Räder unterwegs sind, sondern eher auf Slicks. Hier nun bunt einige Eindrücke.

Das Steak war übrigens unsere erste Bekanntschaft mit dem enorm tollen uruguayischen Fleisch ( Sven und Karen müssen jetzt weghören und tapfer sein). Das ist ja wohl sooooo lecker. Die nächsten Tage werden wir uns mal so eine richtige Fleischportion in der Markthalle genehmigen. Da ist unser deutsches Grillen aber so gar nichts dagegen. Pillepalle. Die Bilder kommen dann demnächst. Da wird mal klar, wer wirklich Grillmeister ist!

Am Montag haben wir dann auch den ersten Schritt zur Befreiung der Liesel unternommen. Wir mussten zur Direccion National de Migracion und stotternd und radebrechend um eine Bescheinigung der temporären Einreise nachsuchen. Ehrlich, sah aus wie im Bürgermat in Lüneburg. Ich schwöre, dass ist der gleiche "Nummernziehapparat".


Die dortige Beamtin zeigte sich erst etwas spröde zu unserem Ansinnen und wollte uns glaube ich begreiflich machen, dass doch der Passstempel reiche. Ich las dann aber immer wieder höflich vor, dass wir das benötigen für den Zoll ( ich hatte so eine Art Laufzettel von unserem Verschiffer erhalten). Ich habe sie ja nicht so richtig verstanden, aber ich glaube sie wusste letztlich keinen anderen Weg uns loszuwerden, als dann  das Dokument auszustellen. Man soll ja freundlich, aber beharrlich bleiben. Erste Lektion also erfolgreich angewandt.


So und am Deinstag geht es dann weiter mit den Ämtern.....

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Kommentare: 4
  • #1

    Dini (Dienstag, 11 August 2015 18:47)

    Na das läuft ja alles wie am Schnürchen :)
    Noch viel Erfolg bei der Befreiung der Liesel!

  • #2

    Astrid und Jürgen (Dienstag, 11 August 2015 20:13)

    Ihr beiden Lieben, wir freuen uns, dass wir fast täglich über die neuesten "Entwicklungen" auf dem laufenden gehalten werden , das ist fast wie "dabei sein"! Ein großes Lob an Dich, Andrea, dass Du uns immer so herrlich humorvoll mitnimmst und Dir so viel Mühe beim schreiben gibst!!!!
    Wir wünschen Euch viel Erfolg bei der Lieselbefreiung, und warten gespannt auf die weiteren Ereignisse! Und Kopf hoch, nach Regen kommt auch wieder Sonne! Ganz liebe Grüße!!

  • #3

    V. Christ (Mittwoch, 12 August 2015 14:26)

    Hallo, das sind ja packende Schilderungen, Reisejournalismus vom feusnten! Man ist natürlich sehr gespannt, wie es weitergeht..auch die Fotos sind klasse, da ist man ja unmittelbar dabei! Viel Glück weiterhin Grüße von Ihrem V. Christ

  • #4

    Eric (Donnerstag, 13 August 2015 12:00)

    Ha, das ist ja spannend!! Wusste gar nicht, dass ihr jetzt schon drüben die grosse Reise gestartet habt. Vorhin gab mir - nach unserem ersten Treffen - Deine Kollegin "Mel F." den Tipp für Wanderfalten. Da werde ich mit Sicherheit immer mal stöbern. Passt auf euch auf.
    LG Eric